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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

04. Dezember 2016 | 03:00 Uhr

Bürgerinitiative „Pro Schiene“ : Natur erobert den Lübzer Bahnhof

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Umfangreiche Beratung der Bürgerinitiative (BI) „Pro Schiene“ zum Zustand und zur Zukunft der Südbahn. Sprecher: Für Koalition im Land kein Thema mehr

Erhalt und Weiterentwicklung der Südbahn sowie Planungen für die Zukunft waren Themen auf der jüngsten Zusammenkunft der Bürgerinitiative (BI) „Pro Schiene“ in Lübz.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Wolfgang Waldmüller hatte im Vorfeld der Sitzung telefonisch über das Thema Südbahn im Kontext der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD berichtet, so BI-Sprecher Clemens Russell. Das CDU Wahlprogramm enthielt die Option für eine erneute Prüfung, um den Fortbestand der Südbahn zu sichern. Gespräche zu diesem Punkt mit Verkehrsminister Pegel im Vorfeld der Koalitionsverhandlungen hätten keinerlei Fortschritt gebracht. „Das bedeutet: Erhalt und Weiterentwicklung der Südbahn ist für die Landesregierung gegenwärtig kein Thema und der Koalitionsvertrag äußert sich zum Thema Südbahn an keiner Stelle“, sagt Russell. Die Haltung von Waldmüller bleibe allerdings unverändert.

Nico Skiba (CDU), Mitglied des Kreistages und Vorsitzender des Ausschusses für Kreisentwicklung, sehe verkehrs- und infrastrukturpolitisch wichtige Perspektiven in drei Schwerpunkten. So pendelten viele Menschen aus unserer Region täglich kräftezehrend mit dem Auto in die Metropolen, vor allem nach Hamburg. Sie arbeiteten dort für hiesige Firmen, die ihre Kundschaft und Märkte nicht hier, sondern in den Großstädten der Metropolregion haben. Sie wollten aber in unserer Region bleiben, weil sie zum Großteil auch ihre Familien und Häuser hier haben.

Ziel: Individualverkehr auf die Schiene verlagern

Der Individualverkehr erreiche in den Großstädten kaum noch beherrschbare Dimensionen. Zur Fachkräftesicherung und aus Gründen des Gesundheitsschutzes gebe es Denkansätze vieler hiesiger Firmen über die Verlagerung des Individualverkehrs auf die Schiene nach. Dazu brauche man allerdings eine leistungsfähige Infrastruktur, die auch die Südbahn vorhalte. Über die Metropolregion müsse neu nachgedacht werden: Arbeiten im Zentrum und Leben drumherum – erreichbar über ein Netz aus schneller Schienenanbindung, runter von der überlasteten Straße, der Bus sammelt ein und die Schiene verknüpft die größeren Orte im Ein-Stunden-Takt.

Viele Jugendliche hätten zudem große Probleme, ihren Berufsschulverpflichtungen nachzukommen, weil das Thema Mobilität völlig unzureichend gelöst sei. Mit den damaligen Südbahnverbindungen habe man besser planen können. Auch hier solle eine Rückbesinnung stattfinden.

In Bezug auf das Thema Tourismus müsse die Anbindung unserer Region an die Nord-Süd-Achsen der Deutschen Bahn (DB, Rostock – Berlin und Hamburg – Berlin) nach Schwerin und über die Bahnverbindung in Brandenburg zwischen Meyenburg, Pritzwalk und Neustadt/Dosse nach Berlin auf der Tagesordnung bleiben. Veranstaltungsorte und Veranstaltungen müssten erreichbar bleiben, um dem Fahrradtourismus und der autolosen Familie aus den Ballungsräumen – dort sei nicht zwangsläufig ein Pkw erforderlich – das Erreichen unserer Tourismuszentren möglich zu machen.

Uwe Schlag aus Plau am See machte als Vertreter der Tourist Information deutlich, für wie wichtig er eine gute Anbindung der Stadt an das Bahnstreckennetz halte. Seit Schließung der Südbahn sei der Fahrradtourismus eingebrochen. Man solle für 2017 über einen touristischen Gelegenheitsverkehr im Zusammenhang mit Großveranstaltungen in unserer Region nachdenken.

Der Zustand des Lübzer Bahnhofs beginne durch Verdreckung und Zerstörung schrittweise bedrohlich auszusehen. Russell: „Abbau und desaströses Vor-sich-hin-verrotten-lassen gab es genug in unserer Region. Hoffentlich gelingt die Wende in Sachen Südbahn. Übrigens sehen die Bahnhöfe Spornitz und Neustadt-Glewe an der noch befahrenen Südbahnstrecke zwischen Parchim und Ludwigslust an manchen Tagen aus wie Nebenstellen von Müllplätzen.“ Man wisse nur zu gut, warum das so sei, wer wofür eigentlich verantwortlich ist und dass man da eigentlich nichts machen könne: „Mit der Haltung, werte Vertreterinnen und Vertreter in den Gemeinden – die sich ja bekanntlich auch für den Erhalt der Bahn einsetzen – kommt man aber auch nicht weiter. Ein Minimal-Niveau an Sauberkeit und Gepflegtheit im äußeren Erscheinungsbild sollte doch drin sein!“

Barrierefreie Toilette in Parchim bauen

Außerdem müsse sich Parchim, „die wahrlich nicht verarmte Kreisstadt“, doch eine gepflegte barrierefreie Toilette auf dem Bahnhof leisten können.

Außerdem sollten die Busfahrer der Linie 77 nach fast zwei Jahren Betrieb endlich eine störungsfreie Mobilfunk-Verbindung mit der ODEG (Parchim) und der DB (Malchow) erhalten, um sich über Verspätungen zu informieren. Ärgerlich sei, dass das DB-Portal nicht korrekt über die Verbindungen zwischen Parchim und Waren informiert.

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erstellt am 03.Nov.2016 | 06:00 Uhr

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