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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

30. September 2016 | 08:39 Uhr

Förderschule Dobbertin : Jetzt blüht Julius auf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Siebenjähriger mit Handicap fühlt sich auf der Förderschule in Dobbertin pudelwohl

Ärzte, Untersuchungen, Tests – in seinen ersten Lebensjahren hat Julius mehr Zeit in Krankenhäusern zugebracht als im Buddelkasten. Seine Odyssee begann bereits im Säuglingsalter. Da war Julius dick, fast aufgedunsen, erzählt Sandra Engelmann, seine Mama. Schlechte Haut, Milchschorf wie ein Helm, Wasser und auffallend entwicklungsverzögert – Symptome zeigte Julius viele und doch gelang es den Ärzten lange nicht, eine abschließende Diagnose zu stellen. Als irgendwann dann die Gehirnströme des Jungen untersucht wurden, war klar, er ist ein „Anfallskind“. Noch keine sechs war der Kleine damals. Seitdem haben seine Eltern zwar ein stückweit Klarheit darüber, warum ihr Jüngster anders ist und sich anders entwickelt als Gleichaltrige. Doch die Diagnose Epilepsi schwebt seither auch wie ein Damokleschwert über der Familie.

Dass da noch mehr sein muss, etwas, das Julius leicht authistische Züge annehmen lässt, scheint gewiss. Da er jedoch seit einem Jahr ohne Medikamente auskommt und bis heute noch nicht einen Anfall hatte, wollen seine Eltern mit nächsten Untersuchungen ein paar Jahre warten. „Wahrscheinlich würde es an der Situation ohnehin nichts ändern“, vermutet Sandra Engelmann und weiß, dass vor allem ihr Großer, der 13-Jährige Jannis, die Ruhe im familiären Alltag braucht. „Die Beiden haben ein tolles Verhältnis, Jannis macht das sensationell mit dem Kleinen“, erzählt sie, „da kann sich manch ein Erzieher ’ne Scheibe abschneiden.“

Als 2014 die Entscheidung anstand, welche Schule Julius besuchen sollte, stellte sich den „Engelmännern“ die Gewissensfrage. Daheim in Holzendorf bei Dabel kamen die Förderschule in Sternberg oder (wegen des Trends zur Inklusion) auch die Grundschule in Dabel in Frage. Julius’ Eltern entschieden sich entgegen die geltenden Einzugsbereiche für die „Förderschule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung“ im Kloster Dobbertin, eine Einrichtung der Diakonie. Das lag mehr als nahe. Sandra Engelmann hatte schon vor Jahren den Schichtdienst als Heilerzieherin im Behindertenheim der Diakonie in Wamckow gegen den Job als Pädagogische Unterrichtshilfe in der Förderschule getauscht. Auch wegen Julius’ Therapien, für die sie nicht immer die Großeltern einspannen wollte. „Wir haben unsere Entscheidung nie bereut. Julius ist jetzt im zweiten Unterstufenjahr“, erzählt die 41-Jährige, „und er hat sich toll entwickelt, ist so viel entspannter und selbstbewusster geworden.“ Dass der Siebenjährige seine Mama als Schutzschild im Hintergrund weiß, ist ihr natürlich bewusst. Doch nicht vergessen hat sie die Kindergarten-Jahre, als Julius mehr krank als gesund war. „Seit er hier in Dobbertin ist, ist er nicht ein einziges Mal ausgefallen“, sagt sie und ist überzeugt, es kann nur am Wohlfühlen liegen. Hier habe er feste Strukturen, einen festen Rhythmus, eine kleine Klasse. Menschenmengen und große Lautstärke – das sind zwei Situationen, mit denen Julius gar nicht umgehen kann und auf die er auch heute aggressiv reagiert. „Ich will Inklusion gar nicht schlecht reden. Doch es gibt einfach Kinder, die brauchen einen anderen Rahmen. Die Förderschule hier in Dobbertin mit all ihren Betreuungs- und Entfaltungsmöglichkeiten bietet ihn“, sagt Sandra Engelmann und ist dankbar, „jetzt blüht Julius endlich auf“.

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erstellt am 23.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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