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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

26. Mai 2016 | 04:43 Uhr

Flüchtlinge im Landkreis : Integration von Syrern im Blick

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Bundestagsabgeordneter Frank Junge (SPD) informierte sich kürzlich über die Lage von Flüchtlingen und Helfern in der Plauer Unterkunft.

Dienstag war er nicht nur in Plau, um die obligatorische Bürgersprechstunde abzuhalten, sondern auch um die seit Dezember bestehende Flüchtlingsunterkunft in Plau-Appelburg zu besuchen: Frank Junge, Bundestagsabgeordneter der SPD mit Wahlkreis unter anderem im Gebiet Ludwigslust-Parchim traf sich in Appelburg mit denen, die von ihren spezifischen Erfahrungen berichten können, weil sie hier vor Ort schaffen. Junges Ansprechpartner also: der Plauer Helferkreis, Bürgermeister Norbert Reier, der Fachgebietsleiter Wohnungsverwaltung des Kreises, Christian Herrmann, und schließlich Anke Sengbusch, Mitarbeiterin der Awo-Ausländerberatung Ludwigslust. Die Unterkunft in einer ehemaligen Pension nahe „Antik Plau“ wird von der Arbeiterwohlfahrt betreut.

Ursula von der Leyen hat jüngst in einer Talk-Runde Wahres ausgesprochen: Was uns zurzeit in Stadt und Land als Flüchtlingsproblematik bis in die Nachbarschaften hinein berührt, ist Weltgeschichte. Aber die Zeiger der Uhr stehen noch auf Anfang. Politik, Verwaltung, Sozialverbände, Bildungsträger und jeder Einzelne in unserem Land sind zurzeit in Lernprozesse eingebunden und in den Gesprächen mit Junge bildet sich genau das ab. Manches können die Plauer berichtsreif „rüberbringen“, anderes, in die Zukunft Weisendes, kann vorerst nur angedacht werden.

Im Dezember bezogen die Flüchtlinge – ihre Zahl liegt heute bei 73 – die Unterkunft. Hilfe in Form von Spenden jedweder Art wurde und wird unter Federführung der Kirche organisiert, berichtet Bürgermeister Reier. In Appelburg handelt es sich, erfährt Junge, ausschließlich um Syrer, ein Drittel sind Christen, zwei Drittel Muslime. „Wir haben Glück“, berichtete die Leiterin des Hauses, Manuela Voelz, der Zeitung bereits am Telefon, „es gibt bei uns bisher keine Probleme.“ Unter den Flüchtlingen in Plau sind Familien und insgesamt achtzehn Kinder, vom Säugling angefangen aufwärts. Das Haus wirkt gut geführt, von Chaos keine Spur.

Was Wunder auch, wo doch die Plauer Helfer-Gruppe „ihre“ Schüler und Schülerinnen ganz schön in Atem hält. Morgens Unterricht, nachmittags wieder. Der Desintegration und späteren Bildung von Parallelmilieus hat die etwa vierzigköpfige Helfermannschaft, einige darunter sind Lehrer gewesen, unisono den Kampf angesagt. „Einstiegskurse“, nennt Andreas Schön, pensionierter Lehrer, die Unterrichtseinheiten, die planmäßig gegeben werden. Im Untergeschoss haben die engagierten Plauer Bürger die Speiseräume in Unterrichtsräume verwandelt. Sogenannte „Lernbausteine“, die schon in den alten Bundesländern ihren Dienst taten, kommen gerade zum Einsatz, ihre Themen: Familie, Arzt, Behörden, Verkehr. In einem der Unterrichtsräume sitzen syrische Kinder an langem Tisch und lernen noch. Auf einer Tischstaffelei steht eine Unterrichtsvorlage: Gegenstände sind abgebildet, daneben stehen die Begriffe in lateinischer Schrift.

Am Ende des Rundgangs mit Frank Junge bilden die Beteiligten spontan eine Gesprächsrunde. „Was ist für Sie perspektivisch das Wichtigste“, fragt MdB Junge den Bürgermeister. „Die Flüchtlinge in Arbeit bringen“, anwortet Norbert Reier. Lehrer Andreas Schön hält in gewisser Weise dagegen: „Deutsch lernen und nochmals Deutsch lernen.“ Aber beides hängt naturgemäß zusammmen, gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt setzen gute Sprachkenntnisse voraus. Sorgen macht aber die Tatsache, dass die allermeisten der Syrer, sobald sie ihren „Titel“ haben, die Plauer Zwischenstation verlassen möchten Richtung Stadt, teils um zu studieren, teils wegen der Arbeitsmöglichkeiten. „Händeringend“ aber wollen ihre Plauer Mentoren sich dafür einsetzen, dass sie zum Teil auch bleiben. „Wir haben Bedarf im Gesundheitsbereich, Tourismus und Gastronomie“, sagt der Bürgermeister. Frank Junges Fazit lautet schließlich: „Ich werde mich um diese Schnittstelle kümmern.“ Sprich: um den Übergang in die „Freiheit“, nachdem ein Bleiberecht attestiert wurde. Dann nämlich stellt sich die Frage, wie Integration auch weiterhin stattfinden wird und Ghettobildung in den Großstädten verhindert werden kann. Einen weitern Schwerpunkt auf Junges To-Do-Liste wird die Problematik der regelrechten Integrationskurse sein. Diese bzw. ihre Träger mitsamt zugelassenen Deutschlehrern sind im Kreis noch zu dünn gesät.

In Lübz, berichtet schließlich Christian Herrmann, Fachgebietsleiter der Wohnungsverwaltung des Kreises, auf Nachfrage, sind nun ebenfalls einige wenige Wohnungen in Mehrfamilienhäusern für Flüchtlinge angemietet worden. Intention des Kreises sei, so wenige Gemeinschaftsunterkünfte wie möglich zu bilden, daher werden grundsätzlich zunächst einmal leer stehende Wohnungen belegt. Ein Pflasterstein mehr auf dem Weg in eine Normalität in Deutschland.

 











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