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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

09. Dezember 2016 | 12:37 Uhr

Gesundheit : Im Ernstfall ein Wettlauf mit der Zeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Herzwochen 2016: Die Plauer KMG-Klinik forciert Herz-Lungen-Wiederbelebung auch für interessierte Laien.

„Fester drücken!“ Andrea Drumm schaut ungläubig. Seit knapp anderthalb Minuten bearbeitet die Physiotherapeutin in der KMG-Klinik Silbermühle einen Dummy per AED, per automatisiertem externen Defibrillator. Seit sie seine zwei Elektroden auf die Brust ihres Plastikkranken geklebt hat, redet der „Defi“ mit ihr, analysiert die Ursachen auf Herzebene, macht immer wieder Rhythmusanalysen und korrigierte gerade die Intensität ihrer Herz-Druck-Massage…

Andrea Drumm drückt fester. Der Defi schweigt. Bis zum nächsten Kommando. Olaf Finger, externer Ausbilder, motiviert: „Genau so.“ Im Rahmen der gerade laufenden „Herzwochen 2016“, an denen sich deutschlandweit kardiologische Rehabilitationskliniken wie die Plauer „Silbermühle“ und Akutkrankenhäuser beteiligen, laufen unter seiner Regie Kurse zur „Herz-Lungen-Wiederbelebung“ am AED. In einem parallelen Training unterweist Dieter Böder, ehemaliger Technischer Leiter der Plauer KMG-Einrichtung und heutiger DRK-Sanitäter, in der richtigen Herz-Druck-Massage. Ärzte, Schwestern, Therapeuten, selbst die KMG-Kraftfahrer sind eingebunden. Überdies hat die Klinik das „kardiopulmonale Reanimationstraining“ für interessierte Außenstehende offen gemacht. Ein Angebot, dass etwa die Lehrer der Kantor-Carl-Ehrich-Grundschule Plau gern nutzten.

„Lange stand die Frage, ob man Laien in die Herz-Lungen-Wiederlebung überhaupt einbeziehen kann oder Reanimation rein medizinische Aufgabe bleiben sollte“, sagt Dr. Hartmut Brauer, Chefarzt der Kardiologie der Plauer KMG-Klinik. Heute, wo Flughäfen, Bahnhöfe, viele öffentliche Einrichtungen und selbst Einkaufscenter mit AED ausgestattet sind, ist die Frage beantwortet. Die AEDs, umgangssprachlich auch Laiendefibrillatoren genannt, analysieren völlig eigenständig, unterscheiden zwischen Kammerflimmern und Asystolie (Herzstillstand) und geben dem Bediener entsprechende Kommandos. „Unsere eigenen Leute müssen mit den AEDs umgehen können, weil es in einer kardiologischen Reha-Einrichtung wie unserer einfach nicht passieren darf, dass etwa am Empfang jemand umkippt und keiner der Umstehenden helfen kann“, bringt Dr. Brauer das Ziel der jährlichen Schulungen auf den Punkt. Darüber hinaus sieht der Chefkardiologe die enormen Vorteile, wenn auch Laien über ein (kostenloses) Reanimationstraining den „Defi-Führerschein“ machen können. „Schließlich kann jeder in die Situation kommen, einem anderen Menschen durch Reanimation das Leben zu retten“, sagt Dr. Brauer. Und dann sei es gut, wenn man am AED wenigstens schon mal eine Trockenübung gemacht hat. „Denn“, so der Chefarzt, „im Ernstfall ist keine Zeit zum Nachlesen. Für die Reanimation bleiben fünf Minuten; alles darüber hinaus führt zu Schäden. Zeit ist ganz einfach Gehirn.“

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erstellt am 25.Nov.2016 | 06:00 Uhr

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