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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

09. Dezember 2016 | 08:49 Uhr

Mehrgenerationenhaus Lübz : Hoffnung zügig wiedergewonnen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Marion Lalla leitet nach diversen Aufs und Abs jetzt die Küche im Lübzer Mehrgenerationenhaus. Ihre Freude über die gute Arbeitsatmosphäre ist besonders gut.

Marion Lalla hat ein Leben mit vielen Höhen und Tiefen hinter sich. Zwei Dinge sind nie verloren gegangen: Zuversicht und gute Laune.

Nach zehn Klassen Schule in Ganzlin – eine kleine, wie nahezu alle ihrer Art längst verloren gegangene Einrichtung, an die sie sich gern erinnert – wird die Mecklenburgerin schwanger. Mit 17 bekommt sie ihr erstes Kind. Der Junge wird 1984, seine Schwester drei Jahre später und ein Bruder 1992 geboren. „Aus heutiger Sicht war es gut, früh Mutter zu werden“, sagt Marion Lalla. Alle verdienen schon ihr eigenes Geld oder werden ausgebildet – der Jüngste zum Zimmerer und Dachdecker“, sagt Marion Lalla. Sein Bruder hat sich nach zwölf Jahren bei der Bundeswehr dazu entschieden, Erzieher zu werden, die Schwester ist ebenfalls Sinnbild für die Härten in dieser Familie: Trotz eines erfolgreich absolvierten Studiums als Modedesignerin nach dem Besuch einer Privatschule in Schwerin kam sie mit ihren umfassenden Fähigkeiten nicht zum Zug. Die junge Frau schrieb Bewerbungen über Bewerbungen, aber selbst wenn es zu einem Vorstellungsgespräch kam, wurde überall ein einjähriges Praktikum gefordert. „Das ging nicht. Eine so lange Zeit ohne Einkommen konnten wir nicht finanzieren“, berichtet Marion Lalla, die zu all ihren Kindern ein gutes Verhältnis habe. Die Folge: Ihre Tochter wurde zwangsläufig erst einmal Verkäuferin, um wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen, was angesichts ihrer Ausbildung trotzdem maßlose Enttäuschung bedeutete. Diese ist gewichen, denn die junge Frau wurde Teamleiterin in einem Textilladen für Markenkleidung in Bielefeld und fühle sich dort wohl.

Die Mutter lernte nach der Schule zunächst zwei Jahre lang Gärtner in Güstrow, wurde von dem Betrieb aber nicht übernommen. Ihre Bemühungen um möglichst zügige Weiterbeschäftigung – sie hatte ein kleines Kind zu versorgen – erbrachte, in Gnevsdorf als Arbeiterin in der Landwirtschaft angestellt zu werden. Eine harte Tätigkeit, die sie bis 1990 ausübte. „Mit der Wende wurden die meisten sofort entlassen – ich auch“, sagt die Ganzlinerin. „Das war richtig schlimm, und zwar nicht nur finanziell gesehen. Ich kannte es nicht, nur zuhause zu sein.“

1993 wird Marion Lalla zum ersten Mal in eine damals so genannte, heute nicht mehr existierende „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“ (kurz ABM) beim Verein zur Förderung ökologisch-ökonomisch angemessener Lebensverhältnisse westlich des Plauer Sees e. V. (FAL) integriert. Sie fängt in der Filzwerkstatt an, stellt aus Schafwolle unter anderem Schals und Dekoration her: „Das brachte Spaß.“ Doch die Maßnahme endete irgendwann und es begann ein gefühlsmäßig nicht mehr endendes Auf und Ab von (vielleicht) nächster ABM und Arbeitslosigkeit, in die 1995 auch noch die Scheidung fällt. Wenn Marion Lalla befristet Arbeit bekam, war es immer in der Retzower Werkstatt, doch die wurde Anfang dieses Jahres geschlossen und nach Basthorst verlegt.

Irgendwann teilt ihr Arbeitsvermittler der jetzt 49-Jährigen mit, dass im Lübzer Mehrgenerationenhaus eine Kraft für die Küche gesucht wird. Die Gespräche verlaufen positiv: „Natürlich habe ich mich sehr gefreut, weil es bedeutet, über den Jugendförderverein zumindest für drei Jahre wieder feste Arbeit zu haben.“

Marion Lalla, die auch das Basteln mit Kindern unterstützt, hat die Leitung der Küche übernommen. „Ich habe mich schnell an die neue Aufgabe gewöhnt und kann auch meine Ideen mit einbringen“, sagt sie. „Ich bin vorwiegend allein, oft sind wir zu dritt. Auf jeden Fall war es eine gute Entscheidung. Die Atmosphäre ist gut, ich gehe gern zur Arbeit. Und mit den Chefs kann man immer sprechen, Mauern gibt es nicht.“

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erstellt am 08.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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