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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

05. Dezember 2016 | 09:34 Uhr

Natur : Hier darf nicht jeder Bäume fällen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Willkür ausgeschlossen: Lübzer Schutz-Erlass strenger als Landes-Vorschriften / Laub kein Argument, Genehmigung zu erhalten

In Lübz wurde bei diversen Bäumen die Motorsäge angesetzt. Keine willkürlichen, am Schreibtisch gefällten Entscheidungen, sondern weil die Pflanzen zum Beispiel sehr krank oder sogar schon abgestorben waren und deshalb die öffentliche Sicherheit bedrohten. Gefallen sind unter anderem 42 Pappeln am Sportplatz in Broock und 27 Ahornbäume im Ahornweg. Für alle ist als Ausgleich die Pflanzung von 131 Obstbäumen auf dem ehemaligen Sportplatz in Broock geplant.

Bäume genießen im Lübzer Raum einen sehr hohen Schutz. Die hiesigen Stadtvertreter etwa haben 2005 eine Satzung erlassen, die noch enger als die auf Landesebene geltende gefasst ist. Ihnen gefolgt sind bis auf vier die damit weitaus meisten zum Amt gehörenden Gemeinden. Demnach dürfen hier bereits Laubbäume mit einem Stammumfang von mindestens 80 Zentimeter (20 weniger als landesweit) in einer Höhe von 80 Zentimeter (sonst 1,30 Meter) nicht einfach beseitigt werden. Das Landesrecht nimmt unter anderem Bäume in Hausgärten mit der Ausnahme von Eichen, Ulmen, Platanen, Linden und Buchen aus. In Lübz gibt es dies so nicht. Ausgenommen sind hier nur Pappeln und Birken, was den Stammumfang betrifft. Für sie gilt ein Maß von 1,20 Meter. „Gerade Pappeln sind oft ein Problem. Nach dem Krieg viel gepflanzt, weil schnellwüchsig und günstig zu kaufen, müssen wir schon jetzt viele fällen, weil diese Bäume nicht so alt wie andere werden“, sagt Thomas Rosenfeldt, Leiter des Bürgeramtes. Ein Beispiel dafür sei die Badestelle in Broock, wo sich besonders im Sommer viele Menschen aufhalten, die man keinem erhöhten Risiko aussetzen dürfe.

Zweimal im Jahr werden große im öffentlichen Raum stehende Bäume von der Wurzel bis zur Krone kontrolliert – belaubt und unbelaubt. Dadurch ist zum Beispiel bekannt, dass auch alte Eschen im Stadtpark langsam absterben. Sich bildendes Totholz muss hier von Hand entfernt werden, weil man die Pflanzen nicht mit Maschinen erreichen kann. „Darüber entscheiden wir an diesem Ort wie auch an Straßen und Wegen als Verwaltung selbst“, so Rosenfeldt. „Abgestorbenes Holz kann zum Geschoss werden, so dass es gilt, das Risiko zu minimieren.“ Ebenso müsse die Behörde auf ihr gegebene Hinweise reagieren. Ist sie unsicher, wird ein Gutachter eingeschaltet. Die vereidigten Sachverständigen, mit denen man gute Erfahrungen gesammelt habe, fällen gerichtsfeste Urteile. Sie bohren die Stämme an und können nach Untersuchung der entnommenen Holzprobe Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand des Baumes ziehen. Die eingangs genannten, erst nach der Wende gepflanzten Ahornbäume wurden übrigens nicht deshalb gefällt, weil sie krank waren, sondern weil ihre Wurzeln die Straße aufbrechen. Rosenfeldt: „Sie wurden damals falsch gesetzt. Man bedachte nicht, dass die kleinen Pflanzen größer werden. Der für sie vorgehaltene Streifen ist zu schmal. Das Problem haben wir auch in der Lindenstraße, wo langsam der Gehweg hochgeht.“

Den Amtsleiter freut, dass sich sowohl seine Mitarbeiterin Veronika Erdmann in genanntem Bereich fortgebildet hat als auch Mitarbeiter des Bauhofes dem Thema offen gegenüberstehen. Erstgenannte sieht Bäume mittlerweile als Lebewesen an und hat dementsprechend in ihrem Büro die zur Legende gewordene Weissagung „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet und der letzte Fisch gefangen, werdet Ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann“ an die Wand geheftet. Kaum zu glauben, aber wahr: Jedes Jahr liegen bei ihr immer wieder viele neue Anträge auf dem Tisch, auch die prächtigsten Bäume fällen zu dürfen, weil ihr im Herbst herabfallendes Laub eine Belästigung sei... „Natürlich ist dies absolut kein Argument, dem zuzustimmen“, so die Mitarbeiterin.

Auch Baumschulen empfehlen mittlerweile, keine Kastanien mehr zu pflanzen. Wie bekannt, lässt der Befall durch die Miniermotte ihre Blätter schon seit einigen Jahren im späteren Sommer braun und trocken werden. „Die rotblütrige Sorte war zunächst nicht betroffen, was jedoch nicht mehr gilt“, sagt Veronika Erdmann. Im Herbst/Winter 2011/2012 kam in Norddeutschland der durch ein Bakterium verursachte Befall durch Pilze am Stamm und an der Krone hinzu. Er kann dazu führen, dass sich nach der Bildung von Leckstellen die Rinde ablöst und der Baum abstirbt.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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