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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

28. September 2016 | 15:39 Uhr

Handwerk : Haarfeine Liebe zum Beruf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Seit drei Generationen erfolgreich in Familienhand: Lübzer Friseursalon Heine feiert 70-jähriges Bestehen. Kein Überleben ohne neue Ideen

Immer mehr Fachbetriebe – besonders kleine – schließen, weil die Macht der Großen oder der bei vielen beliebt gewordene Einkauf im Internet etwa sie erdrückt. Umso erfreulicher, wenn man auch über diejenigen berichten kann, die nicht unter diesem negativen Trend leiden.

Haare kann man sich zwar nicht per Internet schneiden und pflegen lassen, aber ebenfalls in diesem Bereich heißt es, am Ball zu bleiben, um Kunden zu halten. Seit 70 Jahren gelingt dies der Familie von Gabriele Heine, die heutige Inhaberin gleichnamigen Friseursalons in der Goldberger Straße. Aus Anlass des Jubiläums überreichte ihr Sabine Rosin im Auftrag der Handwerkskammer Schwerin eine Urkunde. „Es war schön für mich, dies tun zu dürfen“, sagt sie. „Ich freue mich über jeden Handwerksbetrieb, den es noch gibt.“

Trotz des eingangs beschrieben Trends hätten zumindest Friseure oft noch gut zu tun, weil neben Älteren auch viele junge Leute immer wieder gern ihren Stammbetrieb aufsuchten. Gefährlich sei jedoch, sich darauf auszuruhen: „Neue Ideen sind immer gefragt, stehen bleiben darf man nicht. Deshalb fahren wir zum Beispiel alle regelmäßig zu Seminaren.“

Mit 54 Jahren ist Gabriele Heine die Älteste in ihrem Team, die Jüngste erst 29 Jahre alt. Unter den insgesamt vier Angestellten findet sich auch ein Mann. Die Chefin ist von allen begeistert. „Wir arbeiten gut zusammen, einer ist für den anderen da“, sagt sie.

Ihr Großvater Wilhelm Röhrdantz hat das Geschäft 1946 im gegenüber liegenden Haus als „Salon der Dame“ gegründet, sie hat es 1996 von ihrer Mutter Jutta Sternberg übernommen. Ein Jahr nach dem Ende der von Deutschland verursachten Katastrophe mit Mangel an jeder Ecke war Röhrdantz’ Vorhaben überaus schwierig zu realisieren. „Um von ihm dringend benötigte Produkte zu bekommen, fuhr er nach Berlin, wo viele Menschen hungerten, und tauschte sie dort gegen in seinem Garten angebaute Kartoffeln ein“, berichtet Gabriele Heine. Auch Berlin hatten Bombenangriffe der Amerikaner und besonders der Briten wie die meisten größeren deutschen Städte völlig verwüstet. Es gab dort fast nichts mehr zu essen, aber dennoch ungleich mehr von den Dingen als auf dem flachen Land, die der Mecklenburger für sein Geschäft benötigte.

1978 begann Gabriele Heine ihre Lehre zur Friseurin. „Damals war es sehr schwer, ein Geschäft privat zu übernehmen“, sagt sie. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass es immer wieder hieß: ,Das kann ja die PGH tun’, wenn meine Mutter es versuchte. Nach vielen Anläufen hat es dann doch geklappt.“

Jutta Sternberg leitete das Geschäft von 1977 bis 1995. Für ihre Tochter habe schon früh festgestanden, dass sie in ihre Fußstapfen treten wird – vor allem deshalb, weil es ein kreativer Beruf sei und man viel Umgang mit Menschen habe. Nachwuchs sei allerdings schwer zu gewinnen, was zum einen finanziell und auch darin begründet liegen könne, dass viele junge Leute nach der Schule meist lieber in größere Städte ziehen. Gabriele Heine hat noch keine Aussicht auf einen Nachfolger.

Vor der Wende war es schwierig, an Material zu kommen, heute gebe es alles im Überfluss. Nicht geändert habe sich die Zufriedenheit der Kunden. Viele von ihnen kommen regelmäßig – aus allen Generationen. „Heutzutage kommen mehr Männer als früher“, so die Geschäftsinhaberin. „Bei den Kleineren geht es oft damit los, dass sie zum Beispiel aussehen wollen wie ein bestimmter Fußballer. Dann wird das Handy mit einem Foto des Vorbildes aufgeklappt und wir müssen entscheiden, ob’s zu machen ist. Gleich abzulehnen ist fatal. Mann muss sich weiterentwickeln, heute mehr als früher.“

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erstellt am 17.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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