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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

06. Dezember 2016 | 18:57 Uhr

Windrad Lutheran : Gutachter: Angst vor Lärm unberechtigt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Auch ein Akustiker äußert sich zu dem neuen Windkraft-Projekt in Lutheran. Ein Amtsleiter des Amtes Eldenburg Lübz sieht Beckendorf falsch eingestuft.

An der Aussprache mit Einwohnern über den geplanten Bau eines rund 200 Meter hohen Windkraftrades in Lutheran (wir berichteten) nahm auch der Akustiker Dr. Hannes Seidler teil, der für alle Fragen zum Thema Schallemission zur Verfügung stand. Er beurteilt die dabei geführte Diskussion als „natürlich emotional geprägt, aber sehr sachlich“, bei der man sich bemüht habe, Inhalte zu klären.

Vielen Menschen sei nicht klar, was „Repowering“ bedeute (Austausch von zwei alten Anlagen gegen eine neue). Unabhängig von ihrem Alter strahlten alle etwa denselben Schall aus. In einer Entfernung von 40 Zentimetern liege er zwischen 88 und 105 Dezibel. Schon durch die Halbierung der Windradanzahl bei dem geplanten Vorhaben reduziere sich die Emission entsprechend.

Die Spitzen der Rotorblätter rasen Dr. Seidler zufolge mit einer Geschwindigkeit von rund 200 Kilometer in der Stunde durch die Luft, was man bei den größeren als langsamer empfinde. Der Lärm entstehe hauptsächlich durch die Luft, die sich von beiden Seiten kommend hinter dem Rotorblatt zu einem Wirbel entwickelt. „Keine Töne im herkömmlichen Sinn, sondern ein relativ gleichmäßiges Geräusch, das man aber schon in 200 Meter Entfernung nicht mehr so wahr nimmt, weil es mit der Umgebung verschmilzt“, sagt Dr. Seidler. „Gleichmäßig unterschwellig ist es aber immer da.“

Erwiesen sei, dass eine Lautstärke ab 65 Dezibel in der Nacht vor allem Schäden an Herz und Kreislauf verursache, weil der Körper bei ihr nicht mehr zur Ruhe komme und im „Alarmzustand“ bleibe. Zur Einschätzung: Fast alle Fahrzeuge etwa seien in Betrieb viel lauter. Der schon genannte Wert von maximal 105 Dezibel entstehe in der Windkraftanlage, sei außen also auch schon leiser. In Dorfgebieten gelte die Vorgabe von 45 Dezibel einen halben Meter vom Fenster entfernt, was einem Flüstern unter Menschen entspreche.

Die immer wieder geäußerte Angst vor Infraschall sei grundsätzlich berechtigt. „Dazu gibt es viele Untersuchungen, die subjektive Beurteilung ist jedoch schwierig“, so der Akustiker. Fest stehe auf jeden Fall, dass es in einem Abstand von 600 Metern zum Windrad – wie Wohnhäuser jetzt stehen – keinen Unterschied bedeute, ob dies laufe oder ausgeschaltet sei. Hören könne der Mensch in einem Bereich von 20 Hertz bis 20 Kilohertz, Infraschall liege darunter. Zu spüren sei er zum Beispiel an der geöffneten Türscheibe eines fahrenden Autos, was eine unangenehme Schwingung im Ohr verursache und auch allein starker Wind enthalte viel Infraschall.

Norbert Timm, Leiter des Amtes für Stadt- und Gemeindeentwicklung im Amt Eldenburg Lübz, sieht die Lage grundsätzlich falsch beurteilt. „Beckendorf wird als Dorfgebiet eingeschätzt, was aber nicht stimmt, weil es dort keinen Landwirtschafts- und auch keinen Handwerksbetrieb gibt – ein reines Wohngebiet, in dem nachts ein Wert von 35, nicht von 45 Dezibel einzuhalten ist! Zu betreiben wäre die neue Anlage daher nur mit Nachtabschaltung“, sagt er. Auch dieser Aspekt werde deshalb noch einmal überprüft.

Außerdem könne der Neubau negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Ortes haben. Wenn die neuen, längeren Abstände zu Wohnhäusern gelten, sei es durchhaus möglich, Bauanträge nicht mehr genehmigen zu können.

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erstellt am 04.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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