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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

03. Dezember 2016 | 14:37 Uhr

Kunst : Einheit auch im Widerspruch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

„Warnfried Altmann Trio“ legt CD „Wangelin Songs” vor, die am Sonnabend auch konzertant im Wangeliner Lehmhaus vorgestellt wird

Das FAL-Gebiet in Wangelin ist eine kleine Gegenwelt. Ein Territorium, das mit seinen Projekten um Lehmbau, Handwerk und Pflanzenwelt Ursprünglichliches wieder aufleben lässt und dennoch – im dialektischen Umschlag – quasi Zukunftsmusik spielt. Und nun, so scheint es, ist diese Musik im wörtlichen Sinn auch zu hören und zwar mittels einer CD. „Wangelin Songs” ihr Titel und wie schon häufiger ist es Saxophonist und Komponist Warnfried Altmann gelungen, international bekannte Musiker für seine Projekte zu gewinnen. Das Neue ist, dass er zusammen mit Andreas Willers (Gitarre, Bass) und Willi Kellers (Percussions) nun unter seinem Namen ein Trio gebildet hat. Free Jazz und Improvisationsmusik, wie auf der CD zu hören, sind zwar als solche nichts Neues, aber noch ist die Fangemeinde dieser freien Formen musikalischen Schaffens eher klein. Zukunftsmusik also? Auf jeden Fall Musik, die erfreulicherweise auch sehr bald in dieser Region live zu hören sein wird. Das Trio Altmann, Willers, Kellers wird im Wangeliner Lehmhaus am kommenden Samstag ab 20 Uhr ein Konzert geben.

Aber „lesen“ wir doch vorerst ein wenig in der CD wie in einem Buch. Wer sich darauf einlässt, bemerkt schon bald, wie spannend der „Stoff” ist, der hier von versierten und wahrlich oft auch inspirierten Musikern aufgeblättert wird, die die eigenen musikalischen Ideen immer an die der anderen anbinden. Irgendwie entsteht Einheit, selbst im Widersprüchlichen, Widerstreitenden. Improvisationsmusik ist Teamarbeit, Gespräch, Einfühlung und oft auch Unterordnung. So zum Beispiel, wenn in „Limelight”, dem längsten der zehn Stücke, die Saxophon-Stimme sich in gewaltigen Bögen über die Stimmen der anderen Instrumente erhebt. Altmann kann in solchen Bögen Saxophon spielen, die Schwingung halten. Aber das Trio experimentiert ebenso mit zersetzenden Klängen und so fahren bald Blitze in das Schöne – wie im wirklichen Leben. Der schöne Klang wird von den anderen Instrumenten konterkariert, die Bögen fallen zusammen, eine Art zappelndes Pfeifen schließt diesen musikalischen Abschnitt.

„Ich versuche Saxophon zu spielen, wie ein Sänger singt”, sagt Altmann, der zum Gespräch mit der Zeitung in seine Wangeliner Wohnung eingeladen hat. Und oft hat sein Spiel auch im ganz traditionellen Sinn die Schönheit einer großen Stimme. Der ausgebildete Musiker und Komponist aus Magdeburg lebt seit 2007 im kleinen Ort Wangelin und gehört dem Verein FAL als Vorstandsmitglied an. „Hier in Wangelin habe ich meinen Frieden gewonnen”, sagt er, „eine ganz neue Lebensqualität.“ Und die CD „Wangelin Songs” versteht er als „Statement” zu allem, was hier künstlerisch, kreativ und an Phantasievollem möglich ist. Eine Hommage an Wangelin also, auch an den Ort mit der umgebenden weiten, frei lassenden Natur. Die spiegelt sich im Cover der CD wider. Klaus Hirrich hat die dazu verwendeten Fotos – wundersam zauberische Baumgruppen – geschossen. Das Design der Hülle stammt von Malerin und Designerin Andrea Silbermann. Auch sie lebt in Wangelin, das sich immer mehr auch zum ländlichen Kunstzentrum auswächst.

Der Improvisationsmusik und dem Free Jazz fühlt Altmann sich verbunden, da er eine „energievolle Musik” machen wollte. Free Jazz wurde zu Zeiten der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King populär, erläutert er. Er war geeigneter Ausdruck der Befreiungsbewegung, befreite er doch von musikalischen Dogmen. „Und zu Zeiten der DDR”, fügt Altmann hinzu, „hat Improvisationsmusik auch eine politische Bedeutung gehabt.” Für manchen, denkt man da, hat sie die vielleicht immer noch.

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erstellt am 25.Okt.2016 | 19:30 Uhr

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