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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

06. Dezember 2016 | 18:59 Uhr

längst überfällig : Ein neuer Name auf die alten Tage

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

„Haus an den Linden“ - Seniorenheim der Lewitzwerkstätten in Plau am See erhielt nach mehr als zehn Jahren nun endlich seinen Namen

Seniorenwohnheime, betreutes Wohnen oder Residenzen für Senioren – es gibt diverse Träger, auch private, die dieses vorhalten. „Seniorenwohnstätten für behinderte Menschen hingegen sind noch längst nicht überall Normalität“, sagt Marko Schirrmeister, Geschäftsführer der Lewitz-Werkstätten gGmbH. In seinem Sozialunternehmen, das Menschen mit Einschränkungen fördert und betreut und seinen Hauptsitz in Parchim hat, ist das anders. Seit 2004 schon. In eine frühere Werkstatt, die vordem als Pferdestall diente, später Pflegeheim war, haben die Lewitzwerkstätten investiert und einen Ort geschaffen, wie ihn alte behinderte Menschen brauchen. „Unsere Senioren, die nicht mehr in einer unserer Werkstätten arbeiten, benötigen besondere Wohnbedingungen und Betreuung. Hier in Plau sind die Voraussetzungen dafür ideal“, sagt Sabine Zellin, die Einrichtungsverantwortliche.

Das Seniorenheim in der Quetziner Straße, das im Schutz einer hohen Ziegelmauer von der nahen Bundesstraße getrennt unter Linden steht und von dem es nur ein paar Schritte zu den nächsten Einkaufsmöglichkeiten ist, ist kein Pflegeheim. Dennoch werden die zurzeit 16 Bewohner (und damit ist das Haus voll ausgelastet) an 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr von sieben Betreuern umsorgt. Und das darf man wörtlich nehmen. Der Anspruch der Mitarbeiter ist hoch und die Liste ihrer Arbeitsinhalte lang: So sorgen sie z.B. für eine individuelle Hilfeplanung, dafür, dass der Tagesablauf auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt ist, sie helfen im Alltag, machen Angebote, um die lebenspraktischen Fertigkeiten der Bewohner zu trainieren und zu erhalten… „Natürlich gehen wir gemeinsam einkaufen - wir haben die Märkte vor der Tür. Aber wir begleiten unsere Senioren auch zum Arzt, machen Bastelabende, Spielnachmittage, Spaziergänge“, sagt Sabine Zellin. Ja, das Haus ist breit aufgestellt, da fehlt zum Beispiel auch die Unterstützung seitens der Betreuer nicht, die sozialen Kontakte zu Angehörigen, ehemaligen Arbeitskollegen, Freunden oder Bewohnern anderer Wohneinrichtungen zu pflegen.

Als die Lewitzwerkstätten ihr Altenheim in Plau eröffneten, reagierten sie damit frühzeitig auf einen Bedarf, der ein ganz neuer war. „Behinderte Rentner gibt es erst seit ungefähr zehn Jahren“, sagt Marko Schirmeister und erinnert an den Rassenwahn der Nazis, die nahezu alles, was nicht arisch und gesund war, liquidierten. „Nun kommen Jahre auf uns zu, da werden aus unseren Werkstätten zehn, zwanzig Leute auf Schlag in Rente gehen“, so der Geschäftsführer. 2019/20 etwa. „Und darauf werden wir uns einstellen.“

Im Plauer Seniorenheim gab es nun dieser Tage einen hübschen kleinen Anlass zum Feiern. Das „Wohnheim für Senioren“ hat den Namen „Haus an den Linden“ bekommen. „Unsere Bewohner haben darüber ganz allein entschieden“, erzählt Sabine Zellin von einem Stück gelebter Demokratie. „Haus der drei Linden“, „Feierabendheim“, „Haus Gloria“- das waren drei der Favoriten. „Dann habe ich jeden Bewohner einzeln befragt und ,Haus an den Linden’ hat das Rennen gemacht“, freut sich die junge Chefin. Der Name „Haus unter den Linden“ hatte übrigens auch zur Disposition gestanden. Aber das hätte man dann womöglich in Berlin gesucht.

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erstellt am 18.Okt.2016 | 19:00 Uhr

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