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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. März 2017 | 09:19 Uhr

Ausflugsziel : Ein Hauch sakraler Atmosphäre

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Kloster Marienfließ: Von heiligem Blut und starrsinnigen Stiftsdamen. Klostergründung geht auf Ritter Johann Gans im 13. Jahrhundert zurück

In der heutigen Zeit, in der es vor 20 Jahren nicht gekannter Worte wie Entschleunigung bedarf, sind Orte der Ruhe und Erholung gefragt wie nie zuvor. Der Ritter Johann Gans zu Putlitz hatte zwar, als er im Jahre 1231 das Klosterstift Marienfließ ins Leben rief, eigentlich die klerikale Sicherung der eigenen Landesgrenzen gegenüber den Mecklenburgern im Sinn – Kultur und Erholung waren damals eher zweitrangig. Wichtig war hingegen, dass man zu diesen Zeiten Gottesland nicht überfiel, das eigene Territorium durch die Gründung eines Klosters also bestens verteidigt werden konnte.

Trotz alledem wäre Johann Gans zu Recht überaus stolz, dass fast 800 Jahre später das Stift Marienfließ am selben Fleckchen Erde steht wie dereinst im 13. Jahrhundert. Auch wenn sich die Form der Anlage über die Jahre den jeweils herrschenden Lebensbedingungen angepasst hat und der Klosterkomplex den unerbittlichen Wirren des Dreißigjährigen Krieges zum Opfer fiel, so atmet, wer heute über das weitläufige, satt grüne Stiftsgelände flaniert, sakrale Atmosphäre.

Umgeben von Naturschutzgebieten und fernab von weltlichen Ablenkungen, scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein. Der Backsteinbau der Klosterkirche, die schon aus der Ferne ehrwürdig das Gelände dominiert, erzählt von den einstigen Bewohnerinnen des Stifts. Bis zum 2. Weltkrieg lebten hier zumeist Damen aus namhaften Prignitzer Adelsfamilien, deren Erinnerung durch die zahlreichen Epitaphe und Wappen in der Marienfließer Stiftskirche lebendig gehalten wird. Einst beherbergte die Kirche eine Reliquie in Form des heiligen Blutes Christi, erleuchtet von einem – so will es die Legende – ewig brennenden Licht.

Man meint, jeden Moment ein adliges Fräulein in dunkler Ordenstracht um die Ecke huschen zu sehen. Immerhin war die Stiftskirche der Ort, an dem mehrmals täglich gebetet wurde. Doch das Leben in einem Kloster bestand nicht nur aus religiösen Handlungen: Die Konventualinnen waren als Lehrerinnen in der klostereigenen Schule tätig und konnten sich als fleißige Geschäftsfrauen behaupten. Letzteres fand übrigens auf dem Schiffsweg statt, schlängelt sich doch der Fluss Stepenitz am Klostergelände entlang. Natürlich wollte man sich auch gerne einmal auf weltliche Weise schmücken, und so kämpften die Klosterfräulein über 100 Jahre lang um einen funkelnden Ordensstern, den nur der König verleihen durfte.

Mittlerweile gibt es im Stift Marienfließ einen Audioguide, der in deutscher und englischer Sprache näher auf die Historie des Klosters und seiner Bewohnerinnen eingeht. Ausleihen lässt sich dieser im Haus 10, in dem sonntags das zum Klosterhotel gehörende Klostercafé zum gemütlichen Kaffeetrinken einlädt. Hier, in der teils erhaltenen historischen Möblierung, speisten einst die Stiftsdamen. Noch immer besuchen Mitglieder der Gründerfamilie Gans zu Putlitz in regelmäßigen Abständen das Klosterareal und setzen sich für den Erhalt der Jahrhunderte umfassenden Geschichte des Stifts und insbesondere der Klosterkirche ein.

Natur, Erholung, (Kirchen)-Geschichte: All dies bietet das Stift Marienfließ Ausflüglern und Erholungstouristen. Gans schön beständig, was der Ritter Johann da an der Grenze zu Mecklenburg aufgebaut hat.


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erstellt am 13.Mär.2017 | 05:00 Uhr

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