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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

29. September 2016 | 15:34 Uhr

Lübz : Diese Frau bewegt Wassermassen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Seit 1987 im Dienst: Petra Stier aus Lübz wurde zweimal zur freundlichsten Schleusenwärterin Deutschlands gewählt. Immer mehr Boote sind auf der Wasserstraße unterwegs.

Seit 1987 sorgt Petra Stier dafür, dass Sportboote in der 1995 grundlegend erneuerten Lübzer Schleuse problemlos drei Meter angehoben beziehungsweise herabgesenkt werden. In diesem Jahr waren es seit dem Frühjahr rund 5000 Stück – Tendenz seit langem steigend, was ebenso für die Größe der Gefährte gilt.

Schon kurz vor Ende der DDR war von der jetzt fast 90 Jahre alten Schleuse an sich nur noch der Ursprung der ersten Version erhalten. Unter anderem bewegten bereits Elektromotore die Tore im Wasser, aber die Schranken mussten von Hand herabgelassen werden und es gab noch keine Ampel. „Also musste man aufpassen, nicht überfahren zu werden, und die damals noch mit Holzbohlen ausgerüstete Brücke haben wir oft mit zehn Zentimeter langen Nägeln repariert.“

In der vom 1. April bis zum 30. September dauernden Saison hat Petra Stier täglich von 9 bis 20 Uhr Dienst, in der übrigen Zeit bis 16 Uhr. Als Bewohnerin eines der attraktivsten Grundstücke der Region liebt sie ihre Tätigkeit nach eigener Aussage. Die gebürtige Brandenburgerin ist überzeugt: „Ein netter Mensch hat durch seine gute Ausstrahlung sofort Kontakt.“ Ihre Einstellung ist dadurch belegt, dass Petra Stier nach entsprechender Zahl von Touristenäußerungen bereits zweimal – 2007 und 2014 – vom Deutschen Motoryachtverband bundesweit mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde. Viele Touristen bieten ihr auch selbstgespielte Musik. In diesem Jahr war sogar ein Alphorn dabei.

Wer geschleust werden möchte, muss sein Boot zunächst stoppen und sich bei Petra Stier anmelden. Die freie Durchfahrtshöhe unter der Straßenbrücke beträgt 3,20 Meter, was für die weitaus meisten Boote jedoch nicht mehr ausreicht. Deshalb wird die Brücke angehoben und die Fahrbahn gesperrt. Maximal dauere dies bis zu einer Viertelstunde als Maximalwert. Obwohl alles dafür getan werde, die Arbeit so schnell wie möglich zu erledigen, äußerten sich einige Gestoppte manchmal sehr abfällig. „Viele scheinen zu vergessen, dass unsere Region vor allem auch vom Tourismus lebt“, sagt die Schleusenwärterin. „Ich kann und möchte auch keinen Touristen anschreien, dass er sich beeilen möge.“ Lübz sei in der guten Lage, eine Umgehungsstraße vorweisen zu können, weshalb man sich oft nicht den dichten – und dann für Staus sorgenden – Verkehr in der Innenstadt erklären könne.

Von Dömitz bis Plau am See ist auf der Müritz-Elde-Wasserstraße ein Höhenunterschied von 49 Metern zu überwinden. Die nächste Schleuse nach Lübz steht in Bobzin. Der Hub beträgt hier sieben Meter: „Ist schhon ein komisches Gefühl, wenn man dort etwa mit einem kleinen Ruderboot unten in der Kammer steht...“

Die Boote sind nicht nur größer, sondern auch dementsprechend teurer geworden. Ein kleines Exemplar warte heute öfter mit einem 200 PS starken Motor auf, der oft allein schon 20 000 oder 30 000 Euro koste.

Weil die Elbe wegen geringer Regenfälle in den vergangenen Wochen derzeit wenig Wasser führt, kommt schon seit rund einem Monat kein größeres Boot mehr auf die Müritz-Elde-Wasserstraße. Selbst der Pegel des Plauer Sees ist merklich gesunken. Um auf der Elde trotzdem wieder mehr Wasser zu haben, müsse das Wasser reguliert werden. Zu den Aufgaben von Petra Stier gehört es dann ebenfalls, die beiden in Lübz vorhandenen Wehre an der Mühle und am Gerbergraben zu schließen – wenn auch nicht ganz. Eine Neuheit ist dies für sie nicht. Wasser kam schon öfter nur in zu geringen Mengen aus dem Himmel.

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erstellt am 22.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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