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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

27. September 2016 | 19:15 Uhr

Lübz : Cartoonist und die Ehrlichkeit der Kunst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Potsdamer Rainer Ehrt vermittelt sein Wissen im Kunstspeicher in der Eldestadt

Auf dem Hinterhof des Kunstspeichers in Lübz sitzt Rainer Ehrt an einem Tisch. Er hat sich in den Schatten zurückgezogen. In der Hand hält er einen Pinsel. Ganz vertieft in seine Arbeit. Er coloriert eine Zeichnung. Macht sie lebendig. Seit vielen Jahren ist Rainer Ehrt mit Julia Theek befreundet. Jetzt endlich hat er den Weg in die Eldestadt gefunden, will andere teilhaben lassen an seinem Können.

Rainer Ehrt ist Maler, Illustrator, Grafiker und Cartoonist. Zeitkritische Cartoons, satirische Zeichnungen veröffentlicht im „Eulenspiegel“, bei „Cicero“, der „Süddeutschen Zeitung“ oder „Der Zeit“ haben ihn bekannt gemacht. „Ich habe das Glück, dass ich mit meiner Kunst Geld verdiene und auch davon leben kann“, sagt der Potsdamer und macht daraus auch keinen Hehl.

Eigentlich beschäftigt sich Rainer Ehrt im Sommer überwiegend mit der Bildhauerei – auch das gehört zu seinem künstlerischen Repertoire. Doch in Lübz widmet er sich ganz dem Zeichnen. Mit Stift und Kohle. Dankbar dafür ist nicht nur Julia Theek, sondern vor allem seine Schülerinnen – vier Stück an der Zahl. Doch der Kurs beim Profi hat es in sich. Jeden Morgen gibt es eine Zeichenübung – in fünf, sechs Minuten so viele Zeichnungen wie möglich machen. Sich vor dem geistigen Auge vorstellen, wie eine geöffnete Schere aussieht. Diese dann zu Papier bringen – nur aus dem Gedächtnis heraus. Licht und Schatten dabei berücksichtigen. Das sind die Schwierigkeiten. „Damit möchte ich die Vorstellungskraft der Teilnehmer schulen“, erklärt Rainer Ehrt sein Vorgehen. Und es funktioniert. Während des Kurses werden die Bilder immer besser. Bollerwagen, Schlangen, Käfer, Kastanien... werden zu Motiven. Und ein Blumenkohl. „Schauen Sie sich einen Blumenkohl mal genau an. Was erkennen Sie? Laub, Wolken, Bäume? Wie verhalten sich Licht und Schatten“, verdeutlicht der Künstler.

Paulina Salow zermartert sich am Blumenkohl allerdings ihr Gehirn. „Das ist ein sehr schwieriges Thema für mich. Was ich gesehen habe, konnte ich nicht so gut auf dem Papier rüberbringen“, erzählt die Berlinerin. Gemeinsam mit ihrer Mutter Peggy Salow besucht sie den Kurs in Lübz. Beide sind fasziniert von der mecklenburgischen Kleinstadt. Haben in Lübz auch einiges zeichnerisch aufgegriffen – wie der Rest der Teilnehmer. Denn auch das war Bestandteil des Kurses. Rausgehen, die Landschaft, die Stadt, die Natur genau anschauen, beobachten. Die 19-jährige Paulina hat viel gelernt in der kurzen Zeit. Im kommenden Jahr will sie ihr Studium aufnehmen – Kunst auf Lehramt. Der Kurs bei Rainer Ehrt hilft ihr dabei. „Ein Mappenkurs ist zwingend erforderlich. Rainer hat mir angeboten, dabei zu helfen.“ Der Kontakt ist geknüpft – und das mitten in Lübz, auf dem Hinterhof des Kunstspeichers.

Bleistift, Kohle, Feder, Tusche – Rainer Ehrts Kurs in der Eldestadt ist vielseitig. So lautet das Fazit aller Teilnehmerinnen. Einige davon sind keine Neulinge, Peggy Salow ist Illustratorin. „Ich zeichne bestimmt schon seit mehr als 20 Jahren. Hier bei Rainer kehre ich nun zu meinen Wurzeln zurück, zeichne mal wieder mit Kohle“, erzählt die Berlinerin. Und es gefällt ihr. Vor allem eins nimmt sie nach dem Kurs mit – genauer hinzuschauen bei dem, was zu Papier gebracht wird.

Viel zu schnell ist die gemeinsame Zeit vorbeigegangen, resümiert Rainer Ehrt. Er hofft, dass seine Schülerinnen etwas mitnehmen können und am Ball bleiben. Zwei Dinge braucht es beim Zeichnen: Geduld und Ausdauer. Das wünscht er seinen Teilnehmerinnen. Denn Rainer Ehrt sieht die Zeichnung wie sein Kollege Martin Seidemann: „Sie ist die Ehrlichkeit in der Kunst“.

 

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