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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

11. Dezember 2016 | 01:17 Uhr

Aktion : Arbeit der Augen schätzen gelernt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Viele Schüler waren beim „Tag des Sehens“ im Lübzer Mehrgenerationenhaus (MGH) beeindruckt. Nachmittags kamen auch Senioren.

Innerhalb nur eines Dreivierteljahres wird Sylvia Schwarz blind. Als sie merkt, dass die Sehkraft beständig nachlässt, geht die damals 29-Jährige im Februar 1999 zum ersten Mal zum Augenarzt, doch helfen kann ihr niemand mehr. Das Erkennen von starker Helligkeit und Dunkelheit auf dem linken Auge ist alles, was ihr Weihnachten noch zur Verfügung steht, auf dem rechten bleibt für immer alles finster. Diabetes und eine schon mit 19 erlebte Audi-Immunerkrankung, die die inneren Organe angreift – Ursache unbekannt – haben für den Alptraum gesorgt: „Zu Beginn war ich nur verzweifelt und weiß, dass ich alles ohne meine Familie kaum hätte bewältigen können.“

2009, fast zehn Jahre später, bekommt Sylvia Schwarz für die Bewältigung des Alltags einen Begleiter, auf den sie nicht mehr verzichten möchte: Eine rund sieben Monate lang als Blindenführhund ausgebildete Labrador-/ Golden Retreiver-Hündin. Sie versteht Begriffe wie Tür, Treppe, Post, links und rechts, Ampel und auch Ze-bra(streifen). Allerdings muss Sylvia Schwarz über die Umgebung ihres Zuhauses informiert sein und die Anweisungen geben, wohin sie gehen möchte. Bauliche Veränderungen können sich für sie deshalb schlimm auswirken. Und abgesenkte Bordsteine beispielsweise seien für Blinde eher von Nachteil, weil sie die Grenze zwischen Bürgersteig und Straße dann viel schlechter erkennen könnten.

Wenn der Hund richtig gearbeitet hat, bekommt er eine kleine Belohnung. Übrigens: Eine Stunde Hundeführung entspricht in der Anstrengung dem kompletten Arbeitstag eines Menschen.

Mit der Aktion „Tag des Sehens“ hatte das Mehrgenerationenhaus (MGH) gestern zum mittlerweile zweiten Mal Menschen jeden Alters dazu eingeladen, sich an verschiedenen Ständen einmal mit den Themen Sehen, Blindheit und Sehbehinderung zu beschäftigen. Gleich vormittags kamen 33 Kinder der dritten Klasse der Schule Am neuen Teich mit dem Förderschwerpunkt Lernen und 42 von der Regionalen Schule aus Lübz. „Dieser Tag ist sehr lehrreich und eine wirklich gute Sache“, so Babett Wabersinke, Lehrerin an erstgenannter Einrichtung.

Die Besucherinnen und Besucher konnten zum Beispiel testen, wie es ist, kleine Aufgaben in kompletter Dunkelheit zu verrichten, wie auch Blinde nicht von bekannten Gesellschaftsspielen ausgeschlossen sein müssen und welche Schrift sie lernen können. Am Tisch von Jacqueline Nomigkeit vom Schweriner Kompetenzzentrum für Menschen mit Hör- und Sehbehinderungen war es zudem möglich, an einem übergroßen Modell einen Blick ins Gehör zu wagen und sich aufklären zu lassen, was ihm schadet.

Besonders für die Kinder war der schon neun Jahre alte, ruhige Blindenhund ein Star. Alle wollten ihn streicheln – wenngleich dies auf der Straße nicht getan werden darf, weil es ihn verwirrt. „Noch ein Jahr, dann soll er in Rente gehen“, sagt Sylvia Schwarz, die durch den Hund wieder sehr viel aktiver geworden sei: „Ärzte haben mir dabei jedenfalls gar nicht geholfen.“ Die Preise haben es allerdings in sich. Ein neues Tier kostet bis zu 25 000 Euro.

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erstellt am 13.Okt.2016 | 18:00 Uhr

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