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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

27. September 2016 | 17:32 Uhr

Schulwesen : „Alle können Vertrauen haben“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Wir führten ein Gespräch mit Sozialpädagogin Steffi Tesch, die seit vier Jahren an der Schule Am Neuen Teich in Lübz arbeitet. Zumindest Grundregeln gelten unverändert weiter.

Ob eine Außentemperatur von minus zehn oder gut 30 Grad – auf dem Schreibtisch von Steffi Tesch, Sozialpädagogin an der Schule Am Neuen Teich, brennt stets eine Kerze. „Sie beruhigt mich und viele Kinder sprechen mich darauf an“, sagt die 41-Jährige.

Seit mittlerweile gut vier Jahren besetzt sie die Stelle an genannter Einrichtung. Bewertet dort nicht wie ein Lehrer mit Noten, leistet aber Projektarbeit, die sich auf das gegenwärtige Sozialverhalten der Kinder bezieht. Dabei begann ihr beruflicher Weg völlig anders, der fast skurril anmutet: Sie lernte zunächst Einzelhandelskauffrau in einer Lübzer Zoofachhandlung und hatte letztlich sogar ein eigenes Geschäft, das sich irgendwann jedoch nicht mehr rentierte. 1998 war Steffi Tesch vorübergehend ohne Arbeit, belegte für einen Ausbildereignungsschein zur Sozialpädagogin einen Vollzeitkurs in Schwerin und ging wieder auf Suche. Die große Chance kam in der Form, im Mehrgenerationenhaus (MGH) des Jugendfördervereins (JFV) berufsbegleitend als Erzieherin zu arbeiten. Die Ausbildung dazu erfolgte freitags, sonnabends und sonntags – eine Anstrengung, die alles abverlangte.

Dann suchte die Schule Am Neuen Teich eine Sozialarbeiterin. „Ich rief vorurteilsfrei bei dem Träger an, ergriff die Chance“, sagt Steffi Tesch. „Nicht, weil ich unbedingt weg wollte. Das MGH mit der Tagesgruppe ,Mobil’ mit Hilfen zur Erziehung, um zu geregelten Strukturen zu kommen, dicht gefolgt von der Cluster-Gruppe für Jugendliche, die sich emotional finden müssen, ist ein ganz wichtiger Kooperationspartner.“ Beim Abschied vom MGH seien sowohl Kollegen als auch Schüler sehr traurig gewesen.

Steffi Tesch ist zum Beispiel da, wenn es Probleme mit der Schulleitung, Lehrern und Mitschülern gibt. Verletzen könnten auch verbale Entgleisungen, Liebeskummer etwa äußere sich negativ wie positiv. „Aber egal, was es ist: Alles bleibt bei mir“, sagt die Pädagogin. „Die Schülerinnen und Schüler legen in unseren Gesprächen alles auf den Tisch, weil sie Vertrauen haben können.“ An ihrer Mimik und Gestik könne Steffi Tesch mittlerweile ausmachen, wann es besser ist, jemanden nicht anzusprechen und ihm Zeit zu geben, von allein Kontakt zu suchen.

Man könne den heutigen Schulalltag zwar nicht in allen Einzelheiten mit dem von früher vergleichen, aber klare Grundregeln seien unverändert zu befolgen. Dazu gehört für die Klassen 3 bis 10 BR (Berufsreife) unter anderem, sich beim ersten Zeichen nach der Pause draußen klassenweise an einer Linie aufzustellen. Die Lehrer warten am Eingang. Jeder geht zu seinem, wenn das zweite Zeichen ertönt. Oberster Grundsatz sei generell, angemessen zu agieren, reagieren und zu planen. Dabei stehe und falle alles mit den Kollegen.

Seit 2015 wird in der Einrichtung der „Schüler des Monats“ aus allen Klassen (jeweils maximal zwei) geehrt. Mitschüler und Klassenleiter entscheiden dabei über positives an den Tag gelegtes Verhalten. Die letztliche Entscheidung trifft der Klassenleiter. Einmal in vier Wochen haben die Auserwählten dann nur Unterricht bis 11.45 Uhr und sind danach zum Beispiel zu einer Fahrt oder Aktivitäten mit Steffi Tesch und Lehrern eingeladen. „Wir haben viele Kooperationspartner gewonnen“, sagt die Sozialpädagogin erfreut. In der Projektarbeit ist Suchtprävention ein Thema, wobei Nikotin eine zentrale Rolle spielt.

Das Verhältnis zu den Schülern sei zwar herzlich, doch Steffi Tesch ziehe unabhängig davon eine Linie zwischen Privatleben und Beruf, weil er sonst zu intensiv werde: „Es ist eine Vertrauensebene, auf der wir uns begegnen, aber nicht eine Stufe. Respekt muss bleiben, damit es funktioniert.“ Die Pädagogin lässt sich deshalb nicht dutzen, sondern trotz des engen Umgangs mit Sie ansprechen.

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erstellt am 19.Sep.2016 | 21:00 Uhr

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