zur Navigation springen

Zeitung für die Landeshauptstadt

29. September 2016 | 20:41 Uhr

Schweriner Großzügigkeit : Wirft Stadt Geld zum Fenster raus?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vor allem im Straßenbau wurden zehntausende Euro vergebens investiert – Baudezernent weist Vorwurf der Verschwendung zurück

Manch sozialistischer Spruch gilt wohl immer: „Wir bauen auf und reißen ab, dann haben wir Arbeit nicht zu knapp“ hieß es in der DDR. Gehandelt wird nach diesem Motto aber offenbar immer noch – von der Stadtverwaltung.

Aktuelles Beispiel: Die neu gestaltete Einmündung der Lennéstraße in die Ludwigsluster Chaussee. Bei diesem Vorhaben musste auch ein Stück des Fußweges neu gemacht werden. Allerdings: Dieser Abschnitt war erst im vergangenen Jahr saniert worden.

„Kinder begeistert von neuem Spielplatz“ titelte die SVZ im April vergangenen Jahres. Gemeint war der Platz am neuen Uferweg unterhalb der Alten Brauerei. Doch in diesem Jahr wurde die Verbindung von der Lagerstraße zur Knaudtstraße wieder aufgerissen, der Spielplatz gesperrt. Die Stadtwerke verlegten Fernwärme- und andere Versorgungsleitungen. Wieder hergestellt sein soll der Weg heute.

Am Wittenburger Berg wird gerade aufwändig saniertes Pflaster wieder aufgenommen, um die Straßenbahnschienen auf die andere Straßenseite zu verlegen. Auch wenn es „nur“ 30 Meter sein sollen – das Geld wird für dieselbe Sache zweimal ausgegeben.

Auch in „Kleinigkeiten“ ist die Stadt ganz groß. Vor einigen Jahren wurden im Ellerried so genannte Berliner Kissen auf die Straße gedübelt, um den Verkehr in der Tempo-30-Zone zu beruhigen. Der Nahverkehr lief dagegen Sturm, weil die Fahrbahnerhöhungen den Busfahrern ein Dorn im Auge waren. Als dann auch noch ein Stadtvertreter zu schnell über eines der Hindernisse fuhr und der Boden seines Fahrzeugs aufsetzte, war Schluss – die Dinger kamen wieder weg.

Ähnlich ist es mit großen roten Quadraten mit einer 30 in der Mitte, die in einigen Straßen auf die Fahrbahn gepinselt wurden. Ein zusätzlicher Hinweis auf Tempo 30. Doch die Markierungen wurden nicht gepflegt und sind heute kaum noch erkennbar oder ganz verschwunden.

Ist es Dilettantismus, Verschwendungssucht oder fehlende oder mangelhafte Planung? Auf jeden Fall scheint es so, als werfe die chronisch klamme Stadt Geld zum Fenster hinaus.

Das weist der stellvertretende Oberbürgermeister Bernd Nottebaum zurück. Lediglich bei den Berliner Kissen gesteht er ein: „.Es ist zwar bedauerlich und angesichts der Haushaltslage schmerzlich, dass hier öffentliche Mittel vergebens zum Einsatz kamen, der Tatbestand der Verschwendung ist allerdings nicht gegeben.“ Denn, so Nottebaum, „die Kissen erschienen geeignet, die erwünschte Verkehrsberuhigung zu erreichen“. Es war „nicht vorhersehbar, dass unter den konkreten Verhältnissen der Busbetrieb durch die Kissen so erheblich beeinträchtigt wurde“.

Mit Blick auf den Wittenburger Berg weist der Baudezernent darauf hin, dass die Gleise vor mehr als 100 Jahren verlegt wurden. Aus heutiger Sicht ein „Missstand“, der wegen des höheren Verkehrsaufkommens nicht „konserviert“ werden sollte. „Wäre dieses Erfordernis bereits in der Phase der Planung der Erneuerung der Fußgängerzone Marienplatz und Lübecker Straße bekannt gewesen, wäre ohne Zweifel darauf reagiert worden.“ Die Freigabe der jetzt wieder aufzureißenden Straße erfolgte vor fast genau drei Jahren. „Auch hier sind die Mehrkosten schmerzlich, allerdings überwiegt der entstehende Nutzen“, so Nottebaum.

Auch für den Abriss und Neubau des Fußweges am Bahnübergang Lennéstraße hat der Baudezernent eine Begründung: Die Einmündung musste neu gestaltet werden, nachdem entschieden war, dass die Stadionbrücke nicht wieder aufgebaut wird. Da aber sei der Fußweg schon fertig gewesen.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 23.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen