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Zeitung für die Landeshauptstadt

02. Dezember 2016 | 23:20 Uhr

Musik in Schwerin : Wie viel Musik verträgt die Innenstadt?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kontroverse Debatte um geplante Vorschriften für Straßenmusiker in der Stadtvertretung und im Internet – andere Städte haben unterschiedliche Erfahrungen

Kontroverse Diskussion in der Stadt: Soll die Straßenmusik reglementiert werden oder nicht? Die Verwaltung hat jedenfalls eine Satzung vorgelegt, mit der die Straßenmusik nicht verboten werden soll, aber die einige Vorschriften macht: An einer Stelle darf nicht länger als eine Stunde gespielt werden, danach müssen die Musikanten mindestens 200 Meter weiterziehen. Verstärker sind nicht erlaubt. Hintergrund sind immer wiederkehrende Beschwerden von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Verkäuferinnen. Sie fühlen sich belästigt, wenn ein Musiker stundenlang vor ihrem Haus drei Lieder in Dauerschleife spielt oder wenn eine südamerikanische Großfamilie mit Verstärkern immer wieder El Condor Pasa schmettert.

Doch gegen die Reglementierung regt sich Widerstand. Der Fraktionschef der Linken spricht von einem „quasi Verbot“ für Straßenmusiker. Seine Fraktion will deshalb den Abstand beim Standortwechsel auf 100 Meter verringern, weil sonst fast die gesamte Innenstadt nur einen Ort zum Spielen hätte. SPD-Mann Eberhard Hoppe, Kulturausschusschef, will bei den 200 Metern bleiben. „Sonst ist die Musik in den Geschäften fast genauso laut zu hören und die Musiker stören sich gegenseitig.“ Auch eine Spielzeit von nur einer halben Stunde an einem Ort bringe nicht viel, meint Gerd Böttger von der Linkspartei. „Bei einem Repertoire von nur zwei Liedern ist eine halbe Stunde auch anstrengend für die Ladenbetreiber.“ Und Stadtvertreter Ralph Martini von der Aktion Stadt und Kulturschutz will gar keine Vorschriften. Die geplanten Regeln seien „real nicht realisierbar und würden die Straßenmusikkultur in Schwerin überproportional einschränken“. In eine ähnliche Richtung geht die Diskussion auf Facebook. Bernd Rasch sieht die Stadt ohne Straßenmusik „nicht ein bisschen bunt und quirlig sondern nach DIN-Norm“. Vanessa Stuhr meint: „Die bringen wenigstens ein bisschen Leben in die Innenstadt.“ Jörg Lüth sagt zum Thema Regeln für Straßenmusiker: „Macht die Stadt menschenleer und öde. Traurig, was aus meiner Heimatstadt wird“. Und Inga Katharina schreibt: „Solche Dinge wären doch am besten über einen Volksentscheid zu entscheiden.“

In anderen Städten wird das Thema ebenfalls eifrig diskutiert. In Rostock sollen die bestehenden Regeln geändert werden. Es gäbe Überlegungen, die Straßenmusik „zeitlich und in der Menge zu begrenzen“, so Stadtsprecher Ulrich Kunze. Auch über einen Anmeldezwang werde nachgedacht. Doch der Widerstand ist groß. Gestern gab es in der Hansestadt sogar eine Demonstration gegen eine Reglementierung. In Lübeck dagegen sind die Vorschriften streng. Es darf nur zu ganz bestimmten Zeiten gespielt werden, Standorte müssen halbstündlich gewechselt werden, Verstärker sind nicht erlaubt, Tonträger dürfen nicht verkauft werden. „Das Ordnungsamt passt da ganz genau auf“, so Stadtsprecherin Valessa Glisovic. In Wismar dagegen gibt es so gut wie keine Regularien. Nur für den Einsatz von Verstärkern muss ein Antrag gestellt werden. „Wir haben bisher keine Probleme mit Straßenmusikern“, sagt Stadtsprecher Marco Trunk.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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