zur Navigation springen

Zeitung für die Landeshauptstadt

31. Juli 2016 | 02:33 Uhr

Blindgänger in Schwerin : Weltkriegsgefahr in Görries

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Entschärfung von britischen Bomben kann frühestens im kommenden Jahr erfolgen.

Im Siebendörfer Moor, in der Nähe des Umspannwerkes Görries, droht die Gefahr von Bombenexplosionen. Denn die Entschärfung von dort seit dem Zweiten Weltkrieg liegenden Blindgängern lässt auf sich warten. Frühester Termin: 2017. Etwa zehn Verdachtspunkte hat der Munitionsbergungsdienst bei der Auswertung britischer Luftbildaufnahmen ausgemacht. Da den Fachleuten die Beladungslisten der Flugzeuge bekannt sind, gehen sie davon aus, dass sich unter den Blindgängern auch solche mit chemisch-mechanischen Langzeitzündern befinden. Und die können jederzeit losgehen, wenn die Bombe ungünstig im Untergrund steckt. Das passiert bundesweit durchschnittlich einmal pro Jahr.

Das Problem in Görries: In der Nähe der vermuteten Blindgänger sind zwei Stromtrassen, eine Gasleitung und Kommunikationskabel. Bei einer Explosion könnte die Energieversorgung in ganz Norddeutschland zusammenbrechen und – durch den Schneeballeffekt – in ganz Europa gestört werden.

Im vergangenen Jahr hieß es, dass erst die Höchstspannungsleitung von Görries nach Krümmel an der Elbe fertig gestellt werden müsse, bevor es an die Bombenentschärfung gehe. Die Leitung ist fertig – doch auch in diesem Jahr wird sich noch nichts tun. Im städtischen Finanzplan ist für das Vorhaben kein Geld vorgesehen. „Wir haben seit 2015 eine neue Stelle Kampfmittelberäumung“, sagt der Chef des städtischen Katastrophenschutzes, Dr. Stephan Jacobi. „Der Mitarbeiter hat sich bereits intensiv mit dem Siebendörfer Moor beschäftigt.“

In Auftrag gegeben sind ein Bodengutachten und eine Machbarkeitsstudie. Denn die Bombenentschärfung ist nicht einfach. Möglicherweise liegen die Sprengkörper schon in einer Tiefe von zehn Metern. Das Problem: Bagger können nicht so ohne weiteres ins Moor fahren und die Bomben ausbuddeln. „Mit der Machbarkeitsstudie wollen wir nach allen Seiten abklopfen, was machbar ist“, sagt Jacobi. Auf jeden Fall müssen die Bomben trocken liegen, bevor entschieden werden kann, ob sie vor Ort zu entschärfen oder zu sprengen sind oder abtransportiert werden können. „Erst wenn die Technologie fest steht, wissen wir auch, was die Munitionsbergung kosteten wird“, sagt der oberste Katastrophenschützer der Stadt. Das Geld muss dann im Haushalt eingeplant werden – möglichst mit Fördermitteln. Denn klar ist schon jetzt: Billig wird die Beseitigung der Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs nicht.

zur Startseite

von
erstellt am 05.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen