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Zeitung für die Landeshauptstadt

05. Dezember 2016 | 17:41 Uhr

Schwerins neuer OB Badenschier : Vom Krankenhaus ins Stadthaus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Privates, Pläne und Personal: Rico Badenschier stellt sich zwei Wochen vor seinem Amtsantritt als Oberbürgermeister den SVZ-Fragen

Bei der Stichwahl am 18. September haben die Schweriner den Sozialdemokraten Dr. Rico Badenschier zum neuen Oberbürgermeister der Landeshauptstadt gewählt. Der 1978 in Chemnitz geborene Radiologe hat in Marburg und Kiel Medizin studiert und lebt seit 2008 in Schwerin. Seit der Wahl vor knapp einem Monat hat sich das Leben des verheirateten Familienvaters stark verändert. Mit Christina Köhn und Volker Raab sprach Rico Badenschier über bevorstehende Aufgaben und die Zeit bis zum Amtsantritt.

Wie war es, seit Sie wissen, dass Sie OB werden, aber bis zum Amtsantritt noch warten müssen?
Dr. Rico Badenschier: Es ist kein richtiges „Warten“, mein Terminkalender ist sehr voll. Ich lerne neue Leute kennen, bereite mich auf meine Arbeit als Oberbürgermeister vor und gebe Interviews. In der Klinik arbeite ich zwar nur noch halbtags bis 12 Uhr – aber danach steht die Eingewöhnung an. Nachdem ich meine drei Kinder ins Bett gebracht habe, beantworte ich die E-Mails und bereite mich inhaltlich auf die Aufgaben vor, die auf mich warten. Vor Mitternacht gehe ich selten ins Bett. Ich schlafe tatsächlich weniger als im Wahlkampf. Hoffentlich ändert sich der Rhythmus später.

Was sagen Familie und Kollegen zu Ihrer Wahl?
Die Reaktionen waren durchweg positiv. Meine Eltern waren am Anfang zwar skeptisch und fragten mich: „Du hast doch Medizin studiert. Warum verlässt Du eine sichere Stelle und wechselst in die Politik?“ Da spielte ihr Sicherheitsbedürfnis eine große Rolle. Seitdem ich aber als neuer Oberbürgermeister feststehe, freuen sie sich mit mir und sind stolz. Meine Frau hat die Nachricht auch positiv aufgenommen – schließlich ändert sich vom zeitlichen Aufwand kaum etwas. Als Arzt hatte ich oft Rufbereitschaft und musste auch am Wochenende plötzlich weg. Meine Kollegen waren etwas wehmütig, dass sie mich ziehen lassen müssen.

Wie haben Patienten reagiert, dass sie nun vom neuen OB behandelt werden?
Das ist natürlich ein Gesprächsthema. Einige Patienten haben sich gefreut, dass der zukünftige Oberbürgermeister ihnen die Nadel gelegt hat. Aber nach zwei bis drei Sätzen spielt das Thema keine Rolle mehr.

Haben Ihre Kinder schon verstanden, dass Sie nun nicht mehr Doktor sind, sondern der Chef der Stadtverwaltung?
Die Wahrnehmung ist schon vorhanden. Zum Beispiel spielt eine meiner Töchter Handball. Als zur Saisoneröffnung auch ihr Name vorgelesen wurde und sie an der Reihe war, hieß es „Und wir begrüßen natürlich auch den neuen Oberbürgermeister“. Vor allem meine beiden Töchter haben verstanden, dass sich da in Zukunft einiges ändern wird.

Welche Eigenschaften als Arzt können Ihnen im neuen Amt weiterhelfen?
Meiner Meinung nach gibt es generell zu wenige Ärzte in der Politik. Denn wie Ärzte müssen auch Politiker eine Situation überblicken können. Als Arzt betrachte ich die Lage aus Sicht der Patienten, in der Politik aus Sicht der Bürger. Da ich beruflich mit der Schlaganfallbehandlung mit Kathetern beschäftigt war, besitze ich eine gewisse Stressresistenz und Ruhe. Einfach deswegen, weil die notwendigen Operationen sonst nicht erfolgreich wären. Das könnte mir auch im Stadthaus nützen.

Als Oberarzt haben Sie ein eingespieltes Team in der Klinik, haben Sie sich das auch schon für das Stadthaus zusammengestellt?
Es gibt ja schon ein Team. Ich möchte auch nur einen Personalwechsel vornehmen und eine vertraute Person, die mich kennt und die ich kenne, mit in das Büro nehmen. Das muss allerdings vom Hauptausschuss genehmigt werden. Die vakante Stelle des Dezernatskoordinators ist intern ausgeschrieben. Ansonsten bleibt alles so, wie es ist.

Sie sind seit zwei Jahren Stadtvertreter. Ist die Kommunalverfassung bereits Ihre Nachtlektüre?
Nachtlektüre nicht unbedingt, aber ich habe Lust, Regeln nachzuschlagen. Ich glaube, dass man nicht alles wissen muss und kann. Wichtiger ist es, den Ort und die Stelle zu kennen, wo es geschrieben steht. Natürlich bin ich mir bewusst, dass die Verwaltung meine Flanke ist, aber es macht mir Spaß, neue Dinge zu lernen. Ich glaube auch, dass meine Herkunft von Außen der Grund für meine Wahl war.

Wie oft haben Sie als Stadtvertreter gedacht: Das muss die Verwaltungsspitze doch anders machen?
Nicht nur einmal. Dabei geht es aber nicht nur um einzelne Projekte, sondern vielmehr um das Setzen der Prioritäten. Meiner Meinung nach wäre der Bau der neuen Grundschule in der Alten Brauerei die beste Alternative gewesen. Jetzt entsteht die Schule aber unter Regie der Stadt auf der anderen Straßenseite. Meiner Meinung nach ist das die zweitbeste Variante. In Zukunft möchte ich die beste Lösung erreichen, sonst wäre ich nicht angetreten.

Was wird die erste Veränderung sein, die die Schweriner in der Stadt spüren werden?
Dazu will ich jetzt noch nichts sagen.

Sie haben gesagt, dass Sie die Strahlenschutzprüfung auch in Zukunft machen wollen. Halten Sie sich damit eine Hintertür offen?
Selbstverständlich. Schließlich weiß ich ja nicht, wie ich mich als neuer Oberbürgermeister anstelle und meine Approbation kann mir nicht genommen werden. Ich werde mein Bestes geben und muss mich nach sieben Jahren wieder der Wahl stellen.

Wo sehen Sie sich und Schwerin in sieben Jahren?
In sieben Jahren ist Schwerin eine Großstadt und mit dem Residenzensemble Weltkulturerbe. Der Stadtumbau schreitet voran, zum Beispiel ist in Lankow ein neues Stadtteilzentrum entstanden. 2023 ist die Landeshauptstadt stark in der Metropolregion Hamburg verankert und als Partner der angrenzenden Landkreise das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum in ganz Westmecklenburg. Es wäre sehr schön, wenn wir die Fachhochschullandschaft weiter ausbauen können, damit junge Menschen veranlasst werden, hier zu bleiben oder hierher zu ziehen. Dann möchte ich mich bewerben, weitere sieben Jahre als Oberbürgermeister arbeiten zu dürfen.

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erstellt am 15.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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