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Zeitung für die Landeshauptstadt

05. Dezember 2016 | 11:28 Uhr

Schwerins Stadtteile : Viel mehr als nur Plattenbauten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ-Serie „Gut leben am Rande der Stadt“: Inmitten von Wäldern gelegen bietet Mueßer Holz ein vielfältiges Vereinsleben

Etwas weniger als 100 000 Einwohner leben derzeit in der Landeshauptstadt. Aber nicht alle Schweriner haben ihren Wohnsitz in der Alt- oder in der Paulsstadt – viele wohnen in den Randbereichen der Stadt. Doch wie lebt es sich eigentlich abseits des Marienplatzes, fernab von Schloss und Dom? In der SVZ-Serie „Gut leben am Rande der Stadt“ kommen Schweriner zu Wort, die am Rande der Landeshauptstadt wohnen. Heute erzählt Wolfgang Maschke vom Leben im Mueßer Holz.

Im Osten der Landeshauptstadt geht langsam die Sonne unter. Nach und nach werden in den Wohnungen im Mueßer Holz die Lichter angemacht und die Fenster leuchten hell in der Abenddämmerung. Vom Fernsehturm hat man einen umfassenden Blick auf diesen Stadtteil von Schwerin. „Auch wenn der Fernsehturm eigentlich zu Neu Zippendorf gehört“, erklärt Wolfgang Maschke mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Seit 30 Jahren wohnt er im Mueßer Holz und findet, dass die Aussicht vom Turm reicht, um zu erkennen, warum er gerne dort lebt. „Kaum ein Bewohner muss hier mehr als hundert Meter zum Wald laufen.“ Und der Ausblick gibt ihm Recht – auf beiden Seiten ist der Stadtteil von zahlreichen Bäumen umgeben, in der Ferne ist der Schweriner See zu erkennen. Ein beleuchteter Pfad lässt auch in der Abenddämmerung Spaziergänge durch die Natur zu. Und der Stadtteil bietet mehr als nur Wohnen in Wald- und Seenähe.

Drei Kirchen sorgen für religiöse Vielfalt, ein großer Supermarkt für die Nahversorgung und ein breites Sportangebot für abwechslungsreiche Freizeitgestaltung. „In der Sporthalle wird Judo angeboten, wir haben ein Basketballfeld und einen Fußballplatz“, berichtet Wolfgang Maschke. Der Turn- und Sportverein Makkabi ist nur einer von vielen Vereinen und Einrichtungen. Vier Kindertagesstätten und Schulen sowie ein Hort ergänzen das Bildungsangebot.

Nähe zur Natur, vielfältiges Freizeitmöglichkeiten und Nahversorgung – drei Argumente für ein Leben in Mueßer Holz. Doch Wolfgang Maschke ist noch nicht fertig. Auf dem Fernsehturm fallen ihm mit Blick auf seine Wohnung noch ein vierter und fünfter Grund ein, sich in dem Stadtteil wohlzufühlen. „Wir haben hier bezahlbaren Wohnraum und keine Not mit den Parkplätzen“, schwärmt er.

Vor dreißig Jahren zog der heute 65-Jährige in eine Drei-Raum-Wohnung im fünften Stock eines Mehrfamilienhauses – die Liebe war schuld. „Meine Frau hat hier gewohnt und ich bin dann aus der Weststadt zu ihr gezogen“, erzählt er. Irgendwann musste die Wohnung renoviert werden und das Ehepaar Maschke wechselte in den ersten Stock des Hauses.

Während seine Frau im Besucherservice des Schweriner Zoos arbeitet, ist er jeden Tag im Mueßer Holz unterwegs und erinnert sich dabei auch gern an die Anfänge des Stadtteils. „Ich bin im Alter von ungefähr anderthalb Jahren nach Schwerin gekommen“, so der studierte Diplom-Ingenieur. „Ich habe noch die Baugrube vom heutigen Fernsehturm gesehen.“ Außerdem engagiert er sich seit mehr als zehn Jahren im Ortsbeirat, der sich 2017 besonders mit dem Umbau des Bildungs- und Bürgerzentrums beschäftigen will.

Oben auf dem Fernsehturm blickt Wolfgang Maschke auf seinen Stadtteil und will noch unbedingt etwas loswerden. „Die Lenin-Statue gehört hierher“, sagt er mit Nachdruck. „Ich verstehe die Aufregung nicht. Er ist doch schon seit 1924 tot.“ Und noch steht der Gründer der Sowjetunion an der Kreuzung und begrüßt die Sonne, wenn sie jeden Tag über dem Mueßer Holz aufgeht.

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erstellt am 28.Nov.2016 | 09:00 Uhr

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