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Zeitung für die Landeshauptstadt

30. April 2017 | 20:35 Uhr

Islam in Schwerin : Übers Gebet zum Gespräch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach der Diskussion im Ortsbeirat: Islamischer Bund lud in die Turnhalle in der Perleberger Straße ein

Werner Brauer verschränkt die Arme vor der Brust. „Es ist beschämend, was sich dort abgespielt hat“, sagt der Schweriner. Er meint die beiden jüngsten Sitzungen des Neu Zippendorfer Ortsbeirates, in denen die Emotionen hochgekocht waren, weil der Islamische Bund die alte Turnhalle in der Perleberger Straße seit Ende vergangenen Jahres für sein Freitagsgebet nutzt. Brauer ist Anwohner, will ein Zeichen für Toleranz setzen. Deshalb hat er sich gestern zur Halle aufgemacht.

Rund 30 Gäste sind der Einladung zum offenen Gebet gefolgt, darunter viel Politprominenz wie Grünen- Fraktionschefin Cornelia Nagel und SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Zischke. Claus Oellerking, der Sprecher der Schweriner Flüchtlingshilfe, ist gekommen, Schwerins Integrationsbeauftragter Dimitri Avramenko, Stadtteilmanagerin Hanne Luhdo und der Bürgerrechtler Heiko Lietz zeigen ebenfalls Flagge.

Auch Klaus Wünsch ist da. Der Rentner spielt Fußball beim Verein Argus, kickt immer freitags in der Turnhalle, bevor dort gebetet wird. „Es gibt keinerlei Probleme bei der Hallenbelegung“, weist Wünsch ein Gerücht zurück.

„Wir wollen mit unseren Gästen ins Gespräch kommen und ihnen unseren Glauben näher bringen“, sagt Mohamed Dib Khanji, der Vorsitzende des Islamischen Bundes. In seiner Predigt betont er die Bedeutung des guten Charakters im Islam. Mehr als 200 Gläubige sind zum Freitagsgebet gekommen. Nach Predigt und Gebet gibt an diesem Tag Süßes und Herzhaftes aus der arabischen Küche. „Das Freitagsgebet hat für uns eine sehr große Bedeutung“, erklärt der 21-jährige Ayoub. Vor zwei Jahren kam der Syrer als Flüchtling in die Bundesrepublik. Im September beginnt er eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker. „Ich will in Deutschland bleiben“, sagt Ayoub.

Kommentar "Wo waren die Kritiker?" von Christian Koepke

„Wir laden unsere Kritiker ein, aber sie kommen nicht“, sagt der Vorsitzende des Islamischen Bundes, Mohamed Dib Khanji. Es sei immer das Gleiche.  Auch gestern war es nicht anders. Diejenigen, die sich in den  jüngsten Ortsbeiratssitzungen in Neu Zippendorf heiß gemacht hatten, den Frieden im Stadtteil gefährdet sahen, schlugen das Angebot zum Dialog beim offenen Gebet aus. Geht es den  Kritikern wirklich um die Sache?   Die Chance, sich zu erklären, haben sie jedenfalls verpasst. Wohl kein Zufall.
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erstellt am 24.Mär.2017 | 21:00 Uhr

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