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Zeitung für die Landeshauptstadt

27. September 2016 | 15:49 Uhr

Neue Leipziger Schule : Schwerin hat jetzt echten Heisig

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Staatliches Museum kann dank Schenkung eines wertvollen Gemäldes eine Lücke in seiner Sammlung von DDR-Kunst schließen.

„Dies ist eine Sternstunde für unser Museum. Wir können endlich eine Lücke in unserer Sammlung von DDR-Kunst schließen“, sagte Dr. Gerhard Graulich, stellvertretender Direktor des Staatlichen Museums und Leiter der Gemäldeabteilung und dankte Dr. Martin Hörnes von der Siemens Kunststiftung. Diese hatte mit Unterstützung des Landes ein wertvolles Gemälde von Bernhard Heisig aus Privatbesitz erworben und dem Museum geschenkt: das etwa zwei mal zwei Meter große Bild „Fliegenlernen im Hinterhof“.

Warum dieses Gemälde eine so herausragende Stellung in der Schweriner Sammlung einnimmt, ergibt sich einerseits daraus, dass Heisig (1925 - 2011) zu den bedeutendsten zeitgenössischen Malern zählt und einer der wichtigsten Repräsentanten der DDR-Kunst war. „Heisig verbindet klassischen Expressionismus mit modernem Realismus“, erläuterte Graulich. Andererseits sei gerade dieses Gemälde aus dem Jahre 1996 eines der herausragenden Nachwendebilder des Meisters und Begründers der Leipziger Schule.

„Fliegenlernen im Hinterhof“ ist ein typischer Heisig. Er greift die Ikarus-Thematik auf mit Hoffnung, Mut und Absturz und siedelt sie in der DDR-Realität an, erklärt Dr. Graulich. „Ein Paar, eng umschlungen, versucht mit zwei Regenschirmen der Enge eines Hinterhofs zu entfliehen – ein absurdes Unterfangen. Sie werden beobachtet von Gaffern und gesichtslosen Augen – der Stasi. Und doch ist der Traum da mit der Sinnlichkeit des weiblichen Aktes. Ein Bild mit Ausstrahlung. Kunst als Möglichkeit, der Enge zu entfliehen.“

„Wir haben eine gute DDR-Sammlung: etwa 600 Gemälde, zahlreiche Grafiken und Skulpturen. Ihre Qualität macht vor allem aus, dass hier nicht Staatskunst zusammengetragen wurde, sondern unter Kunst-Aspekten gesammelt wurde“, sagt Museumsdirektor Dr. Dirk Blübaum. Aber an Heisig-Bilder sei auch früher schon schwer heranzukommen gewesen sein. „Wir haben ziemlich viel von Wolfgang Mattheuer, Oskar Manigk ist gut vertreten, Wieland Förster und Günther Uecker ebenso, auch von Werner Tübke haben wir ein Gemälde, doch von Bernhard Heisig hatten wir bislang nur mehrere Grafiken.“

Über den Preis des Heisig-Bildes herrschte Stillschweigen. „Wir wollen hier über Kunst reden“, sagte Dr. Hörnes. „Dieses Haus arbeitet mit seiner Sammlung und hat Mut, sie auszubauen. Das unterstützen wir.“ Ausgestellt wird „Fliegenlernen im Hinterhof“ zunächst in der aktuellen Sonderausstellung „Außer Kontrolle! Farbige Grafik in der DDR & Mail Art in der DDR“.

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erstellt am 02.Feb.2016 | 21:00 Uhr

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