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Zeitung für die Landeshauptstadt

03. Dezember 2016 | 01:22 Uhr

Koran-Verteilung verboten : Salafisten warben in Schwerin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stadt entzog Genehmigung für Koranverteilung - Vorsitzender des Islamischen Bundes warnt vor Pauschalurteilen gegen Muslime

Seit dem Sommer waren sie in der Schweriner Innenstadt aktiv, verschenkten an Passanten eine Ausgabe des Korans. Doch nun wurden die Männer ausgebremst. Die Stadt entzog ihnen die Erlaubnis für ihren Stand. Hintergrund ist die Verbotsverfügung des Bundesinnenministers gegen die islamistische Vereinigung „Die wahre Religion“ alias „Lies! Stiftung“, die deutschlandweit für Aufsehen sorgte.

Die Aktivitäten der verbotenen Organisationen richteten sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik, Jugendliche würden mit Verschwörungstheorien radikalisiert, sagt Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Per Erlass forderte sein Ministerium deshalb auch die Schweriner Ordnungsbehörde auf, laufende Genehmigungen für Info-Stände zurückzunehmen. „Dies erfolgte umgehend mittels Widerruf der Erlaubnis“, sagt Stadtsprecherin Michaela Christen.

Im Juni habe es erstmals einen Stand in der Innenstadt gegeben, berichtet Schwerins Polizeisprecher Steffen Salow. Anmelder sei ein Schweriner arabischer Herkunft gewesen. In den folgenden Monaten hätten dann weitere Koran-Verteilungen in der City stattgefunden, jeweils sonnabends. „Dabei ist es zu keinerlei Zwischenfällen gekommen“, so Salow.

Dennoch hatte auch das Innenministerium in Schwerin offenbar von Anfang an ein Auge auf die Koran-Verteiler. „Lies!“-Kampagnen seien ein Beispiel für salafistische Missionierungsarbeit, sagt Ministeriumssprecher Michael Teich. Wie in Schwerin hätten auch die Behörden in Rostock Info-Stände für die Verteilung von Koran-Ausgaben erlaubt. Bundesweit erfahre der Salafismus als bedeutende Ausprägung des Islamismus eine außerordentlich dynamische Entwicklung, schildert Teich. „In MV hat sich die Zahl der Salafisten von einem unteren auf einen mittleren zweistelligen Wert im Jahr 2015 erhöht. Aktuell ist von einer höheren zweistelligen Anzahl auszugehen.“

Mohamed Dib Khanji, Vorsitzender des Islamischen Bundes in Schwerin, distanziert sich von jeder Form des Extremismus. Passagen des Korans dürften nicht aus ihrem Kontext gelöst und dann politisch instrumentalisiert werden, mahnt er. Zugleich warnt Khanji aber auch vor Pauschalisierungen. Gegen eine Verteilung des Korans, die in friedlicher Absicht geschehe, sei nichts einzuwenden.

Tatsächlich legt auch das Bundesinnenministerium in einer Stellungnahme zur Verbotsverfügung gegen „Die wahre Religion“ alias „Lies! Stiftung“ Wert auf die Feststellung: „Das heutige Verbot zielt nicht auf die Werbung für und die Verbreitung des islamischen Glaubens oder die Verteilung von Koranen oder Koranübersetzungen.“ Verboten werde vielmehr „der Missbrauch einer Religion durch Personen, die unter dem Vorwand, sich auf den Islam zu berufen, extremistische Ideologien propagieren und terroristische Organisationen unterstützen“.



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erstellt am 02.Dez.2016 | 05:00 Uhr

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