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Zeitung für die Landeshauptstadt

11. Dezember 2016 | 14:51 Uhr

Notdienst in Schwerin gefordert : Psychisch Kranke nicht allein lassen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Behindertenbeirat fordert Notdienst für Krisensituationen in der Nacht und am Wochenende. Experten: Bedarf an Unterstützung groß

Er soll Menschen helfen, die am Abend, in der Nacht, an Wochenenden oder an Feiertagen in eine psychische Notlage geraten. Der Behindertenbeirat hat in der jüngsten Stadtvertreter-Sitzung einen Antrag eingebracht, in dem die Verwaltung aufgefordert wird, ein Konzept für einen Krisennotdienst zu erarbeiten. Tenor der politischen Debatte: Der Dienst wird gebraucht, kostet aber auch Geld… In den Ausschüssen der Stadtvertretung wird nun weiter beraten.

„Krisen halten sich nicht an Wochentage und Uhrzeiten“, sagt die Vorsitzende des Schweriner Behindertenbeirates, Angelika Stoof. Zwar gäbe es in der Landeshauptstadt ein breit gefächertes Angebot für Menschen mit psychischen Problemen, doch stehe ein Großteil der Hilfen nur montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr zur Verfügung. „Für die Abend- und Nachtstunden sowie für Wochenenden und Feiertagen gibt es in Schwerin keine psychosoziale Krisenhilfe, die mit Fachleuten besetzt ist, immer erreichbar ist und bei Bedarf auch aufsuchend tätig wird“, so Stoof in der Begründung ihres Antrags.

Durch einen Krisennotdienst, besetzt mit fachkundigen Mitarbeitern, könne Betroffenen mit Gesprächen oder anderen Maßnahmen niederschwellig und schnell geholfen werden, könnten „ungeeignete stationäre Einweisungen“, womöglich sogar „schwerwiegende Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht wie Zwangseinweisungen“, vermieden werden, heißt es im Antrag weiter.

Dr. Frank Liebenow, Leiter der Zentralen Notaufnahme der Helios-Kliniken, befürwortet ausdrücklich die Einrichtung eines Krisennotdienstes. „In unserer täglichen Arbeit erleben wir durchaus eine beträchtliche Anzahl von Personen, die sich aufgrund akuter psychosozialer Probleme in der Notaufnahme vorstellen“, berichtet der Mediziner. Sobald er und seine Mitarbeiter eine psychiatrische oder psychosomatische Relevanz erkennen würden, werde die Flemming-Klinik eingeschaltet. „In vielen anderen Fällen stehen wir aber allein mit diesen Personen, für die sich keine Indikation zur stationären Einweisung stellt. Hier sehe ich die Stadt in der Pflicht, die primäre Hilfestellung zu leisten“, so Liebenow.

Auch Prof. Dr. Andreas Broocks, Chefarzt der Flemming-Klinik, sieht in einem Krisennotdienst eine wichtige Ergänzung zur eigenen Ambulanz. „Zu uns kommen sehr viele Patienten. Der Bedarf an Unterstützung in der Stadt ist groß“, so Broocks.

Amtsärztin Renate Kubbutat hat in einer ersten Stellungnahme der Stadtverwaltung angeboten, bis zum März kommenden Jahres ein Konzept für einen Krisennotdienst zu erarbeiten. Neben dem Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt sollten sich weitere Anbieter von Hilfen daran beteiligen.

Viele Menschen wenden sich derzeit in Notsituationen an die Telefonseelsorge. „Wir tun, was in unseren Kräften steht“, sagt Leiterin Uta Krause. Bei schwerwiegenden psychischen Problemen sei eine schnelle Hilfe nötig. „Es ist deshalb richtig, dass die Einrichtung eines Krisennotdienstes nun auf die Tagesordnung gesetzt wurde“, so Krause.

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erstellt am 22.Okt.2016 | 07:25 Uhr

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