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Zeitung für die Landeshauptstadt

10. Dezember 2016 | 11:49 Uhr

Kirche in Wittenförden : Predigt vom Laufband

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Martin Schabow ist der neue Pastor für Stralendorf und Wittenförden – Kraft tankt der 36-jährige Familienvater gern im Fitness-Studio

Brot und Salz stehen in der Küche. Eine liebe Geste der Nachbarn und ein Symbol des Lebensnotwendigen. Zwischen Umzugskartons, Tüten und Putzutensilien spielt es sich ab, das neue Leben der Pastoren-Familie im Wittenfördener Pfarrhaus. „Täglich wird es ein Stück aufgeräumter“, sagt Martin Schabow mit einem Augenzwinkern. Er, seine Frau Stephanie und die zwei Kinder – der neunmonatige Ferdinand und die fünfjährige Luise – sind noch mitten im Ankommen.

Die ersten Besucher waren schon da, haben kleine Aufmerksamkeiten gebracht. „Neben Brot und Salz haben wir auch Eier und Honig bekommen.“ Die ersten Grüße nach altem Brauch würden, so Schabow, Herzlichkeit mitten ins Chaos ihres Umzugs bringen – und ein Gefühl von „willkommen sein“. Dass er sich sein Leben mit 36 Jahren so vorgestellt hat, kann Martin Schabow nicht bestätigen. „Ich hatte ganz lange keine genaue Vorstellung, was ich überhaupt werden wollte“, erzählt er.

Zwar hatte er sich recht früh in den Kopf gesetzt, Pastor zu werden – allerdings nicht ernsthaft, wie er betont. „Als Kind will man ja immer das werden, was der Vater ist“, sagt Martin Schabow und erzählt, dass er mit seinem jetzigen Beruf eine Familientradition fortführt. Vater und auch Großvater waren Pastoren. Doch nur um der Tradition Willen habe er sich nicht für die Theologie entschieden. In kleinen, unbewussten Schritten hat er sich dem Beruf genähert. Nach dem Abitur in Ludwigslust stand Martin Schabow die Welt offen, es fehlte jedoch der Kompass. „Ich habe zunächst den Zivildienst gewählt, wollte in die Großstadt“, erinnert er sich. Berlin war das Ziel. 13 Monate Pflegeheim auf einer Sterbestation lautete die neue Aufgabe. „Nachdem der erste Bewohner gestorben war und das direkt vor meinen Augen, wollte ich da nur noch weg“, erzählt der Familienvater. Aber er blieb. Lernte, mit dem Tod umzugehen, das Leben noch mehr zu schätzen und die Menschen zu lieben und anzunehmen, so wie sie sind. Das richtige Schlüsselerlebnis kam aber in der Studienzeit. Alte Steine haben es dem gebürtigen Müritzer angetan. Er schrieb sich in Berlin für Klassische Archäologie ein.Nebenbei engagierte er sich beim Kältebus-Team der Berliner Stadtmission. „Warum sammelst du uns Abschaum auf“, fragt ihn ein Mann. Schabow überlegte einen Moment und hatte dann eine Antwort, die auch seinem Leben eine neue Richtung gab: „Ich glaube an Gott, der die Menschen liebt. Und kann er sich nicht um euch kümmern, gibt es Menschen, die an ihn glauben, die sich dann um Menschen wie euch kümmern.“

Über kleinere Umwege wechselte er zur Theologie. Erst Neben- , später Hauptfach fürs Pfarramt. Er wurde Pastor in Spornitz. Den alten Steinen ist er treu geblieben, sie sind heute sein Hobby. Um den Kopf freizubekommen und neue Kraft zu tanken oder gar gute Gedanken zu sammeln, zieht es ihn ins Fitness-Studio: „Da kann ich abschalten. So manche Predigt ist auf dem Laufband entstanden – gedanklich.“ Die ersten hat Schabow bereits in Wittenförden und Stralendorf gehalten. Offiziell wird er aber erst am 23. Oktober „auf der Kanzel“ stehen: Um 14 Uhr gibt es in der Wittenfördener Kirche den Einführungsgottesdienst.

Und was wird nun anders in der Kirchengemeinde? Martin Schabow zuckt mit den Schultern. Vielleicht gibt es im nächsten Jahr eine Hubertus-Messe. Denn der neue Pastor ist ein Freund der Jagd. Und sonst noch? „Schauen wir mal. Ich habe viele Ideen“, sagt Martin Schabow.

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erstellt am 04.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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