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Zeitung für die Landeshauptstadt

27. September 2016 | 03:53 Uhr

Schwerin Rüstet auf : Polizei besorgt über Bewaffnung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zahl der „Kleinen Waffenscheine“ in den ersten Monaten des Jahres rasant gestiegen – Ordnungshüter warnen vor Gewaltspirale

Kurz vor 21 Uhr in einem Stehimbiss auf dem Großen Dreesch: Einem 36-jährigen Schweriner fällt ein Gegenstand aus der Tasche. Es ist kein Handy oder Portmonee, sondern eine Pistole. Als der Mann im Imbiss damit prahlt, dass er zu Hause noch mehr Waffen habe, schreitet die Polizei ein, stellt die geladene Schreckschusspistole sicher, findet in der Wohnung des 36-Jährigen zwar keine weiteren Waffen, dafür aber Betäubungsmittel und illegale anabole Steroide.

Was sich wie eine skurrile Slapstick-Nummer anhört, bereitet der Polizei inzwischen durchaus Kopfzerbrechen. Schwerin rüstet auf. Acht „Kleine Waffenscheine“ wurden 2014 von der Stadt ausgegeben, im vergangenen Jahr waren es 14 – in den ersten knapp drei Monaten dieses Jahres bereits 45. „Dieser Trend macht uns Sorgen“, sagt Polizeisprecher Steffen Salow.

Fühlen sich viele Bürger nicht mehr sicher auf den Straßen der Landeshauptstadt? „Offenbar hat sich das subjektive Angstgefühl der Bürger erhöht“, erklärt Salow. Mit der tatsächlichen Entwicklung etwa der Straßenkriminalität lasse sich dieses Empfinden jedoch nicht begründen. Zwar liege die offizielle Statistik für 2015 noch nicht vor, die Zahl der Straftaten bewege sich aber auf dem Niveau des Vorjahres, so der Polizeisprecher.

Wer einen „Kleinen Waffenschein“ vorlegen könne, dürfe Waffen wie Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalpistolen nicht nur zu Hause, sondern auch im öffentlichen Raum mitführen, allerdings nicht bei Versammlungen, erläutert Salow. Worüber der Waffenschein allerdings überhaupt nichts aussage, sei die Frage, ob der Besitzer mit seiner Waffe überhaupt umgehen könne – zumal in der Stresssituation des Angegriffenwerdens. „Auch Schreckschusspistolen können erhebliche Verletzungen anrichten“, betont der Polizeisprecher. Und die Pistolen könnten leicht mit scharfen Waffen verwechselt werden, eine Gewaltspirale auslösen.

Doch nicht nur die steigende Zahl von Waffenscheinen bereitet der Polizei ernsthafte Sorgen, auch die Bestrebungen um Bürgerwehren, wie sie mitunter laut werden, werden kritisch gesehen. „Zivilcourage darf nicht mit Selbstjustiz verwechselt werden“, mahnt Salow. Den aufmerksamen Nachbarn, ja, den wünsche sich die Polizei. „Aber kein Bürger sollte den Helden spielen und seine Gesundheit oder die eines anderen Menschen riskieren.“

Natürlich weiß der Polizeisprecher: Viele Bürger wünschen sich mehr Polizeipräsenz. Und Salow weiß auch: Die Personaldecke ist knapp. „Wir tun, was wir können“, versichert er. Bürgern, die sich etwa nachts auf den Straßen unsicher fühlten, rät er, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Taxis unterwegs zu sein, sich mit anderen zusammenzutun.

Eine Umfrage unserer Zeitung zum Thema ergab ein überraschend einheitliches Bild: Alle Befragten fühlen sich in Schwerin sicher, lehnen jegliche Waffen ab.

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erstellt am 18.Mär.2016 | 23:42 Uhr

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