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Zeitung für die Landeshauptstadt

10. Dezember 2016 | 00:14 Uhr

Barrierefreiheit in Schwerin : Mit dem Lift in die Vorstellung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Staatstheater gründet Arbeitsgemeinschaft, um mehr Wünsche von Menschen mit Handicap zu erfüllen

Er sieht nicht besonders wuchtig aus, aber der Rollstuhl von Wilfried Struthmann wiegt allein schon 120 Kilogramm. Der freundliche Rentner selbst ist nicht so schwer, also hat er mit dem Treppenlift am Staatstheater keine Probleme. Tatsächlich benutzt er ihn regelmäßig und geht wie viele Menschen mit Behinderungen häufig und gern ins Staatstheater. Aber: Der Lift mit dem Baujahr 1992 ist nur zugelassen für ein Gesamtgewicht von 225 Kilogramm. Besonders breit ist die Stellfläche nicht. Eine Klappschranke sichert die Fahrt die Treppen hinauf ins Rangfoyer. Oben, an der roten Doppeltür, gibt es ein weiteres kleines Problem: Der Wendekreis ist eng. „Optimal ist das nicht“, findet Wilfried Struthmann. Mitglieder des Schweriner Behindertenbeirates pflichten ihm bei. „Schwere Elektrorollstühle kommen da nicht hoch“, sagt Vorsitzende Angelika Stoof.

Die Theatermacher kennen die Situation, feilen an besseren Konzepten. Denn aktuell setzt das Haus stark auf Barrierefreiheit, mehr denn je. Allerdings sei es auch ein finanzielles Problem, in einem historischen, raum- und treppenreichen Haus, perfekte Lösungen für möglichst alle Wünsche zu finden. Der erste Rollstuhllift befindet sich im Seiteneingang an der Theaterstraße. Man muss klingeln, um hineinzukommen, wird dann vom Personal ins Haus begleitet. Einen weiteren Lift gibt es auf der gegenüberliegenden Seite am Ekhofplatz, erklärt Toralf Pietreck, Leiter der Haustechnik. Über diesen Weg kommen gehbehinderte Menschen ins Konzertfoyer oder ins Flotowzimmer. Um ins Kassenfoyer zu gelangen, benutzen sie eine ausfahrbare Rampe über die Treppe an der Theaterstraße.

Nele Tippelmann, Leiterin der Abteilung Theaterpädagogik, Vermittlung und Partizipation, hat jetzt eine Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit ins Leben gerufen, mit Mitarbeitern des Hauses und Menschen mit Behinderungen. Der Ist-Zustand wurde analysiert, Ideen wurden gesammelt, erste Projekte angeschoben. Es gab im Oktober eine Tastführung mit Sehbehinderten vor einer Vorstellung im E-Werk, die neue Webseite des Theaters wird barrierearm gestaltet, zum Beispiel mit besseren Kontrasten, einer Navigation ohne Maus, mit gesprochenen Texten. „Um das nutzen zu können, braucht man eine spezielle Software, aber die haben die Menschen mit Handicap meistens schon“, sagt Nele Tippelmann.

Im Theater selbst gibt es ausleihbare Hörverstärker, ein Wegeleitsystem für Sehbehinderte und das Personal ist im Umgang mit Handicaps geschult. Blindenhunde fanden während der Vorstellung schon in der Garderobe oder auf dem Flur ein Quartier. „Wir suchen für jedes individuelle Problem eine Lösung“, sagt Nele Tippelmann. Manche Wünsche, wie ein stärkerer Lift oder herausnehmbare Sitze im Parkett, die mehr Platz für Rollstühle schaffen, müssten genau durchgerechnet werden, sind aber notiert. Angela Kalms, künstlerische Betriebsdirektorin, fasst es so zusammen: „Es ist uns wichtig ein Signal zu geben, zu zeigen: Wir wollen etwas tun.“

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erstellt am 23.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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