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Zeitung für die Landeshauptstadt

01. September 2014 | 09:27 Uhr

Strittige Straßennamen : Lieber Igelweg statt Wroclawer Straße

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Leser diskutieren über die Idee des Lankower Ortsbeirates, Straßen im künftigen Wohngebiet nach Städten in ehemaligen Ostgebieten zu benennen

Mit dem künftigen Wohngebiet „Am Sodemannschen Teich“ soll das ehemalige Areal der Landbäckerei an der Büdnerstraße entwickelt werden. Der Ortsbeirat Lankow hat jetzt beschlossen, für die Benennung der Straßen im neuen Wohngebiet Städtenamen wie Danziger, Wolliner, Allensteiner oder Breslauer Straße vorzuschlagen. Er folgt damit einer Vorlage der Stadtverwaltung aus dem Jahr 2010, die neben den Rubriken „Frauen, die in MV gewirkt haben“, „Berühmte Frauen“, „Ehrenbürger der Stadt Schwerin“, „Bemerkenswerte Mecklenburger“ eben auch die Rubrik „Benennung nach Städten in den ehemaligen deutschen Ostgebieten“ enthält (SVZ berichtete). Darüber ist eine öffentliche Diskussion entflammt.

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„Das neu zu erschließende Baugebiet wird von bereits bestehenden Wohnstraßen umschlossen, deren Namen sich auf die Lankower Geschichte beziehen. Deshalb sollten nur Straßennamen vergeben werden, die ebenfalls an die Lankower Geschichte anknüpfen. Da wären zunächst die Sodemannschen Teiche selbst, aber auch Flurnamen wie Bornkamp, Lankower Hege und Gosewinkler Brook. Der Ortsbeirat sollte seinen Beschluss besser noch einmal überdenken“, so Dieter Greve, der sich als einstiger Behördenleiter im Stadthaus über Jahrzehnte mit Schweriner Straßennamen und deren Geschichte beschäftigt hat.

„Nun sind solche Regionalnamen wie Ziegeleiweg – frühere Produktionsstätte –, Büdnerstraße – kleiner Landwirtschaftsbetrieb –, Lehmstraße – hier anstehender Boden – schon lange vergeben. Aber schauen Sie mal das künftige Baugebiet an. Dort wachsen so viele Sträucher, Hecken und Widpfanzen, deren Namen sich bestimmt regionaltypisch für ein Wohngebiet am äußersten Stadtrand eignen“, schreibt uns Hannelore Möller, die selbst dort wohnt. Mit dieser Meinung steht sie nicht allein: „Namen aus dem Tier- und Pflanzenbereich, Flurbezeichnungen oder von den Sternen die über Lankow leuchten könnte ich mir vorstellen. Lankow hätte dann die Fuchs-, Dachs-, Igel-, Hasen-, Iltis-, Elster-, Zaunkönig-, Schwanenstraße usw., aber keine Exoten“, so unser Leser Hans Klodt. „Für mich ist es unfassbar, in MV Straßen nach Städten in ehemaligen Ostgebieten benennen zu wollen. Ich hätte gern etwas über die Beweggründe des Lankower Ortsbeirates erfahren.“

Sollte es allerdings bei der Namensgebung nach ehemaligen deutschen Ostgebieten bleiben, dann plädieren viele Leser für die deutsche Bezeichnung. „Es leben noch genügend Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten hier, aus Städten, die über Jahrhunderte deutsch waren. Kulturgut: ja! Deutsch geschriebene Namen für Lankow: ja!“, schreibt unsere Leserin Hannelore Dahnke.

Und sie bekommt Unterstützung von einem, der regelmäßig mit dem Thema zu tun hat. „Als stellvertretender Vorsitzender des Heimatkreises Kolberg in Deutschland habe ich oft mit Polen, die jetzt in unserer ehemaligen Heimat wohnen. In Kolberg macht es vielen Bewohnern keine Schwierigkeit, von Kolberg zu reden. Ich verstehe die Diskussion einiger Leute nicht, die wie in alten Zeiten die Gebiete der ehemaligen deutschen Ostgebiete und auch die der Menschen, die dort gelebt haben, verleugnen“, so Detlef Arndt. Die Polen sagen z.B. ja auch nicht Bayern, sondern in ihrer Sprache dazu Bawaria. Dresden heißt Drezno, Kiel Kilonia und Rostock Roztoka, um nur einige zu nennen. Warum wollen einige Schweriner uns verwehren, die Namen dieser Orte so zu nennen, wie sie in unserer deutschen Sprache heißen?“


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von TIWE
erstellt am 14.Jan.2014 | 12:00 Uhr

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01. | wolf polski | 14.01.2014 | 15:21 Uhr
@ MiWi

Aus Protest würde ich nie wieder Königsberger Klopse essen oder gar Danziger Goldwasser trinken. Schlesisches Himmelreich kennt ja kaum noch einer. Benennen wir die Wege doch nach Heiligen. Ein Michael ist bestimmt dabei. Und eine Ecke kann auch irgendwas mit Winkel heißen. Und der, der dort wohnt wird der "Winkler" genannt.

02. | Michael Winkler | 14.01.2014 | 14:47 Uhr
Neumoderner Revanchismus

Leider ist es ja in den letzten Jahren wieder in geworden, den Ausgang und die Konsequenzen des 2. Weltkriegs in Frage zu stellen. Deutschland hat den Krieg zu recht verloren und sollte glücklich sein überhaupt noch als Staat zu existieren. Dieses Glück hätten die Eroberungen der Nazis nicht gehabt.

Auch ist die Behauptung, Pommern und andere "Ostgebiete" wäre deutsche Gebiete, historisch nicht korrekt. In den letzten 1000 Jahren hat das Gebiet abwechselnd mehreren Staaten angehört. Die meiste Zeit allerdings zu Polen. In einer Zeit wo Nationalismus noch nicht so wichtig war, konnten auf dem Gebiet auch verschiedene Völker nebeneinander leben, ohne das es wichtig war, welche Sprache der Herrscher sprach.

Im allgemeinen Erinnert mich die Auseinandersetzung an das nationalistische Hin und Her des Elsass, im 19. Jahrhundert, das zum 1871er deutsch-französischen Krieg und damit nicht unmaßgeblich am 1. WK und dessen Konsequenzen beitrug. Das Beispiel sollte aufhorchen lassen. Wehret den Anfängen !

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