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Zeitung für die Landeshauptstadt

03. Dezember 2016 | 14:39 Uhr

Schweriner Museum barrierefrei : Kunst zum Ertasten und Erinnern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie barrierefrei ist Schwerins Kultur: Die Galerie Alte und Neue Meister liegt in Sachen Inklusion ganz weit vorn

Barrierefreiheit und Inklusion – vielen Schwerinern fallen bei diesen Worten vor allem drei Dinge ein: Fahrstuhl, breite Türen, keine Stufen. Im Staatlichen Museum gibt es das längst. Auch Garderobe und Museumsshop lassen sich mit Rollstühlen und Rollatoren gut befahren. Im Eingangsbereich wartet ein ausleihbarer Rollstuhl auf Menschen, die den Weg durch die Schau nicht komplett auf den eigenen Füßen schaffen. Museumspädagogin Birgit Baumgart denkt beim Thema barrierefreie Kultur inzwischen vor allem an Sehbehinderte, an Gehörlose, an Demenzkranke und geistig Behinderte. Für sie alle hält das Schweriner Museum eigene Angebote vor.

„Erleben und Erinnern“ heißt zum Beispiel ein Projekt für Menschen mit Demenz. In besonders abgestimmten Führungen stehen unter anderem Essen, Trinken und Musik im Vordergrund. So bieten bedeutende Bilder die Gelegenheit, über ganz Alltägliches ins Gespräch zu kommen. „Es ist erstaunlich, woran sich die Menschen tatsächlich noch erinnern können“, sagt Birgit Baumgart. „Garten und Natur sind sehr beliebte Anknüpfungspunkte.“ Viele Einrichtungen, die Menschen mit Demenz betreuen, hat die Museumspädagogin schon angeschrieben, die Resonanz blieb bescheiden. In Nordrhein-Westfalen seien solche Führungen mittlerweile der Renner, sagt Baumgart. Durchhalten und immer wieder werben ist ihre Devise. Denn dass ein Museumsbesuch ein großartiges Erlebnis für Demenzkranke sein kann, davon ist sie überzeugt.

Birgit Baumgart lernt bei der Vorbereitung jeder ungewöhnlichen Führung „ihre“ Bilder neu kennen und schätzen, sieht Details, die ihr sonst verborgen blieben. „Mit Schülern haben wir mal ein Projekt gemacht, in dem sie lernten, Gemälde in Worten zu beschreiben. Das haben sie am nächsten Tag Blinden und Sehbehinderten vorgestellt und anschließend gemeinsam Geschichten zu den Bildern erfunden“, sagt die Museumspädagogin. Für Sehbehinderte hat das Museum schon ein deutschlandweit wegweisendes Projekt angeschoben: Ein inklusives Museumsbuch mit Brailleschrift und Tastbildern, mit normalen Buchstaben und großen Fotos. Es bringt Menschen mit und ohne Sehbehinderung das Goldene Zeitalter nahe. Jeden letzten Mittwoch im Monat um 14.30 Uhr gibt es eine öffentliche Führung für Blinde. Einmal die Woche kommen Schüler der Weinbergschule ins Museum und werden dort kreativ. Mit allen Förderschulen der Stadt stünde sie im engen und guten Kontakt.

Nächstes Inklusions-Projekt der Museumspädagogin: Ein Audio-Guide, der die Schweriner Kunst nicht nur auf Deutsch und Englisch, sondern auch in sehr einfacher Sprache erklärt und außerdem ein Display besitzt, das die Bilder der Ausstellung in Gebärdensprache erläutert.

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erstellt am 25.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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