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Zeitung für die Landeshauptstadt

30. September 2016 | 18:53 Uhr

Landwirtschaft : Kraaker zapft weniger Milch ab

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für jeden nicht produzierten Liter bekommt Christian Karp 14 Cent – nicht bei allen Bauern kommt das Förderprogramm gut an

Bürokratie ist nicht jedermanns Sache. Auch Bauer Christian Karp ist kein großer Freund davon. Doch in diesen Tagen füllt er gern Formulare aus. „Eigentlich ist es nur ein Formular. Und fünf Abrechnungen muss ich kopieren“, sagt der Kraaker.

Die Milchbauern stecken seit Monaten in einer tiefen Krise – die Preise sind im Keller. Ein EU-Förderprogramm soll den Landwirten nun helfen, die Milchmenge auf dem Markt zu reduzieren und so für bessere Preise zu sorgen. Christian Karp ist dabei. Im nächsten Frühjahr soll er dann für jeden jetzt nicht produzierten Liter Milch 14 Cent bekommen. 150 Millionen Euro wurden eigens dafür von der EU bereitgestellt. Die Antragsfrist läuft zum Jahresende aus.

Würden sich genügend Milchbauern beteiligen, könne es zu einer europaweiten Reduzierung der Milchmenge von 0,7 Prozent führen und der Preis sich im nächsten Jahr erholen, rechnen die Agrarminister vor. Alles nur Wunschdenken? „Nein“, ist sich Christian Karp sicher. Er setzt fest auf eine Verbesserung der Milchpreise. Derzeit zahlt ihm die Molkerei 21 Cent pro Liter. Alleine 15 Cent müsse er für Futterkosten aufbringen. Dazu kämen Personal- und Stromkosten, Abgaben für Maschinen, Tierarztkosten und vieles mehr. Für Karp steht fest: „Das treibt uns in die Pleite“. Bei jedem nicht produzierten Liter spare er nun die Futterkosten und bekommt obendrauf 14 Cent Förderung. Macht unterm Strich 29 Cent pro Liter aus.

Mengenreduzierung, so Karp, funktioniere bei Milchkühen jedoch nicht auf Knopfdruck: „Wir arbeiten mit Lebewesen und nicht mit Maschinen. Wir müssen die Fütterung umstellen oder Tiere verkaufen.“ Letzteres habe er bereits getan. „Für manche Mitarbeiter ist es besonders traurig, denn sie haben Tiere nicht selten sogar mit aufgezogen. Da kullert schon mal eine Träne“, weiß der Bauer. Er selbst sieht den Ablauf pragmatischer. „Es nützt ja nichts. Wenn sich auf dem Markt etwas ändern soll, dann müssen auch wir Milchbauern etwas tun“, betont Christian Karp.

Damit ist der Kraaker allerdings fast allein auf weiter Flur. Denn weder bei der Agp Lübesse, noch bei der Landwirtschaftlichen Produktion Wessin oder der Agrargenossenschaft Plate werden in diesen Tagen Anträge für Hilfen aus dem EU-Milchmengenprogramm ausgefüllt. „Wir haben einen neuen Stall und Kredite zu bedienen. Das funktioniert nur, indem wir abliefern – und zwar sogar mehr“, erklärt die Plater Anlagenleiterin Katrin Kranert. Sie würde zwar gern die Menge reduzieren, aber es rentiere sich nicht für sie. Ähnlich argumentiert auch Dirk Schünemann vom Wessiner Milchbetrieb: „Wir bekommen jetzt von unserer Molkerei 24 Cent je Liter Milch.“ Das reiche zwar nicht, um Plus zu machen. Doch die abgelieferte Menge schaffe dem Betrieb die nötige, kurzfristige Liquidität. „Auch wir müssen Kredite abbezahlen. Das funktioniert nicht mit 14 Cent“, sagt Schünemann. Der Milchpreis müsse sich allein regeln, betont er: „Die Politik muss sich da raushalten, der Markt bereinigt sich selbst.“

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erstellt am 21.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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