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Zeitung für die Landeshauptstadt

08. Dezember 2016 | 03:06 Uhr

Holthusen : Kopfschütteln über Windpark-Plan

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Holthusen will auch die Neuauflage des Projektes mit elf Anlagen nahe der A 24 ablehnen, denn Klage und Regionalplanung laufen noch

Holthusens Bürgermeisterin Marianne Facklam ist wegen der Neuauflage des „Bürgerwindparks“ zwischen Holthusen, Sülstorf, Alt Zachun und Bandenitz richtig sauer: „Dass wir Gemeindevertreter und unsere ehrenamtliche Arbeit nicht ernst genommen werden, sind wir schon gewohnt. Doch, dass weder die Entscheidung eines Gerichtes noch die Ergebnisse der Regionalen Raumplanung abgewartet werden, das ist eine neue Qualität.“

Am Dienstag wollen die Gemeindevertreter Stellung nehmen zu dem Vorhaben der Schweriner Firma Naturwind. Die hat einen zweiten Bauantrag für elf Windkraftanlagen zwischen den vier Gemeinden gestellt (SVZ berichtete). Holthusen war die einzige der vier Gemeinden, die sich im ersten Verfahren dagegen ausgesprochen hatte. Das Projekt wurde in einem Zielabweichungsverfahren vom Schweriner Infrastrukturministerium genehmigt. Dagegen klagte ein Anwohner. Es gilt ein Baustopp. Die Entscheidung vor dem Oberverwaltungsgericht Greifswald dazu steht aus. „Dass dieses Urteil nicht abgewartet werden muss und jetzt ein zweites, fast identisches Planverfahren anläuft, mag ja rechtlich in Ordnung sein, aber nachvollziehbar ist das nicht“, betont Facklam.

Und abwarten könnten und sollten die Investoren noch aus einem zweiten Grund: Inzwischen ist der Regionale Planungsverband Westmecklenburg dabei, Windeignungsräume ausweisen – darunter dieses Areal. „Auch da wird nicht abgewartet, sondern Druck gemacht, um den Ausbau von Windparks schnell voranzutreiben,“ betont Facklam. Was die Bürgermeisterin zusätzlich ärgert, ist der Antrag vom gleichen Investor für drei weitere Windräder in diesem Gebiet. Auf die war im ersten Planverfahren verzichtet worden, nun tauchen sie wieder auf. „Immerhin ist es gut, dass es jetzt eine Umweltverträglichkeitsprüfung geben soll“, fügt Facklam an. Denn im ersten Anlauf waren Standorte für Windkraftanlagen gestrichen worden, weil es in der Nähe Horste vom Rotmilan gibt.

Die Stellungnahme der Gemeinde Holthusen wurde bereits vorbereitet. Facklam will dem Votum von Dienstag, Beginn der öffentlichen Sitzung ist 19 Uhr im Gemeindehaus, nicht vorgreifen. „Aber wir waren uns einig, dass es so nicht gehen kann.“ Die Bürgermeisterin betont, dass die Holthusener sehr wohl für erneuerbare Energien sind. „Es kommt auf einen verträglichen Mix an und die Nutzung der Energie vor Ort.“ Auch ihr Pampower Amtskollege Hartwig Schulz betont: „Wir brauchen nicht Windpark an Windpark, um den Strom über große Freilandleitungen zu exportieren.“ Doch genau das befürchten die Kommunalpolitiker für ihren Amtsbereich Stralendorf. Schulz verweist auch auf den potenziellen Eignungsraum zwischen Pampow und Stralendorf. „Damit würden sogar mit Windrädern im Siebendörfer Moor möglich.“ Beiden Bürgermeistern geht es darum, dass dem für MV bevölkerungsreichen Randbereich von Schwerin durch die Ausweisung von großen Windparks nicht die eigentlichen Entwicklungschancen genommen werden. Chancen sehen beide in der Entwicklung von attraktiven Wohnstandorten und regionalen Tourismusangeboten.

 

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erstellt am 10.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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