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Zeitung für die Landeshauptstadt

07. Dezember 2016 | 17:25 Uhr

Flüchtlinge in Schwerin : Kompromisse im Klinikum

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sprache, Speisen, Mentalität: Kranke Flüchtlinge stellen auch die Helios-Mitarbeiter in Schwerin vor neue Herausforderungen

Menschen aus anderen Nationen gehören zunehmend zum Stadtbild in Schwerin. Und auch wer sich in den Helios-Kliniken behandeln lässt, bemerkt: Der Anteil von Menschen mit anderer Hautfarbe, mit anderen Sprachen wächst. Im ersten Dreivierteljahr 2016 wurden auf dem Sachsenberg mehr als 1500 Flüchtlinge stationär behandelt, davon etwa 175 Kinder unter sechs Jahren. Neue Sprachen, andere Gewohnheiten – für das Klinikum stellte das allerdings keine übergroße Herausforderung dar, sagt Helios-Sprecher Christian Becker auf SVZ-Nachfrage. „Gemessen am Gesamtpatientenaufkommen stellen zusätzlichen Behandlungen kein erhebliches Mehraufkommen dar“, so Becker. „Dennoch besteht natürlich ein deutlicher Mehraufwand im Hinblick auf Verständigung, Speisen und ähnliches.“

Im Klinikum gibt es rund 1520 Betten, 35 chefarztgeführte Kliniken und Institute, mehrere Funktionsabteilungen, Ambulanzen und Tageskliniken. 2400 Menschen arbeiten in den Schweriner Helios-Kliniken. Unter diesen vielen Mitarbeitern gäbe es eben auch ganz verschiedene Sprachkenntnisse. Und die helfen jetzt sehr. „Meist haben die Flüchtlinge oder ihre Angehörigen zwar Englischkenntnisse, die in der Basiskommunikation helfen“, sagt Christian Becker. „Häufig ziehen wir aber Mitarbeiter, die ebenfalls Arabisch sprechen, als Dolmetscher hinzu. Selten werden externe Dolmetscher benötigt.“

Doch die Sprache ist nicht die einzige Besonderheit. Auch kulturell läuft vor allem in arabischen Staaten einiges anders, als wir es gewohnt sind. Frauen mit Kopftüchern sind schon seit Längerem nicht mehr ungewöhnlich am Schweriner Klinikum, auch Ärztinnen dürfen es bei der Arbeit tragen. Ein bisschen schwieriger wird es in Sachen Familie: Bei Angehörigen aus Flüchtlingsfamilien bestehe beispielsweise immer wieder der Wunsch, ebenfalls bei der stationären Behandlung mit dabei zu sein, formuliert Becker vorsichtig. Doch wenn Eltern, Geschwister, Onkel und Tanten über längere Zeit im Patientenzimmer bleiben, nervt das bisweilen die Zimmernachbarn und macht die Behandlung nicht unbedingt einfacher. In diesen Fällen müssten Kompromisse gesucht werden. Becker: „Hier finden wir aber immer eine Lösung, meist akzeptieren die Flüchtlinge jedoch unsere Struktur und Regeln.“ Kompromisse würden ebenfalls beim Thema Essen gemacht, die Küche versuche, auf die kulturellen Besonderheiten der Patienten einzugehen. Bei Muslimen achte man insbesondere darauf, kein Schweinefleisch anzubieten. Der Umgang zwischen den einheimischen Patienten und denen, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, sei geprägt von „gegenseitigem Respekt“, so Becker. Auffällige negative Erfahrungen gäbe es nicht.

Und mit welchen Krankheiten kommen die Flüchtlinge ins Schweriner Klinikum? Mit genau den gleichen, wie sie auch die Schweriner haben. Eine deutlich erhöhte Anzahl bestimmter Krankheitsbilder bei Flüchtlingen gäbe es nicht, sagt Christian Becker. Auf fast allen Stationen kann man ihnen also begegnen.

Wenn die Patienten aus einer Erstaufnahmeeinrichtung ins Krankenhaus geschickt werden, dann bezahlt das Landesamt für Migration ihre Behandlung. Bei Flüchtlingen, die unter Paragraf 1 des Asylbewerberleistungsgesetzes fallen, muss die Sozialbehörde der zugewiesenen Stadt oder Gemeinde für die Kosten aufkommen, erläutert der Helios-Sprecher.

Wer sich seit 15 Monaten und mehr im Bundesgebiet aufhält, also unter Paragraf 2 des Gesetzes falle, für den kämen schließlich die Krankenkassen auf.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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