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Zeitung für die Landeshauptstadt

25. August 2016 | 01:17 Uhr

Baumfällungen : Jetzt kreischen Kettensägen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bäume am ehemaligen Internatskomplex Lankow sollen für ein Wohnviertel weichen – Grüne kritisieren

In Lankow sollen bald die Kettensägen heulen. Auf dem Areal des ehemaligen Internatskomplexes werden knapp 200 Bäume gefällt. Der Grund: Hier soll ein neues Wohnviertel entstehen. Das kündigte Dr. Hauke Behr, der Leiter des Fachdienstes Umwelt, an. Als Ersatz werden 121 neue Bäume gepflanzt. Der Investor hinterlegt dafür 100 000 Euro. Dass weniger Bäume gepflanzt als gefällt werden begründete Behr damit, dass eine größere Anzahl an Pappeln fallen muss, die in einem sehr schlechten Zustand sind. Diese Bäume seien ökologisch weniger wertvoll. Allerdings, so der Fachdienstchef, würden alle neuen Bäume im zukünftigen Baugebiet gepflanzt.

Kritik an diesem Verfahren kommt von den Bündnisgrünen. „Diese Masse an Baumfällungen ist im Hinblick auf das Wohnkonzept nicht nachzuvollziehen“ sagt Fraktionschefin Cornelia Nagel. „Hier sollen Tatsachen geschaffen werden, die irreparabel sind. Die Baumfällungen stehen im eklatanten Widerspruch zu dem von der Verwaltung bisher vorgelegten Unterlagen bezüglich der Einleitung eines Bebauungsplan-Verfahrens.“

Auch anderswo in Schwerin werden die Sägen angesetzt. Nonno Schacht von den Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen kündigte an, dass 71 Bäume auf städtischem Grund gefällt werden. Dazu kommen elf bereits abgestorbene Bäume.

Vor allem alte Weißdornbäume müssen abgenommen werden, beispielsweise am Obotritenring. Warum diese Bäume geschädigt sind, ist unbekannt, so Schacht. Er kündigte an, dass es Ersatzpflanzungen an verschiedenen Stellen in der Stadt geben werde.

Auf dem Alten Friedhof werden ebenfalls wieder Bäume abgenommen und 42 neue gepflanzt. Das parkähnliche Areal soll so wieder in seinen ursprünglichen, vom Hofgärtner Theodor Klett konzipierten Zustand gebracht werden.

Schacht teilte mit, dass es auf öffentlichen Straßen und Plätzen etwa 14 000 Bäume gebe. Dazu kommen rund 30 000 Einzelstandorte auf städtischen Grund und Boden. Alle diese Bäume werden, je nach Alter, alle ein bis zwei Jahre durch Fachleute begutachtet. Diese Gutachten seien dann die Grundlage für die Entscheidung zum Fällen der Bäume.

In Friedrichsthal ist das „Waldproblem“ inzwischen gelöst, teilte Hauke Behr mit. Hier soll der letzte Teil des Bebauungsplangebietes bebaut werden. Weil es in den vergangenen Jahrzehnten aber keine Pflegemaßnahmen auf der Fläche gab, sind Bäume gewachsen. Nach langem Streit hat das Landwirtschaftsministerium entschieden, dass es sich um einen Wald handelt. Der darf zwar gefällt werden, allerdings muss die Landesgrunderwerb, Entwicklerin des Areals, irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Wald pflanzen.

In der Zeit vom 1. März bis zum 30. September dürfen normalerweise keine Bäume gefällt werden, um brütende Vögel zu schützen. Die Gesetze ließen aber Ausnahmen zu, so Hauke Behr. Weil beispielsweise in Lankow die Abstimmungen zwischen Investor und Bauverwaltung langwierig seien, würden wohl auch noch bis in den April Bäume fallen.


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erstellt am 03.Feb.2016 | 16:00 Uhr

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