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Zeitung für die Landeshauptstadt

03. Dezember 2016 | 10:36 Uhr

Barrierefreiheit in Schwerin : Ins Kino durch die Hintertür

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In den Filmtheatern gibt es Fahrstühle, doch die sind nicht leicht zu erreichen

Als das Kino „Capitol“ im Jahr 1936 eröffnet wurde, da galt es als eines der bestausgestatteten Lichtspielhäuser im Deutschen Reich. Noch heute ist vieles original, damit 80 Jahre alt und entsprechend beeindruckend. Nur an behindertengerechte Zu- und Aufgänge haben die Architekten Hellmuth Ehrich und Erich Bentrup damals wohl nicht gedacht. Stufen erwarten den Kinogänger schon vor der Eingangstür, dann geht es weiter über Stufen ins Foyer und wieder eine Treppe hoch Richtung Balkon und zu den anderen Kinosälen, die inzwischen neu dazugekommen sind. Dass es auch einen später eingebauten Fahrstuhl gibt im Capitol, der auf vier Ebenen hält, wissen wohl nur die, die ihn wirklich brauchen. Er befindet sich ziemlich weit hinten. Recht versteckt ist auch ein schwellenfreier Zugang, nämlich am Capitolhof in den Schweriner Höfen. Die Crux bislang: Weil die Tür nur von innen aufgeht, muss Kinopersonal verständigt werden, um sie zu öffnen. An der Tür befindet sich aber keine Klingel – und vorne in den Kassenbereich kommen Rolli-Fahrer wegen der Stufen ja nicht selbstständig. „Ich muss eigentlich immer jemanden mitnehmen, wenn ich ins Capitol will“, sagt Angelika Stoof, Vorsitzende des Schweriner Behindertenbeirates. Wenn sie alleine sei, müsse sie manchmal fremde Menschen um Hilfe bitten. Selbstbestimmtes Leben und Teilhabe sähen anders aus.

Kinoleiter Dirk Mattenklott weiß um das Problem und gelobt Besserung. „Allerdings kommen die meisten Rollstuhlfahrer in Begleitung zu uns, und dann ist alles kein Problem.“ Dennoch möchte er eine Klingel am Vordereingang installieren, die ebenerdig erreichbar ist. Da der Kassenbereich jetzt in die historischen Nischen ganz vorne zurückverlegt wird, werden Rollstuhlfahrer vielleicht auch vom Personal besser gesehen. Was nicht funktioniere: Eine Rampe am Eingang. Die würde nämlich bis fast auf die Wismarsche Straße reichen und vorher den Gehweg kreuzen, sagt Mattenklott. Seit September hat er mehrere kleinere Kinosäle umbauen lassen, dabei in einigen auch extra Stellflächen ganz hinten für Rollstühle geschaffen. In anderen Sälen stehen die Rollis vorne, nah an der Leinwand, oft in der ersten Reihe. Im großen Saal sei die Unterbringung kein Problem, vor allem bei Veranstaltungen, aber auch zum Filmegucken. „Wir haben vor zehn Jahren die erste Sitzreihe rausgenommen, also ist der Abstand zur Leinwand hier wirklich groß genug.“ Auch die Behindertentoilette sei beim Umbau auf den allerneuesten Stand gebracht worden.

Im Mega-Movies am Bleicherufer ist die Lage ein wenig entspannter. Schließlich befindet sich der Kinokomplex in einem Neubau, und der Kassenbereich ist problemlos für Rollstuhl- oder Rollatorfahrer zu erreichen. „Dort sagen sie Bescheid, kaufen ihre Karten und fahren dann außen rum zu einer Eingangstür, die direkt zum Fahrstuhl führt“, sagt Tino Burmeister. Im Kino selbst gäbe es außerdem transportable Rampen. Die Mitarbeiter könnten die meisten Rollstühle aber auch ohne weitere Hilfsmittel über kleine Stufen in die Sälen schieben.

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