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Zeitung für die Landeshauptstadt

10. Dezember 2016 | 15:39 Uhr

Schwerins Stadtrand : Industrie trifft idyllisches Dorfleben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ-Serie „Gut leben am Rande der Stadt“: In Wüstmark werden Gemeinschaft und Engagement groß geschrieben

Etwas weniger als 100 000 Einwohner leben derzeit in der Landeshauptstadt. Aber nicht alle Schweriner haben ihren Wohnsitz in der Alt- oder in der Paulsstadt – viele wohnen in den Randbereichen der Stadt. Doch wie lebt es sich eigentlich abseits des Marienplatzes, fernab von Schloss und Dom? In der SVZ-Serie „Gut leben am Rande der Stadt“ kommen Schweriner zu Wort, die am Rande der Landeshauptstadt wohnen. Heute erzählt Reinhard Maltner vom Leben in Wüstmark.

„Gemeinschaft“ – das ist das erste, was Reinhard Maltner einfällt, wenn er an das Leben in Wüstmark denkt. Stolz erzählt er von der 650-Jahr-Feier des Stadtteils vor zehn Jahren. „Das war beeindruckend. Da haben die Bürger die Initiative ergriffen und wir hatten einen tollen zweitägigen Umzug.“ Pünktlich zum Jubiläum erschien auch die Chronik zur Ortsgeschichte „650 Jahre Wüstmark – Vom Dorf zum Industriestadtteil“.

Heute vereint der Stadtteil beides – einen traditionellen Dorfkern mit Flair und ein großes Gewerbegebiet. „Doch damals war das Dorf nicht so schön wie heute“, erinnert sich Reinhard Maltner. Damals, das ist 1985, als er mit seiner Frau und ihren beiden Söhnen am Ortseingang von Wüstmark ein großes Grundstück erwarb. „Hier stand vorher eine Scheune, die dann abgebrannt ist.“ Die Schweriner machten das Grundstück hübsch und errichteten ein Gartenhaus. Wohnen blieben sie aber in der Feldstadt mit Blick auf den Ostorfer See – vorerst. Doch dann mussten sie irgendwann aus der Wohnung raus und entschieden: Wir bauen in Wüstmark, das Grundstück haben wir ja bereits. 1994 war das gelbe Schwedenhaus fertig. „Der See fehlt mir ein bisschen“, gibt der 77-Jährige zu. „Doch einen großen Garten zu haben, ist toll – besonders für Kinder.“

Familie Maltner merkte schnell, wie eng der Zusammenhalt der Bewohner untereinander ist. Denn der Wandel des Stadtteils von einem Bauerndorf vor der Wende zu einem Industriestandort nach der Wende brachte nicht nur positive Veränderungen. „Die neuen Betriebe schufen zwar Arbeitsplätze, aber das Verkehrsaufkommen im Ort erhöhte sich stark“, erklärt Reinhard Maltner. Als dann die Kläranlage nach Wüstmark kam, beschloss er, sich einzusetzen und gründete 1994 mit dem heutigen Vorsitzenden Roland Süß den Ortsbeirat.

Einige Jahre später drohte der Teich am Dorfplatz auszutrocknen und wieder waren die Bürger und Maltner zu Stelle. „2002 haben wir den Verein Bürger für Wüstmark gegründet und es ist uns gelungen den Teich zu renaturieren.“ Gemeinsam mit dem Ortsbeirat und der Freiwilligen Feuerwehr ist der Verein, auch Teichverein genannt, für das gesellige Leben und das Engagement im Ort verantwortlich. Zweimal im Jahr finden die traditionellen Veranstaltungen statt – im Sommer das Teichfest, im Winter Tannebaum aufstellen und Lichter anzünden. „Uns ist es gelungen, die neuen Bürger mit den alten Bewohnern zusammenzuführen.“ Er freue sich, dass die Menschen sich hier füreinander interessieren.

Doch nicht nur die Gemeinschaft, auch die Nahversorgung und die Natur machen das Leben in Wüstmark lebenswert. „Viele wissen gar nicht, was wir für eine reizvolle Umgebung haben“, erzählt der pensionierte Berufsschullehrer. Das Siebendörfer Moor, die Heidelandschaft, die Wälder bis nach Zippendorf laden zu ausgiebigen Spaziergängen ein. „Da trifft man immer jemanden.“ Reinhard Maltner fühlt sich wohl in Wüstmark – „einem richtigen Dorf am Rande der Stadt“.


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erstellt am 20.Nov.2016 | 23:36 Uhr

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