zur Navigation springen

Zeitung für die Landeshauptstadt

11. Dezember 2016 | 08:58 Uhr

Schweriner gesichter : „Ich will niemals von hier weg!“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ-Serie „Gut leben am Rande der Stadt“: Ilse und Wilhelm-August Stender leben in Krebsförden – und führen damit eine Tradition fort

Etwas weniger als 100 000 Einwohner leben derzeit in der Landeshauptstadt. Aber nicht alle Schweriner haben ihren Wohnsitz in der Alt- oder in der Paulsstadt – viele wohnen in den Randbereichen der Stadt. Doch wie lebt es sich eigentlich abseits des Marienplatzes, fernab von Schloss und Dom? In der SVZ-Serie „Gut leben am Rande der Stadt“ kommen Schweriner zu Wort, die am Rande der Landeshauptstadt wohnen. Heute erzählen Ilse und Wilhelm-August Stender vom Leben in Krebsförden.

Seit 60 Jahren wohnt Ilse Stender in Krebsförden – gekommen wegen ihres Mannes Wilhelm-August. Und geblieben wegen ihres Mannes. „Mein Gatte lebt schon immer hier. Genau wie seine Vorfahren“, erzählt die 80-Jährige. Beide haben viel gesehen und viel erlebt. Und sie geben ihr Wissen weiter: Seit 1995 führen sie „Dat Oll’ Hus“, ein Familienmuseum in der Dorfstraße. In Planung sei das Museum nie so richtig gewesen – viel mehr ein Geistesblitz ihres Mannes, erinnert sich Ilse Stender: „Mitte der 1990er Jahre war das Reetdach unserer Scheune löchrig. Als wir es dann erneuern wollten, wurden wir auf die Förderung aufmerksam, für die wir einen Grund nennen mussten. Und dann meinte mein Mann: Lass uns doch ein Museum machen!“ Gesagt, getan. Im vergangenen Jahr feierten die beiden bereits das 20-jährige Bestehen ihres Familienmuseums.

Insgesamt nimmt die Historie viel Zeit im Alltag des Ehepaares ein. „Meine Vorfahren leben seit 300 Jahren hier“, erzählt Wilhelm-August Stender. Auf die Frage, ob er sich jemals vorgestellt habe, woanders zu leben, hat er sofort eine Antwort parat: „Solange ich lebe, will ich niemals weg von hier!“ Diese Ansicht teilt auch seine Frau, die mit ihm 1958 den Bund der Ehe einging. „Und hoffentlich sehen das auch meine Kinder und Enkel so“, ergänzt er mit lächelnder Miene.

Ihr gemeinsames Interesse für die Geschichte von Krebsförden äußert sich nicht nur im „Oll’ Hus“, sondern auch in einem Buch, für das die beiden Hobby-Historiker mit Geschichts-Experte Klaus-Ulrich Keubke zusammenarbeiteten. „Vor zwölf Jahren hat mir mein Mann einen Winter lang Geschichten von früher erzählt. Gemeinsam mit dem Archivwissen von Herrn Keubke haben wir dann das Buch veröffentlicht“, sagt Ilse Stender.

Im Gegensatz zur Historie, die im Archiv schlummert, kann das Ehepaar auch selber auf den Wandel des Stadtteils im vergangenen halben Jahrhundert zurückblicken. „Früher lebten hier nur Bauern und alles was hier betrieben wurde, war Landwirtschaft. Heute dient der Stadtteil vor allem als ruhige Wohngegend“, erläutert Wilhelm-August Stender. Zwar sei es vor Jahren noch ruhiger gewesen, aber selbst durch das Sieben-Seen-Center oder die getakteten Busverbindungen in die Innenstadt würde kaum eine Unruhe aufkommen. „Mit der Zeit gewöhnt man sich an die Busse. Und am Einkaufszentrum gibt es ja genügend Parkplätze“, sagt Ilse Stender. „Wenn man will, kann man sich hier wohlfühlen.“

Verändert hat sich laut der Schwerinerin nicht nur die Struktur ihres Stadtteils, sondern auch das Zusammenleben unter den Menschen. „Früher kannte jeder jeden. Heute kommen Gäste, die ich vorher noch nicht gesehen habe, in unser Museum und sagen: Wir leben auch in Krebsförden, seit zwei Jahren schon“, sagt Ilse Stender. Doch das sei eben der Lauf der Dinge.

Neben Geschichte und Museum gibt es noch eine dritte Konstante im Leben der Stenders: Die Familie. „Wir haben drei Kinder und sind gerade erst zum fünften Mal Opa und Oma geworden. Der Kleine tollt auch oft bei uns herum. Ihm gefällt es hier“, erzählt die 80-Jährige. Nicht nur ihm – sondern auch seinen Großeltern.

zur Startseite

von
erstellt am 14.Nov.2016 | 14:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen