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Zeitung für die Landeshauptstadt

28. September 2016 | 22:30 Uhr

Wohlfühloase : Hier gibt es Wellness für die Kuh

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Milchpreise im Keller, aber den Kopf nicht im Sand: Plater Agrargenossenschaft investiert 1,3 Millionen Euro für neuen Rinderstall

Es duftet nicht nach Rosenholzöl, es zischen keine Dampfbäder und es legt auch niemand Gurkenmasken auf – dennoch ist der neue Kuhstall der Plater Agrargenossenschaft ein Wellnesstempel. Einer für Vierbeiner, die im besten Fall auch viel Milch geben. 1,3 Millionen Euro hat der neue offene Kuhstall des Agrarbetriebes gekostet. 20 Prozent der Gesamtsumme wurden gefördert. „Unterm Strich bleibt aber dennoch viel Geld, das sich nun für die Kühe und auch uns bezahlt machen muss“, sagt Bernd Rieprecht, Leiter der Agrargenossenschaft.

Er und seine Berufskollegen stehen unter Druck: Die Preise sind im Keller, die Aussicht auf Besserung ist düster. Aber dennoch steckt Bernd Rieprecht den Kopf nicht in den Sand, sondern setzt mit Investitionen wie dieser ein klares Zeichen. „Wir haben hier 28 Bodenpunkte, feinsten Mecklenburger Sandboden. Wir müssen auf die Milch setzen.“ Seine Antwort klingt etwas nach Galagenhumor. Rieprecht selbst nennt es Zuversicht. „Wir bekommen jetzt um die 26 Cent für den Liter Milch, es müssten aber 35 sein, um davon leben zu können“, erklärt der Landwirt. Derzeit fahre jeder Milchlaster täglich bei jeder Fuhre nicht nur Milch, sondern auch Geld vom Hof. „Doch was soll ich denn machen? Aufgeben? Alles hinschmeißen?“ Für den Plater Agrar-Chef keine Lösung. Er habe eine Verantwortung. 35 Menschen verdienen mit der Arbeit bei der Plater Genossenschaft ihren Lebensunterhalt. „Es gibt diese Sinuskurven bei den Milchpreisen schon so lange ich denken kann. Es wird wieder“, sagt er und schreitet weiter hinein in den neuen Stall. Er ist hell und großzügig geschnitten. Kein aufdringlicher Kuhdungduft. Auf die Frage, ob das nun eine moderne Form des Rinder-Offenstalls aus DDR-Zeiten sei, antwortet Rieprecht zunächst mit einem lauten Lachen. „Ganz entfernt vielleicht. Man könnte eher sagen, das waren die Vorgänger. Jetzt ist es viel durchdachter und wirklich sinnvoll“, sagt der Plater Landwirt. Keine Kuh stehe bis zum Bauch im Mist oder friere im Winter. Um eine angenehme Temperatur für die Kuh zu haben, können Jalousien geöffnet oder geschlossen werden. „Kühe mögen es nicht zu heiß. Das ist beispielsweise das Problem bei einer reinen Weidehaltung“, erklärt der Bauer.

Aber eben nicht nur ausreichend Belüftung sei im neuen Stallkonzept verankert. Die Kühe liegen jetzt auf weichen Gummimatten, der Kot wird regelmäßig und vor allem automatisch per Schieber in einer Rinne am Ende des Stalls entsorgt. Das Wasser wird an kalten Tagen sogar vorgewärmt. „Es gibt Lecksteine und Bürsten, die sich drehen, wenn die Kuh sie berührt“, sagt Bernd Rieprecht und in diesem Moment surrt es auch schon. Eine der schwarz-weißen Damen lässt sich den Rücken schubbern. Die Kühe mögen sie wohl, diese Form der Bürsten-Massage. „Das alles hier sind unsere Leistungsträger“, sagt Bernd Rieprecht und streicht einer Milchkuh über den Kopf.

Woran er erkennt, dass sie sich in ihrem neuen Stall wohlfühlen? „Na das sieht man doch“, sagt er mit einem Augenzwinkern, hat aber auch gleich Zahlen parat: Noch vor dem Umzug im vergangenen September in das neue Stallgebäude haben die Tiere bis zu 30 Liter Milch am Tag gegeben. Jetzt sind es durchschnittlich 33 Liter pro Kuh am Tag. „Es hat anfangs ein wenig gedauert, aber es hat sich gelohnt“, versichert Bernd Rieprecht. Jetzt müsse nur noch der Preis aus dem Keller kommen.

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