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Zeitung für die Landeshauptstadt

08. Dezember 2016 | 09:00 Uhr

Schweriner Museum : Helden im Depot

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Verborgene Schätze: Volkskundemuseum will Historiker für die Erforschung des Traditionszimmers der Roten Armee gewinnen

Die Helden von einst ruhen weiterhin im Depot, eingewickelt in Decken und Papier. Das Traditionskabinett der sowjetischen Armee, bis Anfang der 90er-Jahre Zierde der alten Kaserne in der Stellingstraße, hat noch immer keinen repräsentativen Platz in der Landeshauptstadt gefunden. Gesine Kröhnert, Direktorin des Volkskundemuseums und Wächterin über das Kabinett, setzt ihre Hoffnungen auf eine Zusammenarbeit mit der Universität Rostock. „Ich wünsche mir eine wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Kabinett“, sagt Kröhnert. Daraus könnte sich dann auch ein Impuls für eine öffentliche Präsentation ergeben, so hofft sie.

Und Kröhnert hat einen kompetenten Mitstreiter an ihrer Seite: Hartmut Winterfeld, ehemaliger Verbindungsoffizier der Bundeswehr zu den GUS-Truppen im Bezirk Schwerin, hatte im vergangenen Jahr einen SVZ-Bericht über das verborgene Kleinod gelesen – und sich daran erinnert, wie er selbst internationale Gäste zum Kabinett geführt und mit dem Kommandanten der damaligen 94. Garde-Mot.-Schützendivision gefeiert hat. Für den Klöndor-Förderverein des Volkskundemuseums hält Winterfeld nun am 23. November um 19 Uhr im Schleswig-Holstein-Haus einen Vortrag mit dem Titel „Das Museum des Ruhms. Im Depot vergessen? Fundstücke zur sowjetischen 94. Garde-Mot.-Schützendivision“. Nach dem Vortrag werde ihr Winterfeld seine Unterlagen übergeben, sagt Kröhnert – als Grundlage für ein Konzept, mit dem das Volkskundemuseum dann gezielt an die Rostocker Uni herantreten könne.

Als das Traditionszimmer vor mehr als 20 Jahren erstmals einer ausgewählten Öffentlichkeit gezeigt und die Übergabe verkündet wurde, war die Freude groß. Der damalige Direktor des Historischen Museums, Norbert Credé, betonte die Einmaligkeit des Kabinetts und versprach, es authentisch im Haus und im Gelände zu erhalten. Später übernahm das Finanzministerium den Gebäudekomplex in der Stellingstraße – ohne GUS-Museum. Ein vollständiger Wiederaufbau des Zimmers sei heute illusorisch, sagt auch Gesine Kröhnert. Es aber weiter so im Depot in der Lortzingstraße schmoren zu lassen, könne auch keine Lösung sein. „Dafür ist der Wert als Zeitdokument einfach zu groß“, erklärt die Chefin des Volkskundemuseums.

Im Armeezimmer verweben sich Propaganda und Ideologie, Heldenkult und Kriegsverklärung mit traditioneller russischer Kunst. Mehrere Lenin-Statuen gab es im Divisionsmuseum zu sehen, außerdem Porträts von Soldaten, riesige Wandtafeln und Ölbilder zum Häuserkampf in russischen Dörfern oder zu moderner Militärtechnik. Auch Waffenschrott aus dem Zweiten Weltkrieg wurde gesammelt und aufbewahrt.

Das Kabinett biete jede Menge Ansatzpunkte für  die Forschung, sagt Gesine Kröhnert. So könnte sich ein Historiker zum Beispiel mit den Biografien der abgebildeten Soldaten beschäftigen – und mit ihren Lebensgeschichten auch gleich das ganze Traditionszimmer ans Licht der Öffentlichkeit holen.

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erstellt am 27.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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