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Zeitung für die Landeshauptstadt

04. Dezember 2016 | 15:18 Uhr

Landwirtschaft in Lübesse : Grüner Riese mit Computerhirn

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bei der Landtechnik in Lübesse werden moderne Erntefahrzeuge auch per Mausklick kontrolliert und repariert

Draußen prasselt der Regen gegen die Blechtüren, in der Werkstatt ist ab und zu ein Schlag auf Metall zu hören, es riecht nach Schmiere und Diesel. Wesentlich leiser ist sie geworden, die Arbeit in den Landmaschinenwerkstätten der Region, auch nicht mehr so schmutzig. So auch bei der Krone Landtechnik in Lübesse. Vier Traktoren stehen in der großen Halle. Einer davon zerlegt in alle Einzelteile. Es gleicht einer OP am offenen Herzen. Alle wichtigen Leitungen sind zusammengebunden und mit kleinen weißen Zetteln markiert. „Damit man weiß, was wo hingehört“, sagt Mechaniker Torsten Bennart. Seine Finger sind schwarz vom Öl. „Der braucht das“, scherzen seine Kollegen. Ab und zu werde es eine „echte Sauerei“, die Maschinen zu reparieren. Aber nur manchmal. Die neue Technik komme mit weniger Öl aus. „Schade ist es schon“, sagt Bennart. Aber auch das ist für den Landmaschinenmechaniker kein Problem. Man müsse, wie er sagt, eben mit der Zeit gehen. Und diese bringt immer mehr High-Tech mit sich, wie beispielsweise der neue grüne Mähdrescher, der direkt neben der Herz-OP geparkt ist.

Dieser Ernte-Riese soll in den nächsten Tagen ausgeliefert werden. Kaputt ist nichts. Auch wenn er etwas „nackt“ dasteht. „Das Schneidwerk haben wir abgebaut“, sagt Erntemaschinenspezialist Christian Tramm und steckt seine Nase wieder in den Laptop. Mit den Kollegen aus der Werkstatt kontrolliert er alle Einstellungen. Handy, Laptop, Fehlerlesegerät und ein 13er Schlüssel seien nötig, um die ersten wichtigsten Arbeiten erledigen zu können. „Es gibt mittlerweile viele elektronische Bauteile, die die Arbeit erleichtern“, erklärt Tramm. Aber mit dem Komfort wachse auch der Anspruch an die Fahrer. „Vor und zurück kann jeder. Doch es kommt gerade in diesen Zeiten und bei den jetzigen Getreidepreisen darauf an, das Optimale rauszuholen“, sagt Christian Tramm. In zweitätigen Schulungen werden die Fahrer der Maschinen mit der Technik vertraut gemacht. Der Kunde soll das Gerät optimal bedienen können.

Doch zuvor muss der Bauer sich für ein Modell entscheiden. Zuweilen eine schwere Geburt. Wird heute ein Mähdrescher verkauft, zählt nicht mehr allein die Leistung des Motors oder die Kapazität der Kornkammer. Bei einer Angebotspalette, die sich allein bei einem Mähdrescher auf 17 verschiedene Modelle erstreckt, bei der die unterschiedlichen Ausstattungsvarianten noch nicht eingerechnet sind, raucht so manchem Landwirt schnell der Kopf.

„Arbeitsbreite von 3,90 oder 12,30 Meter? Das kleine Modell mit 204 oder das größte mit 625 PS“, fragt Christian Tramm und ruft sein Programm auf dem Computer auf: Verschiedene Reifenkombinationen, Option auf ein Raupenlaufwerk, satellitengestützte Lenkautomatik, GPS-basierte automatische Reihenführungssysteme und vieles mehr können per Mausklick gewählt werden.

Eine Vielzahl an Wahlmöglichkeiten gibt es ebenso für die Innenausstattung: großer Kühlschrank, Ledersitz und viele digitalen Raffinessen. So lässt sich unter anderem der Mähdrescher mit dem Überladewagen synchronisieren. Der Abfahrer kann genau sehen, wie voll die Kornkammer ist. Auch eine direkte Vernetzung zur Werkstatt ist möglich, um Fehler von dort aus auslesen zu können.

Schnell kommen da Summen von mehr als 300 000 Euro für einen Mähdrescher zusammen. Und der ist 21 bis 30 Druschtage im Einsatz. „Investitionen von solchen Größenordnungen müssen wohl überlegt sein“, weiß Christian Tramm. Dutzende Gespräche hat er in diesem Jahr geführt. Weitere folgen. Denn jetzt plane der Landwirt auch die Investitionen in die Technik.

„Das sind keine Entscheidungen, die aus dem Bauch heraus getroffen werden“, sagt Verkaufsleiter Dieter Götting. Er muss jetzt ins Krankenhaus. Zum Verkaufsgespräch. Ein Bauer rief an, liegt im Bett, kann sich nicht bewegen. Nun habe er Zeit. Ein neuer Traktor soll es werden.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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