zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

28. April 2017 | 23:52 Uhr

Mein Verein : Großes Kino im kleinen Pinnow

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beim Kultur- und Heimatverein sind die Filmvorführungen im Gemeindehaus seit 13 Jahren der Dauerbrenner

In Deutschland gibt es mehr als 620 000 eingetragene Vereine. Dort treffen sich Menschen, um Sport zu treiben, ihren Hobbys nachzugehen, Traditionen und Kultur zu pflegen, zu helfen oder zu fördern. Die SVZ besucht einige der mehr als 100 Vereine im Schweriner Umland, um zu erfahren, warum sich Menschen in Vereinen engagieren, was ihnen wichtig ist und mit welchen Problemen sie dort zu kämpfen haben. Heute stellen wir den Kultur- und Heimatverein Pinnow vor.

Radtouren mit Ehepaar Juhl, botanische Wanderungen mit Heinz Sluschny oder Lesungen mit den Eheleuten Krämling. Historische Spaziergänge mit Herbert Remmel, Bildervorträge von Wolf-Dietrich Sigeneger oder Konzerte mit französischen Chansons – der Terminplan des Kultur- und Heimatvereins Pinnow ist so üppig wie abwechslungsreich. Den Pinnowern und Godernern gefällt es, denn die Zahl der Mitglieder ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. „Aktuell sind es 103“, erzählt Klaus-Michael Glaser. Klaus-Michael Glaser ist ein freundlicher Herr mit großer Brille und breitem Lächeln. Er ist 56 Jahre alt und arbeitet als Referent beim Städte- und Gemeindetag Mecklenburg-Vorpommern. Als Jurist nimmt er dort die Interessen der Städte und Gemeinden gegenüber dem Land wahr. Das ist sein Job. Sein Hobby ist das Kino. Er mag die Berlinale, das Filmkunstfest in Schwerin und das Luna-Kino in Ludwigslust. Er sieht Filme des selbstironischen Unikats Woody Allen genauso gerne wie die des subtilen Kino-Erzählkünstlers Francois Truffaut. Und was hat Glasers Vorliebe für Filme mit dem Terminplan des Kultur- und Heimatvereins Pinnow zu tun? Eine ganze Menge, denn als Vorsitzender des Vereins gestaltet er das Programm mit. Und ganz besonders gerne den Dauerbrenner „Kino in Pinnow“.

Am Anfang stand eine Mitglieder-Umfrage. Würden Sie solche Filmabende besuchen? Welche Filme würden Sie interessieren? Welcher Kinotag wäre Ihnen am liebsten? Das Ergebnis: Ja, Interesse ist da und preisgekrönte europäische Filme an Freitagen wären genehm. Der erste Film war aber das amerikanische Militär-Drama „Verdammt in alle Ewigkeit“. „Das war im März 2003, zur Zeit des zweiten Golfkriegs. Bei dem Film hatten einige Besucher Tränen in die Augen“, erinnert sich Glaser.

Dutzende Vorführungen folgten, und immer rollte Uwe Höppner vom Verein Landesverband Filmkommunikation aus Güstrow an. Anfangs spannte er noch weiße Laken im Gemeindezentrum und stellte Lautsprecher daneben auf. Mittlerweile muss er weniger Aufwand betreiben, denn nach Um- und Ausbau des Gemeindezentrums sind Leinwand und Tonanlage vorhanden. „Und den neuen Raum können wir abdunkeln und so Filme vor dem Abend zeigen“, sagt Vereinschef Glaser. Nur bei den beliebten Open-Air-Veranstaltungen rückt der Filmvorführer mit seinem mobilen Kino vier Stunden vor Vorstellungsbeginn an.

30 bis 40 Filmfreunde kommen regelmäßig. Einmal waren es nur acht. „Somewhere“ von Sofia Copolla floppte mit seinen langen Dialogen und langsamen Sequenzen . „Da habe ich wohl daneben gegriffen“, gibt Klaus-Michael Glaser zu. Zweimal im Jahr haben die Mitglieder die Film-Wahl, ansonsten versucht Kino-Freund Glaser den Nerv des Publikums zu treffen. Der Feuerzangenbowle-Abend am vierten Advent ist ein Selbstläufer, die Dokumentation über Rabbi Wolff oder die in Pinnow zu DDR-Zeiten gedrehten Kinderfilme „Taubenjule“ und „Eine vollständig erlogene Geschichte“ waren Renner.

In einer Kladde hat Vorsitzender Glaser alle bisher gezeigten Filme fein säuberlich eingetragen. Am vergangenen Freitag kam Streifen Nummer 99 „Captain Fantastic – einmal Wildnis und zurück“ dazu. Der 100. Film läuft am 31. März. Einmal mehr ein preisgekrönter Streifen: „Toni Erdmann“. Viele weitere sollen noch folgen. „Gute Filme“, betont Klaus-Michael Glaser, „gibt es ja genug.“

zur Startseite

von
erstellt am 12.Mär.2017 | 20:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen