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Ruhestätten in Schwerin : Grabstätte für politisch Verfolgte

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf dem Ehrenfriedhof ruhen KZ-Häftlinge, Angehörige der Roten Armee und sowjetische Zivilisten

Der Friedhof ist ein Ort für alle, die einen geliebten Menschen verloren haben, ein Ort des Abschieds, der Erinnerung, des Trostes und der Hoffnung. Als Parks abseits des turbulenten städtischen Lebens bieten die Schweriner Friedhöfe auch Raum für Spaziergänge in ruhiger Atmosphäre, so wie auf dem Ehrenfriedhof der Opfer des Faschismus am Obotritenring.

Weit bevor Menschen auf dem Ehrenfriedhof ihre Geliebten betrauerten, wurden hier Mitte des 18. Jahrhunderts Sand, Lehm und Steinen gewonnen. Urkundlich belegt ist eine Nutzung bis 1870, danach wurde die Fläche zu einer Baumschule umfunktioniert. Zeitgleich entstand in unmittelbarer Nähe der Alte Friedhof unter Leitung des Gartenbaumeisters Theodor Klett. Bis 1925 wurde der westliche Teil des heutigen Ehrenfriedhofs als Holzlagerplatz genutzt – der östliche Teil war auch schon damals Grünanlage mit Liegewiese.

Zwischen 1943 und 1945 sollen die ersten drei Grabreihen auf dem Platz angelegt worden sein, die Identität und Herkunft der Toten ist aber bis heute unklar. Vermutlich handelte es sich dabei um russische Zwangsarbeiter, die aber höchstwahrscheinlich erst auf dem alten Friedhof bestattet worden waren. Eine spätere Umbettung zum Platz der Opfer des Faschismus ist aber nicht auszuschließen.

Nach dem Ende des Krieges marschierte die Rote Armee am 1. Juli 1945 in Schwerin ein und übernahm die Besatzungsmacht von den Briten. Für den heutigen Ehrenfriedhof bedeutete dies , dass dort neben und auf den Gräbern der KZ-Häftlinge auch Angehörige der Roten Armee bestattet wurden, der Friedhof wurde als Militärfriedhof genutzt. Auch Kinder der Armeeangehörigen fanden dort ihre letzte Ruhe. Zwischen 1945 und 1949 wurden zwei Massengräber mit etwa acht sowjetischen Toten angelegt. Die Bestattungen von Sowjetsoldaten waren dabei sehr feierlich ausgelegt: Teilweise wurden die Leichen aufgebahrt oder es wurden Salutschüsse abgefeuert.

Gegen Ende der 1940er- Jahre wurde mit Bestattungen von Verfolgten des Nationalsozialismus und deren Angehörigen auf dem mittig gelegenen Grabfeld mit 238 Grabstellen begonnen. Eine Umbettung der Gebeine aus den 1945 angelegten Grabstellen an die jetzigen Aufstellungsorte der neuen Grabplatten ist nicht dokumentiert.

Die Besonderheit dieses Ehrenfriedhofs gegenüber anderen besteht darin, dass hier heute die unterschiedlichsten Opfergruppen begraben liegen: KZ-Häftlinge, sowjetische zivile Bürger, Angehörige der Roten Armee, nach 1945 verstorbene Verfolgte des Naziregimes und deren Ehepartner, umgebettete verdiente Sozialisten. Auch das Grab des ehemaligen Ministerpräsidenten Mecklenburgs, Kurt Bürger, befindet sich dort.

Auf dem Friedhof sind insgesamt 1504 Tote bestattet, davon 755 Kriegstote. Die Kriegstoten sind in 723 Einzelgräbern und vier Sammelgräbern bestattet. Heute fungiert der Friedhof als Rückzugsort zwischen Bäumen und Sträuchern mitten in der Stadt.

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erstellt am 16.Mär.2017 | 08:00 Uhr

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