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Zeitung für die Landeshauptstadt

29. März 2017 | 01:36 Uhr

Ruhestätten in Schwerin : Gottesacker am Krankenhaus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der stillgelegte Friedhof auf dem Sachsenberg erinnert an Persönlichkeiten der Landeshauptstadt

Der Friedhof ist ein Ort für alle, die einen geliebten Menschen verloren haben, ein Ort des Abschieds, der Erinnerung, des Trostes und der Hoffnung. Als Parks abseits des turbulenten städtischen Lebens bieten die Schweriner Friedhöfe auch Raum für Spaziergänge in ruhiger Atmosphäre, so wie auf dem stillgelegten Friedhof der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg.

Fast am Ende des Helios-Klinikgeländes liegt die grüne Ruhestätte. Etwas versteckt, mit vielen Bäumen und einer Klinikkapelle, die heute noch genutzt wird. Die Grabsteine sind teilweise verwittert, mit Moos bedeckt. Das ist nicht verwunderlich, wurde der Friedhof der Nervenklinik Schwerin Sachsenberg doch bereits 1851 eingeweiht.

Schon wenige Jahre nach Eröffnung der Nervenheilanstalt 1830 wurde es notwendig, für verstorbene Patienten und Mitarbeiter einen eigenen Friedhof auf dem Sachsenberg anzulegen. 1873 und 1900 musste er erweitert werden. 1913 wurde die Klinikkapelle gebaut, die bis 1945 als Leichenhaus genutzt wurde. Heute finden dort Andachten statt. Bis 1959 wurde die Ruhestätte belegt, mit besonderer Genehmigung fanden sogar noch bis Anfang der 1970er-Jahre Beerdigungen statt – meist von ehemaligen Mitarbeitern.

Heute gibt es nur noch wenige Gräber, auf denen zu erkennen ist, wer auf dem Friedhof bestattet wurde. Während der beiden Weltkriege fanden hier zahlreiche Soldaten ihre letzte Ruhe. Ein Gedenkkreuz am Eingang erinnert an die Toten des Ersten Weltkrieges, die übrigen Kriegsgräber und das Sammelgrab wurden eingeebnet. Beim Spaziergang über die Parkfriedhofsanlage ist außerdem das Grab des niederdeutschen Dichters Rudolf Tarnow zu sehen, der auch Betriebsinspektor der Anstalt war. Auch seine Frau und weitere Familienmitglieder sind hier begraben, ebenso der Opernsänger Carl Hill.

Auf der Tafel am Eingang zum Friedhof können die Besucher lesen, dass auch der Psychiater, Gründer und Direktor der Nervenklinik, Carl-Friedrich-Flemming, hier sein Familiengrab hatte. Nur schwer ist es zu finden, die Inschrift ist verwittert, nicht mehr zu entziffern. Die Grabanlage ist gedeckt mit einer Sandsteinplatte für seine erste Ehefrau Caroline Flemming, die schon im 24. Lebensjahr starb. Er selbst wurde jedoch 1880 auf dem Alten Friedhof begraben. Das Grab ist nicht mehr vorhanden.

Als Teil des Parkes ist der Friedhof mittlerweile denkmalgeschützt. Für den Erhalt und die Pflege der noch vorhandenen Grabsteine engagiert sich seit einiger Zeit der Freundeskreis Sachsenberg. Mit Unterstützung und Genehmigung des Helios-Klinikums setzt sich der Verein dafür ein, den verblieben und recht verwilderten Friedhof behutsam unter gartenplanerischer Anleitung zu restaurieren.

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erstellt am 19.Mär.2017 | 16:00 Uhr

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