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Zeitung für die Landeshauptstadt

10. Dezember 2016 | 00:11 Uhr

Gut leben am Rande der Stadt Schwerin : Gewerbegebiet trifft Kleingärten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Görries vereint kurze Wege zur Nahversorgung mit dörflichem Flair und grünen Oasen

Etwas weniger als 100 000 Einwohner leben derzeit in der Landeshauptstadt. Aber nicht alle Schweriner haben ihren Wohnsitz in der Alt- oder in der Paulsstadt – viele wohnen in den Randbereichen der Stadt. Doch wie lebt es sich eigentlich abseits des Marienplatzes, fernab von Schloss und Dom? In der SVZ-Serie „Gut leben am Rande der Stadt“ kommen Schweriner zu Wort, die am Rande der Landeshauptstadt wohnen. Heute erzählt Marion Dahlmann vom Leben in Görries.

Ruhig ist es auf dem Gelände am Ufer des Ostorfer Sees. Blätter liegen auf dem Rasen, die Luken vom Kiosk sind verriegelt, die Boote stehen gut geschützt in der Ecke. Es ist Herbst. Die Saison auf der Freizeitanlage Kaspelwerder in Görries ist seit Oktober vorbei und dennoch hat Besitzerin Marion Dahlmann alle Hände voll zu tun, bevor sie Kaspelwerder in den Winterschlaf schickt und sich ein paar Tage Urlaub gönnt. „Der Kiosk ist modernisiert und mit einer neuen Elektroanlage ausgestattet worden“, erklärt sie.

Seit 1973 besteht die Badestelle, 1976 übernahm Marion Dahlmann das Zepter, 1991 hat sie sich selbstständig gemacht. „Als ich hier anfing, war alles Brachland“, erinnert sie sich. „Wir haben eine neue Steganlage und eine Kegelbahn gebaut, Toiletten errichtet, neue Bäume gepflanzt und ein Großfeldschach gab es auch.“

Die gebürtige Berlinerin kam 1969 nach Schwerin. Bevor sie 1975 nach Görries zog, lebte sie in Lankow. In den vergangenen Jahrzehnten ist sie in dem Stadtteil am Rande von Schwerin heimisch geworden. „Ich schätze den Dorfcharakter und die Nähe zur Stadt. Mit dem Fahrrad braucht man zehn Minuten durch die Gärten“, sagt sie. „Als Selbstständige profitiere ich außerdem vom Gewerbegebiet.“ Zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten und gute Verkehrsanbindungen runden die ideale Randlage von Görries ab. „Ein beliebter Stadtteil für Familien“, fasst Marion Dahlmann zusammen. „Hier kennt jeder jeden, hier hilft jeder jedem.“

Doch das ehemalige Ortsbeiratsmitglied (2008-2013) sieht auch Schwachstellen in dem Stadtteil. „Es tut sich kaum etwas – weder an der Rogahner Straße noch den Gehwegen“, kritisiert sie. „Die Stadt hat leider kein Geld für die Randgebiete.“ Wohl fühlt sie sich trotzdem und auch ihre Kinder sind Görries verbunden geblieben. Während ihr Sohn hier wohnt, hat die Tochter einen Kleingarten als Wochenend- und Feriendomizil.

Auf dem idyllischen Gelände am Ostorfer See hat sich in den letzten vierzig Jahren indes viel getan. Die Kegelbahn und das Großfeldschach verschwanden nach der Wende, stattdessen können dort nun bis zu 15 Wohnmobile und Campingwagen stehen. „Natürlich ist einiges sehr alt, aber dafür gut erhalten“, sagt Marion Dahlmann. „Und der DDR-Charme ist etwas ganz Besonderes.“

Die Freizeitanlage Kaspelwerder wird nicht nur von Touristen, sondern auch von Einheimischen aus Görries, Schwerin und dem Umland genutzt. „Wenn gutes Wetter ist, dann rennen die sich hier um“, erzählt die Besitzerin lachend. Es wird Volleyball oder Tischtennis gespielt, mit den Ruder- und Tretbooten gefahren, und im abgetrennten Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich geplanscht. Am Kiosk gibt es die passende Verpflegung. Eintritt nimmt sie nicht.

Das 10 000 Quadratmeter große Gelände pflegt die 67-Jährige alleine. „Das mache ich gerne und mit viel Spaß. Ich treffe immer neue Leute und der Sommer hält mich jung.“ Ab und an bekommt sie Hilfe von Menschen, die auf der Freizeitanlage ihre Sozialstunden leisten.

Wenn die letzten Besucher Kaspelwerder verlassen haben, sitzt Marion Dahlmann gerne mit einem kühlen Getränk auf der Bank am Ostorfer See und guckt auf die hell erleuchteten Häuser auf dem Dreesch. „Dann fällt alles von mir ab.“ Hier in Görries am Rande der Stadt kann sie entspannen.

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erstellt am 07.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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