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Zeitung für die Landeshauptstadt

29. März 2017 | 13:11 Uhr

Muslime in Schwerin : Freitagsgebet in der Turnhalle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Islamischer Bund nutzt Halle in der Perleberger Straße für religiöse Zwecke. Ortsbeiratschef: Viele Anwohner sind verunsichert

Es sind arabische Schriftzeichen auf dem Aufkleber. Aber nicht mehr alle Buchstaben lassen sich entziffern. „Ich lese, kehrt zurück“, sagt Mohamed Dib Khanji und schaut auf den halb abgerissenen Sticker an der Tür der alten Turnhalle in der Perleberger Straße. Zurück wohin? „Seit mehr als 20 Jahren lebe ich
in Schwerin. Hier will ich bleiben“, sagt der Vorsitzende des Islamischen Bundes, der aus Syrien stammt. Er weiß nicht, woher der Aufkleber kommt.

Seit Ende vergangenen Jahres findet das Freitagsgebet des Bundes in der früheren Schulturnhalle statt. „Eine Übergangslösung“, betont Khanji. Die Halle werde ansonsten weiter sportlich genutzt. Doch es gibt Streit in Neu Zippendorf. Auf den beiden jüngsten Sitzungen des Ortsbeirates ist die Stimmung hoch gekocht.

Viele Anwohner hätten sich besorgt geäußert, unter anderem von Schubsereien auf einem nahen Spielplatz berichtet, sagt Ortsbeiratschef Georg Christian Riedel. „Die Bürger fürchten sich vor neuen Konflikten im Stadtteil, vor religiösem Extremismus.“ Kritik übt Riedel an der Verwaltung, sie habe den Ortsbeirat nicht über die Hallennutzung durch den Internationalen Bund informiert, auch in den öffentlichen Sitzungen offene Fragen nicht eindeutig beantworten können.

Um die 200 Gläubige treffen sich freitags von 11.30 bis 13.30 Uhr in der Sporthalle neben dem Garten der Schweriner Tafel. Die meisten kommen aus Syrien, andere aus Algerien, Tunesien, Pakistan, dem Irak und Eritrea. Seit Jahren bereits bemüht sich der Islamische Bund mit Unterstützung der Stadt um Räume für eine neue Moschee (SVZ berichtete). Die alte Kita in der Anne-Frank-Straße, die der Bund augenblicklich nutzt, ist marode und viel zu klein. „Doch ein geeignetes anderes Objekt hat sich bisher noch nicht gefunden“, sagt Mohamed Dib Khanji. Um Platz für das Freitagsgebet zu bekommen, habe sich der Islamische Bund deshalb jetzt für zwei Stunden in der Woche die Halle in der Perleberger Straße gemietet.

Sozialdezernent Andreas Ruhl rechtfertigt die Handlungsweise der Stadt: „Die islamische Gemeinde wächst durch die vielen Flüchtlinge, die Gläubigen brauchen Raum für die Ausübung ihrer Religion.“ Die Nutzung der Turnhalle für sportliche Zwecke werde durch die Vermietung an den Islamischen Bund nicht beeinträchtigt, so Ruhl. „Ja, die Verwaltung hätte den Ortsbeirat eher informieren können“, räumt der Dezernent ein, wehrt sich aber gegen jede Form der politischen Stimmungsmache.

Beruhigende Worte kommen von der Polizei. Bisher seien keine Vorfälle rund um die Turnhalle in der Perleberger Straße bekannt geworden, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. „Es gibt auch keinerlei Anhaltspunkte für extremistische Tendenzen“, sagt Polizeisprecherin Sophie Pawelke.

Verständnis für die Situation des Islamischen Bundes zeigt Volker Tremel, Geschäftsführer des Vereins Argus, der die Halle in Neu Zippendorf am Freitag vor dem Gebet des Islamischen Bundes für den Seniorensport nutzt „Es gibt bisher keine Probleme bei der Hallennutzung“, sagt Tremel.

Der Islamische Bund selbst will auf die Menschen im Stadtteil zugehen: Am 24. März um 12 Uhr sind alle Interessierten in die Turnhalle eingeladen, um ein Gebet mitzuerleben. „Wir wollen mit den Gästen ins Gespräch kommen“, sagt Mohamed Dib Khanji, der sich von jeglichem Extremismus distanziert.

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erstellt am 17.Mär.2017 | 20:45 Uhr

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