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Zeitung für die Landeshauptstadt

11. Dezember 2016 | 11:00 Uhr

Wilderei in der Waldlewitz : Förster: Diese Funde bleiben bitte im Wald

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Christian Lange erklärt, warum Sammeln von abgeworfenen Geweihen Wilderei ist

Die Körbe sind bis zum Rand mit Pilzen gefüllt.  Waldwanderer haben in den vergangenen Wochen gute Beute gemacht. Auch Forstamtsleiter Christian Lange hat sie gesehen. Es stört ihn nicht.  Aber nicht nur Pilze werden gern im Wald gesammelt. Bevorzugt in den Wintermonaten  schleichen Geweihliebhaber durch die Wälder  –  ohne Jagdschein –  auf der Suche nach Stangen. Die ersten sind  auch bereits jetzt unterwegs. Manche finden die Stangen auch zufällig.    Dazu sagt Christian Lange ganz klar: „Die Abwurfstangen bleiben bitte im Wald!“   Der Leiter des Forstamtes Friedrichsmoor beobachtet diesen Trend schon seit einigen Jahren.  Nur der Jagdausübungsberechtigte, sprich der Jagdpächter, Förster oder Inhaber des Grundstücks, darf  sich diese Abwurfstangen aneignen.  „Dass sich alle anderen Sammler damit der Wilderei strafbar machen, ist vielen  nicht bewusst“, sagt der Förster und betont aber: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“ Manchmal belassen er und seine Berufskollegen sowie Jäger es bei einer Verwarnung und nehmen lediglich die Stangen ab. Das Strafmaß reicht jedoch von einem Ordnungsgeld bis hin zu einer Freiheitsstrafe. Deshalb rät Christian Lange: Interessierte  sollten sich vorab beim Jagdausübungsberechtigten eine Sammelerlaubnis besorgen. „Es ist aber auch möglich, einen Jäger nach solchen Stangen zu fragen oder sich bei den Kreisjagdverbänden zu erkundigen“, schiebt er hinterher. Das gelte allerdings nicht für kommerzielle Zwecke.

Von Internetgeschäften rät er ab. „Es lässt sich schwer nachvollziehen, woher die Abwurfstangen sind. Ich würde dort keine kaufen.“

Auf einen Blick
Was sind eigentlich Abwurfstangen?
Die Hirsche bilden jedes Jahr ein neues Geweih. Sie nutzen es, um in Rangordnungskämpfen das Vorrecht für die Paarung auszukämpfen. Dadurch wird auch der Platzhirsch für die Brunft bestimmt. Der Verlust des Geweihs ist ein ganz natürlicher Vorgang. Jährlich – zwischen  Februar und März – wird dieser wiederholt. Durch  sogenannte knochenfressende Zellen löst sich das Geweih vom Kopf. Ist das Geweih abgefallen, beginnt sofort die Ausbildung eines neuen.  Es dauert etwa 140 Tage, bis der Hirsch wieder so ein imposantes Geweih auf dem Kopf trägt. Mit zunehmendem Alter wird dieses größer, schwerer, verzweigter.  Die Abwurfstangen geben  Aufschluss über den Gesundheitszustand und die Entwicklung der Tiere, sie sind aber auch für Nicht-Jägern beliebte Sammlerstücke.

 

Geweihe haben für den Laien einen  Deko-Zweck, für den Jäger seien sie vielmehr  ein Erkennungsmerkmal für Alter, Entwicklung und Veranlagung eines Hirsches. „Neben dem Körperbau der Tiere und der Abnutzung der Zähne lassen sich am Geweih wichtige  Indikatoren für die Einteilung in Altersklassen ableiten“, sagt der Revierförster. Und so könne mit Hilfe einer Abwurfstangenreihe und den entsprechenden Fundorten der über die Jahre  gesammelten Abwurfstangen eines Hirsches,  durch die Hegegemeinschaften zudem die Standorte der Population beurteilt werden. Es könne  auch sein, dass eine gefundene und beim Jagdausübungsberechtigten angezeigte Abwurfstange nicht mitgenommen werden darf. „Aber es ist immer besser zu fragen“, sagt Christian Lange.  Der Straftatbestand der Wilderei gilt übrigens auch für die Mitnahme von ganzen Tieren, oder Teilen, Gehörnstangen   sowie  für Federn und  Eiern – alles wird geahndet.

Neben dem Tatbestand der Wilderei  ist die Zeit des Stangenabwurfs auch als Schonzeit für das Rotwild deklariert. „Diese Zeit wird  von den Tieren genutzt,  um die Jungen zu gebären und aufzuziehen. In dieser Zeit findet auch keine Bejagung des Wilds statt. Sammler sorgen nur für  Hektik und Unruhe“, erklärt der Forstamtsleiter.

 

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erstellt am 11.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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