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Flüchtlinge in Schwerin : Flüchtlinge weiter betreuen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wenn das Asylverfahren beendet ist, zahlt das Land die Sozialarbeit nicht mehr: Stadt will übernehmen

Die Herausforderungen für die Stadt im Umgang mit den Flüchtlingen reißen nicht ab. Diesmal geht es um die Frage: Wie lange ist soziale Betreuung nötig? Und wer bezahlt sie? Die Verwaltung stellte jetzt ein achtseitiges Konzept dem Hauptausschuss vor. Tenor: Eine Sozialbetreuung über zwei Jahre ist für die Neuankömmlinge gewollt. Die Stadt würde die auch aus eigener Tasche bezahlen. Dabei helfen die 1,2 Millionen Euro, die das Land vor Kurzem an Schwerin für die Flüchtlingsarbeit weitergereicht hat. Oberbürgermeister Badenschier: „Jeder Euro, den wir jetzt in die Integration von Flüchtlingen investieren, zahlt sich in ein paar Jahren vielfach aus.“

Fakt ist: Schwerin ist aktuell die Stadt mit den meisten Flüchtlingen in MV. Ihre Zahl lässt sich nicht unmittelbar aus dem Ausländerzentralregister ableiten, wird aber auf mehr als 1300 geschätzt. 340 Flüchtlinge kamen allein im zweiten Halbjahr 2016 neu in die Stadt, nur 20 von ihnen waren Schwerin direkt zugewiesen worden. Die übrigen zogen aus anderen Landesteilen hierher. Während des laufenden Asylverfahrens zahlt das Land die Sozialbetreuung für die Flüchtlinge – längstens für zwei Jahre. Dabei geht es vor allem um die Vermittlung typisch deutscher Alltagskompetenzen – von der Wohnungssuche über die Beantragung von Kindergeld und Kita-Platz bis hin zur Mülltrennung. Wenn das Asylverfahren früher endet, stellt das Land allerdings seine Zahlungen für die Sozialbetreuung ein. Und genau das passiert jetzt: Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien erhalten ihre Anerkennung mittlerweile nach wenigen Wochen. Sicher im Umgang mit all den Regeln und Gewohnheiten in ihrer neuen Heimat sind sie dann aber noch längst nicht. Deshalb muss die Sozialbetreuung auch für anerkannte Flüchtlinge weitergehen, bis die zwei Jahre voll sind, findet die Verwaltung. Die Leistung selbst soll europaweit ausgeschrieben werden. Allerdings wird der dann ausgewählte Dienstleister erst zum 1. Oktober mit seiner Arbeit beginnen können. So lange soll die derzeitige Betreuungsfirma, die Comtact GmbH, mit ihrer Arbeit weitermachen. Unterschied: Nicht das Land finanziert nun ihre Flüchtlings-Arbeit, sondern die Stadt.

Der Betreuungsschlüssel beträgt übrigens 1:7, das heißt eine Betreuungsstunde für sieben Flüchtlinge von Montag bis Freitag. Eine Betreuungsstunde werde laut bestehenden vertraglichen Beziehungen derzeit mit 685 Euro pro Monat berechnet, so die Verwaltung. Daraus resultieren monatliche Kosten von rund 21 000 Euro für insgesamt 215 Flüchtlinge.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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erstellt am 20.Apr.2017 | 12:00 Uhr

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