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Zeitung für die Landeshauptstadt

04. Dezember 2016 | 21:20 Uhr

Alt Metelns Wehr : Feuerwehrmänner mit Schutzengel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Alt Metelns Wehrführer Tim Hübner und Maschinist Thomas Fritzowski wurden beim Einsatz angefahren und blieben zum Glück unverletzt

Den Einsatz nach einem Schulbus-Unfall in der vorigen Woche am Ortsrand von Alt Meteln (SVZ berichtete) werden die beiden Feuerwehrmänner Tim Hübner (29) und Thomas Fritzowski (41) ihr Leben lang nicht vergessen. Denn als die ehrenamtlichen Helfer gerade dabei waren, den im Bus eingeklemmten Fahrer zu befreien, gerieten sie selbst in Lebensgefahr: Aus einer Anliegerstraße preschte ein Fahrzeug in die abgesperrte Unfallstelle. Der 35-jährige Fahrer umkurvte mit seinem roten Audi das Feuerwehrauto und die Absperrkegel, fuhr direkt in die Gruppe der Feuerwehrleute rein.

„Einer rief noch ,Vorsicht Auto!‘ Doch darauf konnte ich gar nicht mehr reagieren“, erzählt Wehrführer Tim Hübner. Zu diesem Zeitpunkt „lag“ der 29-Jährige nämlich bereits auf der Motorhaube des Fahrzeuges. Der Wagen hatte Hübner erfasst, mit der rechten Körperseite landete auf dem Fahrzeug. „Zum Glück hatte ich meinen Einsatzhelm auf, denn mein Kopf knallte gegen die Windschutzscheiben“, erzählt Tim Hübner. Wie heftig dieser Aufprall gewesen sein muss, zeigte die zersplitterte Windschutzscheibe. Hübner selbst rollte sich „irgendwie“ ab. Doch da war der Wagen bereits über den rechten Fuß von Thomas Fritzowski gerollt. „Der Fahrer hatt dann richtig beschleunigt, ist durch die hintere Absperrung in Richtung Rugensee davon gerast“, erzählt Fritzowski.

Dass sie gerade in Lebensgefahr waren, realisierten beide Männer erst viel später, nach dem Einsatzende. „In dem Moment habe ich einfach weitergemacht“, berichtet Tim Hübner. „Wir mussten ja dem Busfahrer helfen.“ Hinzu kam zum Glück, dass beide Feuerwehrleute keine Verletzungen davontrugen. „Ich habe zwar auf meiner rechten Körperseite etwas gespürt, aber das ist nichts weiter“, sagt der Wehrführer. Maschinist ist Thomas Fritzowski merkte auch „nur kurzzeitig den Druck“ auf dem Fuß. „Die Stahlkappe in meinem Sicherheitsschuh muss alles abgefangen haben“, schätzt der 41-Jährige ein. „Die ist nicht einmal verformt!“ Beide Männer haben sich später sicherheitshalber beim Notarzt gemeldet. „Er hat nichts gefunden“, erzählt Hübner, und Fritzowski ergänzt: „Uns gehts gut.“

Doch damit soll und darf diese Aktion nicht zu den Akten gelegt werden. „Wir werden alles bei der nächsten Ausbildung auswerten“, betont Wehrführer Hübner. Denn auf Schutzengel dürfen sich die Feuerwehrleute nicht verlassen.

„Die Alt Metelner Kameraden hatten ihre Schutzkleidung an, sind ausgebildet und stehen im Training“, betont Bernd Römpage. Der Amtswehrführer von Lützow-Lübstorf ergänzt: „Das sind die entscheidenden Faktoren für den Schutz unserer Leute.“ Die Ereignisse von Alt Meteln würden das bestens belegen. „Aber zum Glück kommt so etwas äußerst selten vor. In unserem Amtsbereich war das der erste so drastische Fall“, berichtet Römpage. Deshalb wird das Geschehene auch Thema auf Amtsebene werden. Zudem verdonnerte der Amtswehrführer die beiden Kameraden zu einem weiteren Arztbesuch: „Nach einem Unfall müssen sich die Betroffenen schon allein aus Versicherungsgründen bei einem Durchgangsarzt vorstellen – selbst wenn nichts weiter passiert ist.“

Tim Hübner und Thomas Fritzowski werden das erledigen. Zudem haben sie derzeit noch damit zu tun, alles im Kopf zu verarbeiten. „Denn hinterher kamen einem ja auch Gedanken wie: Was hätte alles passieren können“, räumt Tim Hübner ein. Doch davon will sich der 29-jährige Familienvater nicht verrückt machen lassen. „Ich bin und bleibe Feuerwehrmann, helfe anderen Menschen gern“, unterstreicht er.

Der Wehrführer weiß auch, dass es keinen hundertprozentige Sicherheit gibt: „Aber wir können selbst viel dafür tun, Gefahren zu minimieren.“ Da gelte übrigens auch für Schaulustige. „Ich mag gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn der Wagen in die Menschengruppe hinter der Absperrung gefahren wäre“, sagt Hübner.

Den 35-jährige Autofahrer konnte die Polizei am Tag darauf bei einer Verkehrskontrolle in Lübstorf stellen, die Ermittlungen gegen ihn laufen, heißt es von der Polizei.

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erstellt am 06.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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