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Zeitung für die Landeshauptstadt

09. Dezember 2016 | 22:13 Uhr

Schweriner Brandschützer sauer : Feuerwehr klagt über Überstunden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Unbesetzte Personalstellen und Krankheit führen zu erheblicher Mehrarbeit / Viele Lebensretter zeigen sich unzufrieden

„Wir haben sieben Gruppen mit jeweils vier bis fünf Leuten. Das ist eigentlich ein gutes Schichtsystem. Aber sobald einer krank wird oder ein Lehrgang ansteht, bricht das System zusammen“, klagt ein Berufsfeuerwehrmann gegenüber SVZ. „Bei uns steigt schon wieder der Krankenstand.“

600 Überstunden verzeichne inzwischen so mancher Lebensretter – ohne Aussicht auf Freizeitausgleich. Eine 80-Stunden-Woche sei keine Seltenheit, heißt es aus Kreisen der Brandbekämpfer. Sie betonen gegenüber SVZ allerdings auch, dass vieles besser geworden sei, seit Stephan Jakobi Amtsleiter ist. Doch auch er könne auf die Schnelle kein zusätzliches Personal organisieren.

Stolze 26 Planstellen sind gegenwärtig bei der Schweriner Berufsfeuerwehr unbesetzt. Die laut Feuerwehrbedarfsplan beschlossene Soll-Stärke von 16 Einsatzkräften pro Schicht konnte schon mehrfach nicht erreicht werden. Der zuständige Dezernent beruhigt: „Die Leistungskraft unserer Berufsfeuerwehr ist dadurch nicht gefährdet. Kein Schweriner muss sich um die Sicherheit sorgen“, betont Bernd Nottebaum.

Aber darunter leiden eben die Berufsfeuerwehrleute. „In den vergangenen Monaten wurde Mehrarbeit von jeweils rund 800 Stunden angeordnet, um die Dienststärke halten zu können. Die Kollegen spüren dies recht deutlich, da wir ihre Freischichten im Schichtrhythmus streichen. Normalerweise hätte jeder im Schnitt jede siebte Schicht der Folge frei, um die wöchentliche Höchstarbeitszeit einzuhalten. Dies ist derzeit nicht mehr gegeben“, erklärt Dezernent Nottebaum.

Und die Arbeit in der 24-Stunden-Schicht ist hart – auch außerhalb großer Einsätze wie in der vergangenen Woche am Güterbahnhof. Ein Feuerwehrmann erklärt: „Wenn ich in der Zwölf-Stunden-Schicht bei der Feuerwehr auf den Leiterwagen eingeteilt bin, fahre ich schon mal gut und gerne fünf oder sechs Einsätze zur Tierkadaverbeseitigung. Dann kommt der Wechsel in den Rettungsdienst und da stehen dann weitere drei oder mehr Einsätze pro Schicht an.“

Das sei aber normal, erklärt Nottebaum. „In einem 24- Stunden-Zeitraum wird nach je 12 Stunden ein Funktionswechsel vorgenommen, da dieser laut Arbeitszeitrichtlinie MV vorgeschrieben ist. Auch mit mehr Personal würde sich daran nichts ändern.“

Doch die Motivation fehle ebenfalls, beklagen einige Feuerwehrleute und mutmaßen: „In anderen Städten gibt es viel bessere Aufstiegschancen als in Schwerin. Und das hat sich bundesweit auch schon rumgesprochen. Deshalb will kaum jemand hier anfangen.“ Es gäbe Kollegen, die kurz vor der Rente stehen und immer noch ihre Eingangsbesoldungsstufe A 7 hätten, so Brandschützer.

Auch hier habe die Stadt wenig Spielraum, erklärt Nottebaum. „Wir können nicht einfach aus einer A 7 eine A8 machen. Wenn jedoch ein Kollege mit A7 auf einer Besoldungsstelle A8 eingestellt wurde, wird er auch später befördert“, so der Dezernent. „Der Stellenplan sieht eine angemessene Anzahl an Beförderungsstellen in allen Laufbahngruppen vor.“

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erstellt am 22.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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