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Zeitung für die Landeshauptstadt

04. Dezember 2016 | 17:22 Uhr

Groß Brützer Pastorin verabschiedet sich : „Es ist Zeit für Neues“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gesine Isbarn wechselt als Reformationsbeauftragte nach Schwerin

Die ersten Umzugskartons sind gepackt: Gesine Isbarn beendet ihre Arbeit als Pastorin in Groß Brütz – nach 15 Jahren. In Schwerin wartet Neues auf sie. Die 56-Jährige ist Reformationsbeauftragte für den Sprengel Mecklenburg und Pommern. Das ist eine Vollzeitstelle, als Gemeindepastorin war sie halbtags angestellt. Leicht fällt ihr der Abschied nicht, sagt sie. Immerhin hat Gesine Isbarn in den zurückliegenden Jahren in ihrem Pfarramt viel erreicht. Groß Brütz war ihre erste Pfarrstelle und wurde zur Heimat. Hier sind auch ihre drei Kinder aufgewachsen. Sie kam aus Lübz, war Gemeindepädagogin. In Groß Brütz wurde sie zur Pastorin berufen. Die Kirchengemeinde mit acht Dörfern zählt 370 Christen.

Eins war ihr immer wichtig: Menschen – ob Christ oder nicht – zusammenzubringen. Und das sei ihr gelungen, sagen ihre Wegbegleiter: auch in unzähligen kirchlichen Begegnungen. So zum Beispiel bei Bibelgesprächen, bei Nachbarschaftstreffs, Filmabenden, Gartenkonzerten, seelsorgerischen Gesprächen. Die Pastorin hat mit Kindern gebastelt, gekocht, gesungen oder auch gezeltet.

Und sie hat sich im Laufe der Jahre als „Bau-Expertin“ entwickelt. Ob in der Kirche, im Pfarrhaus oder der Pfarrscheune – Gesine Isbarn hat in dem Dorf Spuren hinterlassen. Die Kirche, so erzählt sie, sei umfassend saniert worden, vom Dachstuhl bis zu den Grundmauern. Die Orgel wurde restauriert, auch der Altar, die Heizung erneuert, das Gestühl gestrichen. Fünf Jahre habe es gebraucht, bis die Kirche „einmal durchsaniert“ war. Nicht wiederzuerkennen ist der alte Pfarrstall, er war schon fast eingefallen. Heute ist er Begegnungsstätte, Café, Werkstatt und Lager.

Viel Herzblut steckte Gesine Isbarn in die Pflege und Gestaltung des Pfarrgartens. Anfangs halfen ABM-Kräfte, ihn von Unrat zu säubern, dann pflegte sie die Buchsbäume, setzte sich dafür ein, dass die Streuobstwiese erneuert wurde. Das Ergebnis der jahrelangen gärtnerischen Mühen: ein Garten, der im Sommer grünt und blüht und in dem alte wie neue Bäume Schatten spenden. „Die Arbeit im Garten hat mich immer geerdet. Sie war und ist meine Kraftquelle“ sagt die Pastorin. Viel zu tun gab es auch auf dem Friedhof. So wurde eine Urnengemeinschaftsanlage angelegt. Großen Zuspruch bekam Gesine Isbarn für die Sanierung der Friedhofsmauer.

Für die meisten Projekte musste die Kirchengemeinde Geld einwerben. Bei der Suche nach Spendern lernte sie viele Leute kennen. Das seien gute Gelegenheiten gewesen, mit Menschen in Kontakt zu kommen und erzählt diese Episode: „Die kaputten Kirchenglocken sollten saniert werden. Dafür brauchten wir 8000 Euro. Eines Abends klingelte es an der Tür des Pfarramt und ein Mann aus Gottesgabe legte einen Umschlag mit 1200 Euro auf den Tisch. Das Geld hatte er in seinem Dorf gesammelt, er war von Haus zu Haus gegangen und kaum einer wies ihn ab, erzählte er mir damals.“ So kam die stolze Summe zusammen. Dabei hätte der Mann aus Gottesgabe mit der Kirche nicht viel am Hut gehabt. Aber er nannte ihr einen Grund: Sein Vater war gestorben und wurde auf dem Friedhof in Groß Brütz beigesetzt – ohne Glockengeläut, wie es sich die Familie des Verstorbenen gewünscht hatte. Dieser Wunsch konnte damals leider nicht erfüllt werden. Dank der großzügigen Spende war das Geld für die Glockenreparatur innerhalb von nur zwei Monaten zusammen.

Dass so vieles gelingen konnte, ist auch einem selbstbewussten und zuverlässigen Kirchengemeinderat zuzuschreiben, betont die Pastorin. Die Zusammenarbeit sei sehr gut gewesen, die Mitstreiter hätten die Projekte stets mitgetragen.

Jetzt will sich Gesine Isbarn von ihrer Kirchengemeinde verabschieden. „Es ist Zeit für Neues“, sagt sie. Die Reformationsbeauftragte begleitet neue Projekte – als Kontaktperson zwischen Kirche, Politik und Kultur. Im nächsten Jahr feiern die evangelischen Kirchen das Reformationsjubiläum, dann jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen.

Bevor sie sich aber nach Schwerin aufmacht, lädt Gesine Isbarn am Sonntag um 14 Uhr zu ihrem Abschieds-Gottesdienst mit Probst Dr. Karl-Matthias Siegert in die Kirche Groß Brütz ein. Im Anschluss gibt es Kaffee und Gelegenheit, persönlich Ade zu sagen. Willkommen sind alle. Nachfolgerin von Gesine Isbarn wird Angelika de Oliveira Gloria. Sie übernimmt ab November die Pfarrstelle Groß Brütz.

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erstellt am 13.Okt.2016 | 23:42 Uhr

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