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Zeitung für die Landeshauptstadt

06. Dezember 2016 | 18:56 Uhr

Schweriner Theaterlegende : Ein Leben auf der Bühne

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Theaterlegende Udo Molkentin feiert am Sonntag seinen 80. Geburtstag und ist dankbar für viele schöne Momente

Der Novemberwind pfeift durch den Garten, während Udo Molkentin im Wohnzimmer seines Hauses einen Schluck von seinem Kaffee nimmt. „Wenn ich zurückblicke, bin ich mit meinem Leben sehr zufrieden“, sagt der bekannte Schauspieler. Gemeinsam mit seiner Frau Angret lebt der gebürtige Berliner in Augustenhof – und genießt dort die Ruhe und Nähe zur Natur. Am Sonntag feiert der Mime, der am Schweriner Staatstheater an 150 Inszenierungen mitgewirkt hat, seinen 80. Geburtstag.

Geboren 1936 in Berlin, entdeckte Molkentin bereits in jungen Jahren seine Liebe zum Schauspiel: „Meine ersten Erfahrungen sammelte ich in kirchlichen Laienspielgruppen“, erzählt der gelernte Mechaniker. Während seiner Ausbildung spielte er nebenbei in einem Berliner Arbeitertheater, gewann mit diesem den DDR-Ausscheid und durfte zum 1. Jugendfestival nach Moskau reisen. „Als ich dann 1958 in Leipzig Feinwerktechnik studieren sollte, bewarb ich mich zeitgleich für die Schauspielschule“, blickt das Geburtstagskind zurück. Und sein Mut wurde belohnt. 1965 kam Molkentin dann nach seinem ersten schauspielerischen Engagement in Eisleben durch seinen Freund und Regisseur Gert Jurgans nach Schwerin. Was folgte, war eine jahrzehntelange Karriere als Theaterschauspieler mit zahllosen Erlebnissen – die Molkentin unter anderem nach Rom und Wien führten. Vor allem die Reisen in den Westen seien damals immer ein Abenteuer gewesen, sagt Molkentin: „Da meine Mutter in Köln lebte, war immer jemand von der Stasi dabei. Amüsiert haben wir uns trotzdem – und einmal haben wir sogar Fernseher im Bühnenwagen mitgeschmuggelt.“

Die schönste Zeit am Theater sei die mit Christoph Schroth und dem damaligen Ensemble gewesen, so Molkentin. „Ganz am Anfang, als Schroth nach Schwerin kam, wollte er das halbe Ensemble entlassen, auch mich. Doch die Bezirksführung machte ihm einen Strich durch die Rechnung“, erzählt der 80-Jährige. Laut dem Schauspieler hätte er bei der ersten Aufführung nach Bekanntwerden dieses Streits vom Publikum Szenenapplaus erhalten. „Noch bevor ich überhaupt etwas getan hatte.“ Doch dann habe sich zwischen Schroth, Molkentin und den anderen Schauspielern ein ganz besonderes Verhältnis entwickelt, was unter anderem in der 110-fachen Aufführung von Goethes „Faust“ gipfelte. Bis 2002 war der Schauspieler am Staatstheater tätig, 2009 absolvierte Molkentin dann seinen letzten Gastauftritt in Molières „Der Menschenfeind“.

Doch nicht nur auf der Bühne erlebte Molkentin in Schwerin seine beste Zeit – auch im privaten Leben. „Kurz nachdem ich nach Schwerin kam, lernte ich meine Frau Angret passenderweise am Theater kennen. Sie sang im Extra-Chor und wir verstanden uns auf Anhieb“, sagt der Vater von zwei Töchtern und Opa von fünf Enkeln. 1968 heirateten die beiden dann und leben seitdem Seite an Seite.

Zukünftige Gastauftritte im Theater sind nicht geplant, wenngleich sich Molkentin immer noch sehr für das Schweriner Theater interessiert. „Jetzt feiere ich erst mal meinen Geburtstag und dann sehen wir mal, was als nächstes kommt.“ Hoffentlich noch viele glückliche Jahre mit seiner Frau, seiner Familie und den vielen Bekannten.

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erstellt am 05.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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